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Duderstadt Zu Besuch beim Duderstädter Friedhofsgärtner Gottlieb Wunderlich
Die Region Duderstadt Zu Besuch beim Duderstädter Friedhofsgärtner Gottlieb Wunderlich
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10:03 08.05.2013
Nach 25 Jahren rückt der Friedhofsgärtner mit dem Bagger an: Gottlieb Wunderlich entfernt Steinplatten aus einem Grab, das eingeebnet werden soll. Quelle: Thiele
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Duderstadt

Mit seiner Arbeitshose, seinen Arbeitshandschuhen  und einer Jacke, die nach Wasserfestigkeit und Wanderausrüstung aussieht, wirkt Wunderlich wie jemand, der gleich auf seinem Grundstück eine Garage bauen will. Würde Hollywood einen Darsteller für einen Friedhofsgärtner suchen: Wunderlich käme schon allein wegen seines Typs nicht infrage.

„Ja, ich bin hier im Maschinenschuppen“, ruft er in sein Handy. Wunderlichs Handy klingelt in einer Stunde zweimal. Er steht mitten im Leben. Wunderlich grüßt alle laut, die ihm auf dem Friedhof begegnen. Ungefähr zehn. Alle grüßen zurück, man kennt sich.

„Abteilungen“ nennt er die Grabfelder

Manche mögen die Stimme senken, wenn sie einen Friedhof betreten. Wunderlich nicht. Das hier ist sein Arbeitsplatz. Andere gehen ins Büro, Wunderlich wandert die Wege zwischen den Gräbern ab. „Abteilungen“ nennt er die Grabfelder. Begriffe wie „letzte Ruhestätte“, „letzter Gang“: Wunderlich benutzt sie nicht.

Weiße Kerzen in roten Gläsern liegen auf einem Haufen, der für den Abfall bestimmt ist. Nach den Begräbnissen müssen die Grableuchten entsorgt werden. Man hat die Stelle abseits eingerichtet und hinter einem Sichtschutz versteckt. Wunderlich marschiert auf den Haufen zu und fährt kräftig mit dem Spaten hinein, um ihn zu richten. Als läge hier eine Anhäufung Laub, der man zu Leibe rücken muss.

Etwas, wo er draußen sein kann und eine Arbeit, bei der er am Ende des Tages auch sieht, was er gemacht hat: So hat sich Wunderlich als Junge seinen Traumberuf vorgestellt. Auf seine jetzige Arbeit trifft beides zu.

Der Moment, in dem der Bagger zum Einsatz kommt

Am Vormittag hat der 47-Jährige damit begonnen, ein Grab einzuebnen. 25 Jahre bleibt ein Einzelgrab unangetastet, dann rückt Wunderlich an. Es ist der Moment, in dem der orangefarbene Bagger zum Einsatz kommt. Und der Trecker, den der Friedhof vor einem Jahr angeschafft hat. Heute stehen beide vor der Kapelle. Es dröhnt und kracht, wenn die Baggerschaufel eine steinerne Einfassung greift und auf die Ladefläche hinter dem Trecker fallen lässt. 

 „Gruselig“, ja, so hat Wunderlich das Einebnen von Gräbern früher gefunden. Als er die Erde noch mit der Schaufel aufgewühlt hat. „Aber  man stumpft auch ab“, sagt er. Und die Zeiten, in denen er das noch per Hand gemacht hat, sind lange vorbei.

Wenn der Boden zugefroren ist und eine Grabstelle für ein Begräbnis vorbereitet werden muss, kann aber auch der Bagger nichts mehr ausrichten. Dann holt Wunderlich den Presslufthammer. „So ist das halt. Die nehmen keine Rücksicht aufs Wetter, wenn sie sterben.“ „So ist das halt.“ Das könnte Wunderlichs Motto sein, er sagt den Satz mehrfach. Wunderlich ist jemand, der sich arrangiert. Als Friedhofsgärtner hat er sich beworben, weil bei den Maurern „damals nicht so viel los war“. Auf dem Friedhof aber wollte kaum jemand arbeiten. Da hat Wunderlich seine Chance gesehen.

Verantwortung über rund zweihundert Gräber

Jetzt trägt er die Verantwortung über rund zweihundert Gräber, die er pflegt, er mäht, stutzt Hecken, bereitet für die Beerdigungen alles vor. Und erledigt, was sonst noch so anliegt auf seinem Vier-Hektar-Terrain. Dabei dürfte Wunderlich eigentlich gar nicht hier sein. Vier Wochen lang war er krank, seine Ärztin hat ihm verboten, mit der Arbeit schon wieder anzufangen.

Aber Wunderlich sagte: „Nö. Ich muss raus.“ Und griff sich die Harke aus dem Schuppen und begann mit der Arbeit.

Von Telse Wenzel

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