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Gieboldehausen Motorradreisen als „eins der letzten Abenteuer“
Die Region Gieboldehausen Motorradreisen als „eins der letzten Abenteuer“
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00:22 05.09.2018
Partystimmung am Abend: Die Motorrad-Reise-Fans sind kleine Gemeinschaft, die sich einmal jährlich in Gieboldehausen trifft. Quelle: Foto: KRACHT
Gieboldehausen

Sie sind eine kleine Gesellschaft, die die Suche nach Abenteuern eint. Elegante Chopper oder superschnittige Rennmaschinen suchten Besucher bei dem Treffen im Niedersachsenhof vergeblich. Stattdessen: Zweckmäßige Touren-Maschinen, manche ziemlich geländegängig. Allesamt ausgestattet mit reichlich Gepäcktaschen – die meisten davon verziert mit Aufklebern aus Regionen, in denen die Fahrer schon unterwegs waren. Iran, Georgien, Australien, Marokko, Indien – die Liste der von den Teilnehmern bereisten Länder ließe sich fast endlos fortsetzen.

Seit 22 Jahren eint sie allerdings ein Ziel, das einmal jährlich angesteuert wird: Das Motorrad-Reise-Treffen fast in der Mitte Deutschlands ist eine Institution in der Szene, davon ist Organisator Ralph Wüstefeld überzeugt. Und tatsächlich sind aus ganz Deutschland und aus den Nachbarländern etwa 400 Motorradfahrer angereist – auf der Suche nach Erfahrungsaustausch, aber auch, weil die kleine Szene über die Jahre zusammengewachsen ist, obwohl sie überwiegend aus überzeugten Individualisten besteht.

Da ist Detlef Weinberg, Ex-Polizist und mittlerweile in der Logistikbranche tätig. Aber vor allem ist der schlanke, kahlgeschorene 58-Jährige Motorradreisender. Mindestens einmal im Jahr fahre er fünf bis sechs Wochen. 16 500 Kilometer mit Motorrad und Zelt in den Iran und zurück – für Weinberg kein Problem. „Ich habe überall supernette Menschen getroffen“, sagt Weinberg über seine Reisen in Gebiete, die Pauschal-Urlauber eher meiden würden.

Besonders gerne bereise er Gegenden, in die sonst kaum ein Fremder komme: Georgische Bergdörfer beispielsweise, die nur drei Monate im Jahr erreichbar sein. „Mich fasziniert, zu sehen wie die Leute da leben“, sagt Weinberg. Von organisierten Motorradtouren hält er wenig, bevorzugt stattdessen das Improvisieren und betont: „Motorradreisen sind eins der letzten Abenteuer“.

„Da ist ’ne Woche später die französische Fremdenlegion rein“ – rückblickend gruselt es Ronja M. immer noch etwas, wenn sie von ihrem Mali-Trip 2012 erzählt. Marokko, Mauretanien und den Senegal hatte die heute 37-Jährige bereits durchquert. Doch in Mali habe sie sich angesichts tobender Kämpfe mit Islamisten entschlossen umzukehren. „Zwei Wochen später sind da welche von uns durchgefahren“, ärgert sie sich heute.

Mit „uns“ meint sie Motorrad-Reisende, die aus ihrer Sicht „sowas wie eine Familie“ sind. „Ich bin eigentlich immer allein gefahren“, erzählt sie. Doch immer wieder treffe sie unterwegs Gesinnungsgenossen – manchmal auch an abgelegenen Orten wie Ulan Bator in der Mongolei. „Die meisten ziehen allein los und sehen sich nur einmal im Jahr hier“, sagt sie über das Motorrad-Reise-Treffen. „Hier kommen die einsamen Wölfe zusammen“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Zu den einsamen Wölfen zählt sich Carola Möller mit Blick auf ihren Freund zwar nicht mehr – doch die Begeisterung ist auch mit Partner geblieben: „Zur Eisdiele und zurück fand ich schon immer langweilig“, erzählt die begeisterte Motorradfahrerin. Dann habe sie eine lange geplante Weltreise auf einmal alleine antreten müssen und sei prompt zwei Jahre unterwegs gewesen. Seitdem ist für sie das Motorrad für das optimale Reisemittel: „Man kann zwar nicht viel mitnehmen, aber man ist viel dichter an den Menschen dran, als mit dem Auto“, so Möller.

Wichtig ist Einerseits wegen des Erfahrungsaustauschs. Und andererseits, aber auch, um andere Abenteuerlustige Biker zu treffen: „Hier verstehen einen die Leute“, sagt Möller, die abseits der Motorradreisen als Physiotherapeutin arbeitet.

Von Christoph Höland

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