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Friedland Abendgebet zur Dämmerstunde in Klein Schneen
Die Region Friedland Abendgebet zur Dämmerstunde in Klein Schneen
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15:28 10.08.2018
Abendgebet in der Dämmerstunde: Christine Gundelach-Just, Helmut Gundelach und Vikar Tobias Kirschstein. Quelle: Michael Caspar
Klein Schneen

Drei lutherische Pastoren betreuen in der Region Friedland / Obernjesa, kurz Friedo genannt, 15 Gemeinden mit 20 Kirchen. „In den vergangenen Jahren gab es bei uns Einschnitte bei den Pfarrstellen“, berichtet Kirchenvorsteher Gundelach. Schon lange könne nicht mehr überall jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert werden. Je nach Größe der Orte fänden Gottesdienste alle zwei Wochen wie in Groß Schneen oder auch nur zweimal im Jahr wie in Stockhausen statt.

Künftig zwei Abendgebete pro Monat

„Wer jeden Sonntag in die Kirche will, muss fahren“, sagt Gundelach. Ältere Menschen seien aber oft nicht mobil. Andere scheuten den Aufwand. Deshalb hätten Gundelach-Just und er auf Anregung von Vikar Tobias Kirchstein beschlossen, künftig jeden ersten und dritten Sonnabend im Monat um 18 Uhr ein 20-minütiges Abendgebet anzubieten. Dort könne sich jeder, der wolle, einbringen. Es müsse aber niemand etwas sagen. Besucher kämen zur Ruhe und sängen ein Lied. Danach werde gemeinsam gegessen und getrunken, bei gutem Wetter am Thie.

Bis zu 15 Besucher im normalen Gottesdienst

„Wir möchten so auch Menschen erreichen, die mit einem Sonntagsgottesdienst nicht so viel anfangen können“, ergänzt Gundelach-Just. Dass es da einen Bedarf gebe, hätten sie bei verschiedenen Gelegenheiten beobachtet. Gundelach nennt auch Zahlen: Im 560-Einwohner-Ort gebe es 350 Lutheraner. Zehn bis 15 Gläubige kämen zu den normalen Gottesdiensten.

Gottesdienste zusammengelegt

„Wo nur noch eine Hand voll Menschen in die Kirche kommt, legen wir Gottesdienste zusammen“, sagt Superintendent Friedrich Selter. So empfehle es eine Qualitätsinitiative des Kirchenkreises Göttingen. Ein gut besuchter Gottesdienst, bei dem sich viele ehrenamtlich einbrächten, sei wesentlich attraktiver, als viele kleine, schlecht besuchte Gottesdienste.

Kirchenkreis Göttingen verliert jedes Jahr 1000 Mitglieder

„Wir müssen auch die Personalsituation berücksichtigen“, räumt Selter ein. In den vergangenen 15 Jahren seien aufgrund der Finanzlage – der Kirchenkreis verliere jährlich 1000 Mitglieder – Stellen abgebaut worden. Mittlerweile ließen sich zudem Stellen aufgrund von Personalmangel nicht mehr besetzen. In städtisch geprägten Teilen des Kirchenkreises betreue ein Pastor heute gut 3000 Lutheraner, in ländlichen Bereichen deutlich unter 2000 Gläubige. Manche Pastoren seien für sechs Kirchen zuständig.

Lektoren und Prädikanten

„Eine wichtige Bereicherung im Kirchenkreis sind die 53 ehrenamtlich tätigen Lektoren und Prädikanten, die selbst Gottesdienste leiten dürfen“, betont der Superintendent. Die Prädikanten könnten sogar eigene Predigten vortragen und das Abendmahl feiern. Seit zehn Jahren gebe es zudem die Initiative „Einfach Gottesdienst feiern“, die Ehrenamtliche bei der Durchführung von Angeboten wie dem in Klein Schneen unterstütze. An vielen Orten im Kirchenkreis gebe es das bereits, etwa in Bremke oder Esebeck.

Wortgottesfeiern bei den Katholiken

„Auch in der katholischen Kirche, die lange nicht mehr so pfarrerzentriert ist wie früher, führen mittlerweile Ehrenamtliche Wortgottesfeiern durch“, sagt der Göttinger Dechant Wigbert Schwarze. Mit Erlaubnis des Bischofs dürften sie in Landgemeinden wie Adelebsen und Dransfeld auch die Kommunion austeilen. Zwei, drei Ehrenamtliche leiteten zudem Beerdigungen.

Ältestenprediger bei den Reformierten

„Bei uns Reformierten können ehrenamtliche Ältestenprediger neben Abendmahlsgottesdiensten auch Taufen, Trauungen und Beerdigungen durchführen“, sagt Ernst-Ulrich Göttiges, der Präses des Synodalverbands Plesse.

Von Michael Caspar

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