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Duderstadt Zu Hause in New York und Göttingen: Jim Dine wird 80 Jahre alt
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00:27 18.06.2015
In den 60er-Jahren einer der Wildesten: der Pop-Art-Künstler Jim Dine. Quelle: dpa
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New York/Göttingen

Für die Kunst trank Dine sogar … ja, was eigentlich? Für die Kunst trank Dine aus dem Farbtopf. „Ich liebe, was ich tue, Hilfe!“, schrieb er 1960 während eines Happenings in New York auf die Leinwand, dann setzte er die rote Dose erst an den Mund und kippte sich die Farbe schließlich über den Kopf. Was die verstörten Zuschauer miterlebten, war eine Geburtsstunde der Pop-Art und Dine ist einer ihrer legitimen Väter. Inzwischen gehört er längst zum (Kunst-)Establishment, der an edlen Universitäten lehrt und in den wichtigsten Museen der Welt hängt.

 
Als der Junge aus Ohio seine Kunst machte, gehörten zu seinen Freunden Nachwuchskünstler mit völlig unbekannten Namen wie Jasper Johns, Andy Warhol, Robert Rauschenberg und Roy Lichtenstein. Doch der Widerstand gegen die Pop-Art war nur kurz, bald akzeptierte die Kunstszene die quietschbunten Bilder. Selbst als Dine zur Majestätsbeleidigung schritt und 1967 US-Präsident Lyndon Johnson neben Chinas Führer Mao Tsetung abbildete – mit dickem Lippenstift und Lidschatten. Ansonsten fanden sich Alltagsgegenstände auf seinen Bildern. Eben typisch Pop-Art. Zahnbürsten und Krawatten waren dabei, Gabeln und Pinsel, Werkzeuge – und immer wieder Bademäntel. Was hat dieser Amerikaner nur mit den Bademänteln? Manchmal malt er sogar nur Bademäntel und nennt es „Selbstbildnis“.

 
Das ändert sich nach einer Krise, während der er sogar in der Psychiatrie ist. Fortan das Hauptmotiv seiner Kunst: Herzen. Sie seien ein Symbol für Poesie. Je älter Dine wurde, desto vielfältiger wurde er. Er stellt nicht nur Bilder in Guggenheim und Tate, auf der Documenta in Kassel und der Biennale in Venedig aus, er ist längst auch für seine Skulpturen und Grafiken bekannt und er fotografiert. Dann waren da noch Bühnenbilder, und da er nun schon einmal beim Theater war, entwarf er gleich noch Kostüme. Selbst in der Poesie ist er zu Hause. Und gleich in mehreren Sparten versuchte er sich in den vergangenen Jahren mit Pinocchio, immer wieder Pinocchio. In jeder Kunstrichtung weiß er, wie gut ein wichtiger Effekt ist. Was macht es da schon, wenn in der roten Farbdose, aus der er 1960 trank, nur Tomatensoße war.

 

Von Chris Melzer

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