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Friedland „Wir werden für unsere Sammlung kämpfen“
Die Region Friedland „Wir werden für unsere Sammlung kämpfen“
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08:00 07.08.2018
Erst im vergangenen Jahr konnte der Heimatverein das für 7000 Euro restaurierte Glasmalereifenster von 1893 aus der abgerissenen Oberkirche der Öffentlichkeit präsentieren. Quelle: Mischke
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Groß Schneen

Der ehemalige Dachboden in einem Hofgebäude an der Landstraße im Ortskern von Groß Schneen, sagt Ortsheimatpflegerin Gudrun Blank-Vollmer, diene seit fast einem Vierteljahrhundert der Aufbewahrung und der Präsentation der historischen Sammlung des Heimatvereins. Sie umfasst etwa 3500 Objekte aus der Dorfgeschichte, von denen etwa 2900 dokumentiert und inventarisiert sind. Die Ausstellungsfläche mit einer historischen Küche, einem Wohnzimmer, Kirchenfenstern, einer Schuhmacherwerkstatt und einem Friseursalon, Gegenstände aus Gewerbe und zahlreiche Instrumente aus einer Tierarztpraxis samt Büroausstattung ist 280 Quadratmeter groß. Dazu kommen zwei Depots mit etwa 140 Quadratmetern Fläche an anderer Stelle.

Für die jetzigen Ausstellungsräume wurde im Jahr 1995 ein auf 25 Jahre befristeter Mietvertrag geschlossen. Miete und Nebenkosten für die ehemaligen Lagerräume zahlt die Gemeinde Friedland, der Ausbau komplett in Eigenleistung vollbracht – darunter die Erweiterung der Ausstellungsfläche von zunächst 200 auf jetzt 280 Quadratmeter. Installiert wurden außerdem eine Küchenzeile, ein WC , ein neuer Fußboden und eine Werkstatt. Wegen der öffentlichen Nutzung musste der Trakt mit feuertechnischen Sicherheitseinrichtungen ausgestattet werden, beispielsweise mit Brandtreppen.

Längere Gespräche ohne Erfolg

Doch jetzt scheint damit Schluss zu sein: Der Vermieter hat dem Verein bereits vor Monaten mitgeteilt, dass er den Mietvertrag nicht zu verlängern gedenkt. Nachdem auch längere Gespräche mit dem Vermieter zu keiner Sinnesänderung geführt hätten, erklärt Heimatpflegerin Blank-Vollmer, ist der Verein auf der Suche nach neuen Räumen. Doch das gestalte sich schwierig. Eines der Probleme sei „die Menge der Objekte“. Ein weiteres die jahrzehntelange Nutzung der zurzeit genutzten Räume. Blank-Vollmer: „Da stecken viele 1000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit drin.“ Das jetzt aufzugeben, falle sehr schwer.

Landwirt Jörg Müller, Besitzer der Dorfanlage, in der sich die Sammlung derzeit befindet, verteidigt seine Entscheidung und damit das Auslaufen des Mietvertrages. Er verstehe die Lage des Heimatvereins sehr gut, sagt Müller. Schließlich sei er dort selbst Mitglied. Damals habe er die Räume „für einen Appel und ein Ei“ vermietet und das auch gerne getan, aber: „Ich muss auch an die nächste Generation denken.“ In vielleicht zehn Jahren wolle er seinen Hof seinen Kindern übertragen und müsse ihnen unter anderem eine finanziell solide Grundlage überlassen. Mit den derzeitigen Mieteinnahmen von 140 Euro pro Monat oder 50 Cent pro Quadratmeter sei das nicht möglich. „Mittlerweile“, sagt Müller, „habe ich ein schlechtes Gewissen.“

Kurze Verlängerung möglich

Daher werde er den im Jahr 1995 bis zum 30. September 2020 geschlossenen Mietvertrag nicht verlängern. Wenn der Heimatverein allerdings bis dahin keine neuen Räume gefunden haben sollte, erklärt Müller, werde er „über ein paar Monate“ gern mit sich reden lassen. Aber nicht über eine langfristige Verlängerung.

Wie es mit der wertvollen Sammlung genau weitergehen soll, weiß die Ortsheimatpflegerin von Groß Schneen derzeit nicht. Auch die Gemeinde habe ihr mitgeteilt, für eine weitere Vermietung der Räume an der Landstraße gebe es keine Perspektive. Nur eins sei gewiss, sagt Blank-Vollmer: „Wir werden für unsere Sammlung kämpfen.“

Noch kann die Sammlung nach Absprache mit Friedrich Vollmer jederzeit besichtigt werden. Er ist unter der Telefonnummer 05504/7213 erreichbar. Die Zukunft der Sammlung ist auch Thema im Ortsrat von Groß Schneen am Donnerstag, 9. August. Beginn der Sitzung im Landhotel Groß Schneer Hof ist um 20 Uhr.

Von Matthias Heinzel

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