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Gieboldehausen Bodensee: Straßenerschließung ohne Verbesserung des Internets
Die Region Gieboldehausen Bodensee: Straßenerschließung ohne Verbesserung des Internets
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00:29 19.04.2018
Anlieger ärgern sich über Straßenausbau (v.l.): Jörg und Gabriele Persch, Lena und Maja Isecke, Krystina und Guido Sottmann sowie Heiko und Andreas Wiesinger in der Baustelle im Narzissenweg in Bodensee. Quelle: Hartwig
Bodensee

„Was uns ärgert, ist, dass die Straße neu gemacht wird, aber nicht für schnelleres Internet gesorgt wird“, sagt Krystina Sottmann, Anwohnerin im Narzissenweg. „Dann muss die neue Straße irgendwann wieder aufgerissen werden, um Rohre für besseres Internet zu verlegen.“ Da hätte die Gemeinde ihrer Meinung nach mit der Straßenerschließung warten können, bis mit der Telekom geklärt sei, wann Rohre für schnelleres Internet verlegt werden könnten. „Geldverschwendung“ nennt sie das. Gerade mal eine Versorgung von 384 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) hätten sie zurzeit.

Anwohner in Bodensee: „Die Dorfbevölkerung wurde vor vollendete Tatsachen gestellt“

Am Montag vergangener Woche haben die Arbeiten zur Erschließung der Straße begonnen. Am 23. März, also etwa zwei Wochen vorher – in den Osterferien, hatten die Anwohner ein Schreiben zugestellt bekommen, dass sie darüber informierte. „Die Dorfbevölkerung wurde vor vollendete Tatsachen gestellt“, findet Jörg Persch, ebenfalls Anwohner des Neubaugebiets. Es habe zuletzt im September 2016 eine Versammlung zu dem Thema gegeben. Dabei sei gesagt worden, dass wenn das Thema akut werde, ein weiteres Treffen einberufen werde – was nie passiert sei, ergänzt Katharina Woitschewski. Friedrich Henniges, Bürgermeister der Gemeinde Bodensee, teilt hingegen in einem Schreiben an das Tageblatt mit, dass es am 18. Januar 2017 eine zweite Versammlung mit den Anliegern gegeben habe, bei der die endgültige Planung festgelegt wurde.

Während die Straßenarbeiten bereits begonnen haben, hat sich am Donnerstag vergangener Woche etwas in Sachen Breitbandausbau im Landkreis Göttingen getan: Die Kreisverwaltung hat der Deutschen Telekom den Zuschlag zum geförderten Netzausbau mit Glasfaserkabeln erteilt. Nach der Verlegung garantiert die Telekom eine Breitbandversorgung mit einer Kapazität von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Damit werde es im Kreisgebiet demnächst keine schlecht versorgten Bereiche, sogenannte „Weiße Flecken“, mehr geben, erklärte der Göttinger Landrat Bernhard Reuter (SPD).

Zu schlechtes Internet in Bodensee: Für die Online-Schulung zu McDonalds

„Wir stehen mit der Telekom in Verbindung und werden kürzlich einen Ortstermin vereinbaren“, sagt Bodensees Bürgermeister Henniges dazu. Die Telekom habe sich zurückgehalten, solange der Auftrag nicht dagewesen sei. Jetzt versuche die Gemeinde zu erreichen, dass eventuell doch schon bei den derzeitigen Straßenarbeiten Leerrohre durch die Telekom verlegt werden, die dann später der Verlegung von Glasfaserkabeln für schnelleres Internet dienen könnten.

Auch die Anwohner hatten in den vergangenen Wochen mehrfach Kontakt zur Telekom: „Ich habe vor kurzem bei der Telekom angerufen. Die haben mir gesagt, dass kein Ausbau geplant ist“, erzählt Anwohner Heiko Wiesinger. Die Bewohner Bodensees erzählen skurrile Geschichten, die sich durch das schlechte Internet ergeben: „Mein Mann fährt für seine Online-Schulungen morgens zu McDonalds, um dort in das WLAN zu gehen“, sagt Woitschweski. Die Zahnärztin Dr. Katrin Meyer, die zwar nicht in einer der Straßen wohnt, die von der Straßenerschließung betroffen sind, aber mit ihrer Zahnarztpraxis in Bodensee ebenfalls stark vom langsamen Internet betroffen ist, erzählt: „Wir müssen uns Praxissoftware per DVD kostenpflichtig zuschicken lassen. Fotos müssen wir zwei bis drei mal pro Tag auf einem Stick per Autokurier an das zahntechnische Labor schicken“, sagt sie. Was normalerweise in Sekunden per Mail raus geht, ist hier schier nicht möglich.

Attraktivität des Ortes schwindet durch langsames Internet

Das finden die Anwohner nicht nur persönlich untragbar, sondern sehen auch Konsequenzen für den Ort: „Das Dorf wird abgemeldet“, sagt Persch, „die Attraktivität des Ortes schwindet, es ist unmöglich für Start ups oder junge Familien, sich hier anzusiedeln.“ Ob sich das jetzt unerwartet mit der Auftragsvergabe an die Telekom noch während der Straßenerschließung ändert, wird sich voraussichtlich in den nächsten Wochen zeigen. Die Anwohner sind skeptisch: „Der Gemeinderat und der Bürgermeister haben aufgegeben“, meint Sottmann, „aber wir kämpfen dafür.“

Von Hannah Scheiwe

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