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Friedland Museum Friedland zeigt Ausstellung zu Integration und Sport
Die Region Friedland Museum Friedland zeigt Ausstellung zu Integration und Sport
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16:44 07.08.2018
Sonderausstellung „... Entscheidend ist auf dem Platz!" des Museums Friedland: Museumsleiter Frank Frühling (r.) und Steffen Wiegmann, wissenschaftlicher Leiter und Kurator der Sonderausstellung. Quelle: Markus Riese
Friedland

„Durch Mesut Özil ist diese Frage, wie Sport und Integration zusammenwirken können, gerade wieder sehr aktuell geworden“, so Museumsleiter Frank Frühling bei der Vorstellung am Dienstag. „Sport schafft Räume, die für Integration nutzbar sind“, so sieht es Steffen Wiegmann, wissenschaftliche Leiter und Kurator der Ausstellung.

Integration als langwieriger Prozess

Der Titel, ein Zitat des früheren Fußballtrainers Adi Preißler, sei sehr bewusst ausgewählt worden. „Der Sport schafft einen Rahmen, in dem sich Menschen begegnen, sich einander zugehörig fühlen“, beschreibt Eva Völker, die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Museums verantwortlich zeichnet. Bei der Integration hingegen werde ein Spiel gespielt, dessen Regeln nicht immer sichtbar seien. Häufig handele es sich um einen langwierigen Prozess, dessen Anfang und Ende, Qualitäten und Eigenschaften nur subjektiv beurteilt werden könnten. Laut Wiegmann sei im Hinblick auf erfolgreiche Integration durch Sport das entscheidend, was tatsächlich geschehe – nämlich „Begegnung und Auseinandersetzung, Gemeinschaftsgefühl und Konkurrenz, Kritik und Verständnis“.

Bereiche „Spielfeld“ und „Umkleidekabine“

Die Ausstellung soll hinterfragen, wie Integration durch Sport wirklich gelingen kann. Welche Rollen spielen dabei das Geschlecht, die Leistung oder auch die Frage, wie Menschen sozialisiert wurden? Hierfür bietet die in zwei Bereiche aufgeteilte Schau – „Spielfeld“ und „Umkleidekabine“ – verschiedene Vitriten, Schautafeln und Stelen. Die Gestaltung wirkt detailverliebt: So ähnelt der Fußboden des „Spielfeldes“ dem einer typischen Sporthalle.

Die Sonderausstellung "... Entscheidend ist auf dem Platz!" des Museums Friedland in der Nissenhütte stellt auch den früheren Basketballprofi Wilbert Louis Olinde vor.. Quelle: Markus Riese

Aufgegriffen werden verschiedene Themen, Thesen und Biografien – unter anderem von Fußballspieler Sergej Evljuskin (Hessen Kassel), oder auch vom einstigen Göttinger Basketballprofi Wilbert Olinde. „Er hat nicht die Anfeindungen erlebt wie zum Beispiel Jimmy Hartwig, aber auch gegen den damals einzigen farbigen Spieler Olinde gab es Schmierereien an der früheren Godehardhalle“, so Wiegmann.

Originale, aber auch Repliken

In der „Umkleidekabine“ warten digitale Ausstellungselemente hinter den Spindtüren, darunter ein Film und verschiedene Audio-Dokumente. Auf dem „Spielfeld“ hingegen sind einige Originale zu sehen, allerdings auch Repliken. „Die Fritz-Walter-Medaille von Sergej Evljuskin können wir zum Beispiel wegen der klimatischen Bedingungen in der Nissenhütte nicht im Original zeigen“, erklärt Frühling. „Auch deshalb freuen wir uns sehr auf die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts des Museums“, schiebt er hinterher – davon ausgehend, dass dieser wahrscheinlich erst 2022 eröffnet werden kann.

Am Sonnabend ist der Eintritt zur Sonderausstellung frei, danach wird die Nissenhütte zu den regulären Öffnungszeiten des Museums zugänglich sein. „Wer eine Eintrittskarte für das Museum erwirbt, kann dann auch zusätzlich die Sonderausstellung anschauen“, so Völker.

Die Sonderausstellung "... Entscheidend ist auf dem Platz!" des Museums Friedland in der Nissenhütte auf dem Gelände des Grenzdurchgangslagers. Abgebildet: Museumsleiter Frank Frühling (weißes Hemd) und Steffen Wiegmann, wissenschaftlicher Leiter und Kurator der Sonderausstellung. Quelle: Markus Riese

Museum Friedland stellt Programm bis Dezember 2018 vor

Während des Pressegesprächs zur neuen Sonderausstellung haben die Verantwortlichen auch das neue Halbjahresprogramm des Museums Friedland vorgestellt. Beim Tag des offenen Denkmals am 9. September sollen demnach wieder kostenlose Führungen angeboten werden; der Eintritt ins Museum ist an diesem Tag frei. Die Friedländer Gespräche am 20. und 21. September setzen sich in diesem Jahr mit zivilgesellschaftlichem Engagement in der Flüchtlingsarbeit auseinander. Am Rande der Veranstaltung soll auch ein Theaterstück der Berliner Bühne für Menschenrechte aufgeführt werden. Für den 18. Oktober ist im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes eine Lesung mit Steffen Mensching im Alten Rathaus Göttingen geplant. Am 7. November wird es in zwei Kurzfilmen und einem Gespräch um „Boat People und Cap Anamur – Erinnerungen der zweiten Generation“ gehen. Die Lesung „Heimat für Fortgeschrittene“ mit Chi Dung Ngo ist für den 21. November angesetzt. Am 12. Dezember geht es in einem Vortrag um „Migration im Zeichen des Klimawandels“. Außerdem sind mehrere Sonderführungen im Museum geplant, dazu für das Jahr 2019 erstmals ein Kalender, der im kommenden Monat erscheinen soll. Nähere Infos: museum-friedland.de.

