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Gieboldehausen Fakten über die soziale Hängematte
Die Region Gieboldehausen Fakten über die soziale Hängematte
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20:00 24.10.2018
Mythen und Fakten über den Sozialstaat waren ein Thema beim Caritas-Forum in Gerblingerode. Quelle: Foto: Eichner-Ramm
Germershausen

Wer Sozialleistungen des Staates erhält, sei keineswegs ein Drückeberger. Das hat Antje Braun beim Caritas-Forum am Mittwoch in Germershausen betont.

Die Juristin des Caritas-Diözesanverbands hatte Zahlen und Fakten zu ihrem Referat vor etwa 20 ehrenamtlichen Mitarbeitern der Caritas-Südregion des Bistums Hildesheim mitgebracht und lud diese ausdrücklich ein, aus ihren Erfahrungen etwa in den Beratungsstellen zu berichten. „Wir leben in einer Zeit hitziger Auseinandersetzungen und Diskussionen“, sagte Maria Weiss vom Caritasverband Südniedersachsen. „Häufig wissen wir nicht, welchen Informationen wir glauben können.“

Braun räumte mit einigen Vorurteilen im Zusammenhang unter der Überschrift „Wie lebt es sich in der sozialen Hängematte?“ auf. „Mythen und Fakten über unseren Sozialstaat“ standen dabei im Mittelpunkt. Die Zahlen, Daten und Fakten, die die Juristin zusammengetragen hatte, lieferten den Teilnehmern Fakten, mit denen diese fortan Stammtischparolen oder Halbwahrheiten entgegentreten wollen und sollen. Braun riet, „ab und zu auch einmal Informationen zu hinterfragen“.

Einige von ihnen haben Erfahrung, arbeiten zum Beispiel in der Schuldnerberatung oder sind in der Flüchtlingshilfe aktiv. Sie wissen wovon Braun spricht, waren dennoch überrascht von manchem, was die Referentin mitteilte. Am Ende entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, um verschiedene Aspekte der Thematik. Das fing beim sozialen Wohnungsbau an und zog sich hin bis zu Tipps für Klienten beim Umgang mit Mitarbeitern der Sozialbehörden.

Das Sozialbudget in Deutschland belief sich im vergangenen Jahr auf 965,5 Milliarden Euro – Zahlen, die Braun aus dem offiziellen Bericht der Bundesregierung zitierte. Doch der Anteil an Ausgaben für die Grundsicherung für Arbeitssuchende(Hartz IV) betrage lediglich 4,6Pprozent, der für die Sozialhilfeleistungen (Sozialgesetzbuch II/SGB II) liege bei vier Prozent. Einer der Teilnehmer stellte fest, dass „nur einen verschwindend geringen Teil davon“ Hartz IV-Empfäner bekämen.

In ihren weiteren Ausführungen betonte Braun auch, dass Hartz IV nicht zwangsläufig arbeitslos bedeute. 4,3 Millionen Menschen, die auf Leistungen angewiesen seien, „sind nicht arbeitslos“. Aus der Runde der Zuhörer wurden Beispiele aus der Praxis genannt – zum Beispiel die Frisörin, die aufstocken müsse und als Rentnerin nur noch 48 Prozent ihres Einkommens bekomme. Weitere Fakten und Zahlenmaterial lieferte Braun zur Grundsicherung oder auch zu Leistungen, die Asylbewerber erhalten.

Wichtig sei die allgemeine Sozialberatung, wie sie etwa die Schuldnerberatungen der Caritas leisteten, sagte Braun. Viele Menschen wüssten nicht, ob und welche Ansprüche sie haben, berichteten Teilnehmer des Caritas-Forums aus der Praxis. Als Braun darlegte, wie sich der monatliche Hartz IV-Satz zusammensetze, rief das bei manchem Zuhörer Kopfschütteln hervor. 416 Euro erhalte ein Single monatlich, für Miete und Heizung gebe es extra Unterstützung. „Ich hätte Angst, damit auskommen zu müssen“, sagte Weiss.

Das Problem, bezahlbaren Wohnraum zu finden, betreffe in Deutschland über eine Million Menschen, so Braun. Das sei das Ergebnis „einer verfehlten Sozialpolitik der letzten 20, 30 Jahre“, kommentierte Stefan Siebert vonm Caritasverband Südniedersachsen.

Von Britta Eichner-Ramm

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