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Gieboldehausen Geistige Fitness von Demenzkranken fördern
Die Region Gieboldehausen Geistige Fitness von Demenzkranken fördern
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00:29 19.04.2018
2013 haben Sandra Niemeier und ihr Lebensgefährte Sebastian Scharf das Altenpflegeheim Drei Linden übernommen – hier ein Archivbild. Quelle: Oliver Thiele
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„Hier kann es einem passieren, dass eine Person einen auf dem Flur mehrmals hintereinander nach der Uhrzeit fragt und es gleich wieder vergessen hat“, berichtet Haus-Elisabeth-Heimleiter Wolfgang Schütte. Die gleiche Person könne einem aber „unglaublich viel“ über die Kriegsjahre oder die Vertreibung erzählen. Um dem Raum zu geben, biete seine Einrichtung den 41, im Durchschnitt 85 Jahre alten Bewohnern zweimal im Monat Erzählcafés an.

„Wir besuchen immer mal wieder Heimatmuseen etwa in Waake oder Duderstadt“, sagt Schütte. Beim Betrachten alter Landwirtschaftsgeräte kämen Erinnerungen hoch. Viele hätten auf Bauernhöfen gearbeitet. Beim gemeinsamen Kochen wüssten Frauen, die sonst kaum noch etwas beizutragen hätten, plötzlich, welche Zutaten benötigt werden.

Schlager, Tageblatt und Tierbesuche

„Alte Schlager kommen den Senioren flüssig über die Lippen, wenn Musiker bei uns im Haus zu Gast sind und die alten Hits spielen“, berichtet Schütte. Werde zum Tanz aufgespielt, machten zum Teil Bewohner mit, die sich sonst kaum noch bewegen könnten. Demenzkranke reagierten stark auf Tiere. Hunde und Zwergponys hätten sie schon im Heim zu Besuch gehabt.

„Bei uns wird regelmäßig aus dem Tageblatt vorgelesen und darüber gesprochen“, berichtet Sandra Niemeier, seit 2013 Geschäftsführerin vom Pflegeheim Haus drei Lindern. Die Beschäftigungstherapeuten trainierten mit den 61 Bewohnern, deren Durchschnittsalter bei 75 Jahren liege, das Gedächtnis. Die Demenzkranken müssten zum Beispiel Sätze vervollständigen oder Rätsel lösen.

„Programm gibt es bei uns immer vormittags und nachmittags“, sagt Niemeier. Das gebe dem Tag Struktur. „Nachmittags sind die Bewohner nicht so fit wie morgens“, weiß Schütte. Zum Teil seien die Senioren dann unruhig. Eine wichtige Aufgabe der Mitarbeiter sei es, Bewohnern ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln.

Einfühlungsvermögen gefragt

„Manche Demenzkranke werden in lichten Momenten aggressiv“, sagt Niemeier. Die Bewohner im Haus Drei Linden merkten, das etwas mit ihnen nicht stimme, verstünden aber nicht genau, was das sei. Das verlange von Mitarbeitern viel Einfühlungsvermögen. Für verhaltensauffällige Bewohner gebe es in ihrem Pflegeheim, einer gerontopsychiatrische Einrichtung, einen eigenen Wohnbereich.

„Dort betreuen wir auch Personen, die ohne Aufsicht das Haus verlassen und dann nicht mehr zurückfinden würden“, sagt die Geschäftsführerin. Um das zu verhindern, müssten zum Beispiel im Fahrstuhl jeweils zwei Knöpfe gedrückt werden. Die Türöffner seien oberhalb der Kopfes angebracht. Das Haus drei Linden arbeite mit der Asklepios-Klinik zusammen. Einmal im Monat komme eine Neurologin der Klinik zur Visite ins Haus.

Von Michael Caspar

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