Bildergalerie zur Präsentation der neuen Sonderschau:

Vom 11. August an ist in der Nissenhütte auf dem Gelände des Grenzdurchgangslagers Friedland eine neue Sonderschau des Museums Friedland zu sehen. Sie beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Sport und Integration – und greift auch auf lokale Beispiele aus Südniedersachsen und Nordhessen zurück.

Weitere Informationen zum Museums-Programm bis Ende 2018:

Tag des offenen Denkmals am 9. September, 10 bis 18 Uhr

Unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“ lädt das Museum zu Führungen über das Gelände des Grenzdurchgangslagers ein, das selbst in die Liste der Baudenkmäler Niedersachsens eingetragen ist. In speziell konzipierten Rundgängen können interessierte Besucher neue Perspektiven auf historische Gebäude entdecken und erfahren dabei Details aus der wechselvollen Geschichte des alten Bahnhofs, der evangelischen Kapelle, der im Lager vorhandenen Denkmäler sowie der Nissenhütte oder des Mahnmals auf dem Hagenberg. Rundgänge und Museumseintritt sind kostenlos. Startzeiten der Führungen: 11, 14, 15 und 16 Uhr, Treffpunkt am Museum.

Friedländer Gespräche am 20. und 21. September

Die VI. Friedländer Gespräche widmen sich dem Thema „Ehrenamt“. Der Fokus der Tagung liegt auf dem freiwilligen Engagement in der Arbeit mit Geflüchteten, den Potenzialen, Motivationen, politischen und gesellschaftlichen Wirkungen. Die wissenschaftliche Tagungsreihe „Friedländer Gespräche“ begleitet die Entwicklung des Museums Friedland am Ort des Grenzdurchgangslagers. Anmeldungen bis zum 7. September per E-Mail an tagung@museum-friedland.de

Lesung: „Schermanns Augen“ am 18. Oktober um 19 Uhr

Konterrevolutionäre Tätigkeit, antisowjetische Propaganda, faschistische Wühlarbeit. In ein sowjetisches Straflager konnte es einen schnell verschlagen. Eben noch war Rafael Schermann prominenter Gast in der Wiener Kaffeehausszene, bekannt mit Größen wie Alfred Döblin. Und jetzt findet er sich am anderen Ende der Welt im Lager Artek wieder und kämpft unter brutalsten Bedingungen ums Überleben. Zehn Jahre hat Steffen Mensching an einem gearbeitet, mit dem er tief in das mörderische Räderwerk des 20. Jahrhunderts und des Gulag blicken lässt. Einige Gulag-Opfer kamen nach ihrer Entlassung über Friedland nach Deutschland. Die Lesung im Alten Rathaus Göttingen – im Rahmen des Literaturherbstes – wird moderiert von Kurator Joachim Baur.

Boat People und Cap Anamur – Erinnerungen der zweiten Generation

Danzig, 1945 – eine Mutter flieht mit ihren Kindern vor der sowjetischen Armee, unter ihnen Ingrid und Rupert Neudeck, Gründer der Rettungsorganisation Cap Anamur. An Bord des gleichnamigen Rettungsschiffs kommt Chuon Sam Vong 1980 aus Südvietnam nach Deutschland. Eine Verbindung gibt es auch zwischen den Regisseuren Marcel Neudeck und Dieu Hao Do – der eine Sohn von Rupert Neudeck, der andere Vertreter der zweiten Generation der Boat People in Deutschland. Ausgehend von Dos und Neudecks Kurzfilmen „Der Garten des Herrn Vong“ und „Ingrid“ fragen die beiden: Wie erlebt und erinnert man Geschichte? Zwei Kurzfilme und ein Gespräch sind für den 7. November, 19 Uhr im Museum geplant. Anmeldungen bis zum 6. November per E-Mail an veranstaltungen@museum-friedland.de

Lesung: „Heimat für Fortgeschrittene“ am 21. November um 19 Uhr

Die Aufnahme von 1000 vietnamesischen und chinesischen Boat People in Niedersachsen im Jahr 1978, die sich im Dezember zum 40. Mal jährt, war spektakulär. Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre entschlossen sich viele Menschen in Südvietnam, vor den Kommunisten ins Ausland zu fliehen. Einer von ihnen war Chi Dung Ngo, der als 16-Jähriger ein völlig überladenes Boot bestieg. Über diesen Aufbruch ohne Ziel, die Fahrt in ein fremdes Land, hat er ein Buch geschrieben. Es ist eines der wenigen Zeugnisse über das Ankommen der Boat People in Deutschland. Anmeldungen bis zum 20. November per E-Mail an veranstaltungen@museum-friedland.de

„Migration in Zeiten des Klimawandels“ am 12. Dezember um 19 Uhr

Parallel zum UN-Klimagipfel im polnischen Katowice setzen wir uns mit dem Thema Flucht und Klima auseinander: Zu den traurigen Gewissheiten der Gegenwart gehört die Tatsache, dass die Zahl der Menschen, die zur Migration gezwungen sind, weltweit ansteigt. Ebenso wird immer deutlicher, dass Umweltzerstörung und Klimawandel voranschreiten. Wie diese beiden Entwicklungen zusammenhängen, erläutert Dr. Carsten Felgentreff vom Osnabrücker Institut für Migrationsforschung (IMIS), der sich mit Naturkatastrophen und umweltbedingter Mobilität befasst. Anmeldungen bis zum 11. Dezember per E-Mail an veranstaltungen@museum-friedland.de

Von Markus Riese

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