Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Friedland „Am Ende sind wir alle Menschen“
Die Region Friedland „Am Ende sind wir alle Menschen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 20.10.2016
Die Geflüchteten können ihre Handys an die Musikanlage anschließen und selbst bestimmen, zu welcher Musik sie tanzen möchten. Quelle: SPF
Anzeige
Friedland

Einmal im Monat veranstaltet das Museum eine „Cellphone Party“, bei der die Geflüchteten ihre Handys an die Musikanlage anschließen und die Lieder bestimmen können. „Wir lieben die Aktivitäten im Museum Friedland“, meinte Alaa Al Mohammad. Die Musik stelle eine Verbindung zu ihrer Heimat her, erklärte der junge Syrer im Kreis seiner vier Freunde.

Zwei von ihnen hätten bereits eine Wohnung bezogen, die anderen lebten in Sammelunterkünften. An diesem Abend spielte das keine Rolle - ebenso wie ihre Erlebnisse aus den vergangenen Jahren. „Heute Abend sollen sie vergessen“, sagte Jundi-Pfaff, „den Krieg vergessen und sich an das letzte Mal erinnern, als sie getanzt haben.“

Wer anfangs noch gehemmt daneben stand, dem versuchte die Museumsangestellte die Verunsicherung zu nehmen. Sie klatschte, tanzte und motivierte zum Mitmachen. Unter dem Terrorregime des IS sei es zwischen Männern und Frauen verboten gewesen, sich an den Händen zu halten und gemeinsam zu tanzen, erklärte Jundi-Pfaff. Die meisten müssten sich erst wieder daran gewöhnen, erzählte die Syrerin, die einst selbst nach Deutschland geflüchtet war. „Ich helfe ihnen, das Eis zu brechen.“ 

Für Mohamad Al-Mohamad und Alissa Muostafa war dieser Abend aus einem anderen Grund ein besonderer: Nach mehr als zwei beziehungsweise drei Jahren sahen sie am Sonnabend ihre Mütter wieder. Während diese noch in Lagern in der Türkei ausharrten, befanden sich ihre Söhne bereits in Deutschland.

Wäre seine Familie damals nicht aus Syrien geflohen, hätte er entweder für die Armee des Assad-Regimes oder für die Anti-Regierungstruppen kämpfen müssen, übersetzte Jundi-Pfaff für Al-Mohamad und sagte anschließend: „Schritt für Schritt werden sie sich integrieren."

Wie Integration auch funktionieren kann, zeigten wenig später fünf Studenten. Sie kamen während einer Fahrradtour am Museum vorbei, hörten die Musik und entschieden sich spontan mitzumachen. Im Kanon und inmitten der Partygesellschaft sangen sie „Hejo, spann den Wagen an“. Auf die Frage, wie sie dazu kämen, antwortete Marla Freutz: „Weil es ein gutes Zeichen ist und weil wir auch deren Kultur wertschätzen.“

Als die Fünf weiterfahren wollten fragten, zwei junge Mädchen vor dem Museum nach einem Erinnerungsfoto. Nachdem sie auch Nummern ausgetauscht hatten, gingen die Mädchen wieder in das Gebäude, wo ein junger Flüchtling rappte: „Jetzt sind wir Terroristen, weil wir Muslime sind. Am Ende sind wir alle Menschen“. yah

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Friedland Bauarbeiten im Heidkopftunnel - Nächtliche Sperrungen

Wegen Bauarbeiten ist der Heidkopftunnel auf der Autobahn 38 in der Woche vom 17. bis 22. Oktober in mehreren Nächten nicht passierbar.

13.10.2016

Heiße Drähte im doppelten Sinn haben die Viertklässler der Grundschule Friedland in einem Löt-Workshop produziert. Mit Lötkolben und Zinn konnten sie einen sogenannten „Heißen Draht“ oder „Klingeldraht“ herstellen.

10.10.2016
Friedland Veranstaltung in Ballenhausen - „Wandern mit andern“

Zum letzten Mal in dieser Saison organisiert der SV Rot Weiß Ballenhausen am Sonntag, 9. Oktober, die Wanderveranstaltung „Wandern mit andern“. Am Sporthaus des Vereins sollen die Wanderungen zwischen 8 Uhr und 10.30 Uhr beginnen.

07.10.2016
Anzeige