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Friedland Widerstand gegen Biewald-Anbau
Die Region Friedland Widerstand gegen Biewald-Anbau
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00:22 14.10.2018
Am alten Schulplatz in Friedland will die Familie Raub ein neues Hotelgebäude bauen – und damit auf ihrem eigenen Grundstück die Lücke zwischen Scheune und Saal schließen. Quelle: Markus Riese
Friedland

Das Landhaus Biewald soll um einen Hotel-Anbau mit 19 Zimmern und 38 Betten erweitert werden. Die Betreiber-Familie um Karin Raub und ihren Sohn Daniel will hierfür 1,5 Millionen Euro investieren. Doch Ortsheimatpfleger Herwig Schröder versucht nun, durch ein ortsweit verteiltes Flugblatt Widerstand gegen das Vorhaben zu organisieren.

420 Exemplare des beidseitig bedruckten Infoschreibens, auf dem auch Bilder und Fotomontagen zu sehen sind, hat Schröder an die Haushalte verteilt. Er kritisiert darin nicht den Bau an sich, sondern den geplanten Standort, die angedachte Form des dreigeschossigen Gebäudes und die seiner Ansicht nach „unpassende Form des Flachdaches“, da kein anderes Haus im Umfeld etwas Ähnliches aufweise.

„Auf der anderen Seite des Platzes befindet sich die Sporthalle“, kontert Sternekoch Daniel Raub, der mit Unverständnis auf den Rundbrief reagiert. „Nach einer Nachfrage von Herrn Schröder am Rande einer Ortsratssitzung haben wir ihm Einblicke in alle Unterlagen gewährt“, erklärt Raub. Nachdem er später Beschwerden an den Landkreis und an Gremien aus Ort und Gemeinde Friedland gerichtet hatte, habe man ihn immer wieder zu Gesprächen eingeladen.

Stattdessen legte Schröder Widerspruch gegen die vom zuständigen Landkreis Göttingen positiv beschiedene Bauvoranfrage ein – erfolglos. Hoffnungen habe der Ortsheimatpfleger, wie er selbst berichtet, in die Kreisdenkmalpflegerin gesetzt. Diese habe ihm anfangs versichert, den Planungen nicht zustimmen zu können. „Inzwischen ist sie im Widerstreit der Interessen eingeknickt und begnügt sich zum Beispiel mit einer Berankung der fensterlosen Schulplatzseite, was keine wirkliche Veränderung wäre, lediglich ein bisschen Kosmetik“, schreibt Schröder im Flugblatt.

Friedlands Ortsbürgermeister Joachim Hoy (CDU) will das so nicht stehen lassen: „Herr Schröder war uns über Jahre ein sehr guter und engagierter Ortsheimatpfleger. Dieses Mal schießt er aber leider deutlich über das Ziel hinaus. Die Verunglimpfung der Kreisdenkmalpflegerin sowie die geschäftsschädigenden Äußerungen zum Bauantrag des Landhauses Biewald zählen in dieser Form keinesfalls zu den Aufgaben eines Ortsheimatpflegers. Als Ortsbürgermeister kann ich hier nur meine Verwunderung und Enttäuschung zum Ausdruck bringen“, betont Hoy.

„Das Bauvorhaben begrüße ich grundsätzlich, da wir in Friedland dringend neue Hotelbetten brauchen“, sagt Gemeindebürgermeister Andreas Friedrichs (SPD), der ansonsten auf die Zuständigkeit des Landkreises verweist. Von dort wird bestätigt, dass der Bauantrag bereits auf der Zielgeraden ist: „Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wurden dabei die Untere Denkmalschutzbehörde beteiligt und die Nachbarschaft einbezogen. Die Untere Denkmalschutzbehörde hat dem Vorhaben zugestimmt. Das Verfahren ist jetzt in den Endzügen“, so eine Sprecherin.

„Vieles, was im Flugblatt steht, ist sachlich falsch“, sagt Raub. „Wir wollen hier den Tourismus ankurbeln und etwas für den Ort tun“, betont er. Der Anbau werde behindertengerecht, inklusive Fahrstuhl, über den auch der vorhandene Saal erreichbar wird. „Es entstehen auch zusätzliche Arbeitsplätze“, so Raub. Und: „Wir möchten davon absehen, juristisch gegen Herrn Schröder vorzugehen, weil wir nach wie vor hoffen, über Gespräche ein friedliches und nachbarschaftliches Miteinander erreichen zu können.“ Raub sei auch jederzeit bereit, anderen interessierten Anwohnern seine Pläne zu erläutern.

Von Markus Riese

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