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Friedland Werben für gutes Miteinander zwischen Deutschland und Russland
Die Region Friedland Werben für gutes Miteinander zwischen Deutschland und Russland
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00:18 04.09.2018
Boris Pistorius, Innenminister des Landes Niedersachsen, am Sonnabend in Friedland. Quelle: Tina Hey
Friedland

„Sie sind für uns eine Bereicherung“, sagte Pistorius – und erntete lautstarken Applaus. Zuvor hatte der niedersächsische Innenminister die bewegte Geschichte der Russlanddeutschen seit ihrer „Einladung“ im Jahr 1763 durch die russische (und deutschstämmige) Zarin Katharina II. („die Große“) erläutert. Nach einer kurzen Blütezeit in der Sowjetunion Anfang der 1920er Jahre folgten Diskriminierung und Deportation unter Josef Stalin nach dem Überfall Nazi-Deutschlands. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Russlanddeutschen eine gleich doppelte Diskriminierung erfahren, meinte Pistorius: in Russland als Deutsche schief angesehen, in Deutschland als Russen.

Gutes Miteinander mit Russland

Pistorius war in Vertretung für den Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) nach Friedland gekommen. Der terminlich verhinderte Weil steuerte allerdings eine Botschaft per Video zu: Mit ihrer Kenntnis der russischen Kultur könnten die Russlanddeutschen „zu einem guten Miteinander zwischen Deutschland und Russland beitragen – abseits der aktuellen Schwierigkeiten“.

Thomas Oppermann, Göttinger SPD-Bundestagsabgeordneter und Vizepräsident des Deutschen Bundestages, begrüßte seine Zuhörer mit „Guten Tag, Genossen“ - auf russisch. Friedland habe für lange Zeit „das Ende von Flucht und Vertreibung, aber auch den Beginn von Freiheit“ bedeutet – auch für die Russlanddeutschen. Ihr Schicksal spiegele „alle Höhen und Tiefen einer Migrationsgeschichte“.

„Sie können Brücken bauen“

In Deutschland, erinnerte Oppermann, sei die Integration der Russlanddeutschen „nicht immer eine Erfolgsgeschichte“ gewesen. So habe er in den 1990er Jahren das Jugendgefängnis in Hameln besucht - „da stellten junge Russlanddeutsche die größte Gruppe unter den Gefangenen“. In dieser Zeit seien im Zuge der Glasnost-Politik Gorbatschows sehr viele Deutschstämmige in die Bundesrepublik gekommen. Von Seiten der Deutschen habe es Ressentiments gegeben, von Seiten der Zuwanderer das Gefühl, in einer Fremde gelandet zu sein. „Aber“, so Oppermann, „das ist überwunden. Mit Fleiß und Disziplin haben Sie hier Ihren Platz gefunden.“ Und auch der SPD-Politiker erklärte, die Russlanddeutschen könnten helfen, die derzeitigen Spannungen zwischen Deutschland und Russland positiv zu beeinflussen: „Sie verstehen die russische Kultur. Sie können Brücken bauen.“

Den größten Applaus erhielt Bernd Fabritius. Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten forderte eine Neubewertung der Arbeitsleistungen in deren alter Heimat für die Rentenberechnung. Die Russlanddeutschen seien überproportional von Altersarmut betroffen.

„Wir fühlen uns willkommen“

Eröffnet hatte die Gedenkfeier hatte Lilli Bischoff, Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen der Russlanddeutschen. Das Gedenken ihrer Volksgruppe gelte nicht nur den früheren Opfern stalinistischer Verfolgung aus den eigenen Reihen, sondern auch denjenigen aus anderen Volksgruppen. Jetzt, so Bischoff, fühlten sich die Russlanddeutschen in der Bundesrepublik integriert: „Wir stehen hier mit beiden Beinen auf dem Boden und fühlen uns willkommen.“

Unter den Gästen der Feier in der Mensa des Grenzdurchgangslager befanden sich weiterhin Frank Oesterhelweg (CDU), Vizepräsident des Niedersächsischen Landtages, Natalja Machuga, Leiterin der Perm-Delegation, Johann Thießen, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland und Josef Mesmer, Seelsorger für die Russlanddeutschen im Bistum Augsburg. Ebenfalls anwesend: Dana Guth, Fraktionsvorsitzende der AfD im Landtag.

Von Matthias Heinzel

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