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Friedland Zukunft braucht Vergangenheit
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00:16 12.09.2017
Drei Chöre aus Hannover, Osnabrück und Osterode singen gemeinsam. Quelle: Marks
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Friedland

Die Vorsitzende der Landesgruppe der Russlanddeutschen Lilli Bischoff eröffnete die Veranstaltung mit Grüßen an die hochrangigen Gäste aus der Politik. Neben dem Innenminister des Landes Niedersachsen, Boris Pistorius (SPD), und dem Präsidenten des niedersächsischen Landtages Bernd Busemann (CDU) war auch der Göttinger Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) anwesend. Außerdem war die stellvertretende Landrätin des Landkreises Göttingen Maria-Gerl-Plein angereist.

Die Veranstaltung war ein Akt der Erinnerung an die eigene Landsleute, die in den Jahren 1937 und 1938 unter der damalige Sowjetregierung gelitten hatten und als Opfer unsinniger Verfolgung und Vertreibung gestorben sind. Etwa 55000 Deutsche fielen laut Schätzungen damals dem „Stalinismus“ zum Opfer. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht. Unter dem Terror dieser Jahre hatten alle Völker der Sowjetunion zu leiden, in besonderem Maße aber Minderheiten wie Polen, Deutsche, Letten oder Finnen.

Aus dieser Erinnerung gelte es zu lernen, betonte Bernd Busemann in seiner Ansprache. Nie wieder dürfe es zur Ausgrenzung und Verfolgung stigmatisierter Minderheiten kommen, seien es Juden, Muslime oder auch Deutsche.

Die Eltern von Marielle Gauks (15) und Valeri Eger (12) aus Osterode kamen aus Kasachstan. Quelle: Marks

Die 1950 gegründete Landsmannschaft der Deutschen aus Russland mit Sitz in Stuttgart vertritt die Interessen der Deutschen, die innerhalb der ehemaligen Sowjetunion vertrieben wurden und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland übersiedelten. Zwischen den Jahren 1950 und 2005 rund 2,5 Millionen Deutsche aus Russland in die Heimat ihrer Vorfahren gekommen. Eine Erfolgsgeschichte für die Bundesrepublik Deutschland, findet Busemann. „Die Spätaussiedler sind längst als erfolgreichste Volksgruppe für ihre Integration anerkannt“, sagte der Landtagspräsident. Busemann warnte in seiner Ansprache aber davor, die deutschen Zuwanderer aus Russland „pauschal als Anhänger radikaler oder gar extremer Parteien“ darzustellen. „Das ist falsch und ungerecht“, sagte er am Sonnabend im Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen bei der bundesweiten Gedenkfeier der russlanddeutschen Landsmannschaft. Richtig sei vielmehr, dass die Aussiedler und Spätaussiedler die am besten integrierte Gruppe von Zugewanderten in Deutschland sei.

Nur sehr wenige radikale und extreme „Figuren“ spielten sich als „die Stimme“ der Russlanddeutschen auf, betonte Busemann. Leider vielen zahlreiche Medienschaffende und Politiker demokratischer Parteien darauf rein. Dies sei „ein schrecklicher Fehler“ und gefährde den großen Integrationserfolg.

„In Friedland begann für viele von Ihnen ein Neuanfang“, sagte Pistorius. Dies sei ein wichtiger Teil der Deutschen Erinnerungskultur, betonte der Innenminister. „Keine Zukunft lässt sich nur dann gestalten, wenn man die Vergangenheit kennt“, betonte Fritz Güntzler. Darum sei es wichtig, dass 75 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen in Russland, eine Gedenkfeier durchgeführt werde. Den Deutschen in Russland sei damals großes Leid zugefügt worden. „Krieg ist immer eine Ursache für Flucht und Vertreibung. Wir waren alle der Hoffnung, dass es so etwas nicht mehr geben würde, nachdem der eiserne Vorhang gefallen ist“, erklärte Güntzler weiter. Man sei eines Besseren belehrt worden, schließlich gebe es mittlerweile 60 Millionen Flüchtlinge auf der Welt. „Es ist wichtig, dass wir uns alle für den Frieden und die Völkerverständigung einsetzen“, forderte Güntzler. Dabei sei die Landsmannschaft der Russlanddeutschen n vorbildlich. „Es gilt die Erinnerung an das Leid der Vertriebenen wach zu halten. Lassen Sie uns gemeinsam für den Frieden in dieser Welt eintreten, dann werden wir eine gute Zukunft haben“, so Güntzler.

Von Bernard Marks

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