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Gieboldehausen Friederike vernichtet 60 Jahre Arbeit
Die Region Gieboldehausen Friederike vernichtet 60 Jahre Arbeit
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12:57 13.03.2018
Michael Döring, Vorsitzender der Realgemeinde Gieboldehausen, zeigt die Schäden, die der Sturm Friederike hinterlassen hat.  Quelle: Rüdiger Franke
Gieboldehausen

Der Sturm „Friederike“ ist am 18. Januar in einem etwa 100 Kilometer breiten Streifen durch Mitteldeutschland gezogen. Viele Bäume konnten dem Wind nicht standhalten. Besonders die Fichtenbestände sind betroffen. „60 Jahre Arbeit sind vernichtet“, sagt Michael Döring, Vorsitzender der Realgemeinde Gieboldehausen.

„Die Realgemeinde Gieboldehausen ist mit 105 Hektar Waldbodenfläche eine eher kleine Forstgenossenschaft in Südniedersachsen“, berichtet Döring. 39,6 Hektar seien mit Rotfichten bestockt, neben der Buche einer der sogenannten Brotbäume der Gieboldehäuser. „Unser Fichtenanteil ist mit 40 Prozent im Vergleich zu anderen Realgemeinden relativ hoch.“ Ausnahmslos alle Fichtenbestände am Großen und Kleinen Lohberg sowie am Rotenberg seien betroffen. „Die Hälfte der Flächen, also rund 20 Hektar, haben einen Totalschaden erlitten.“

„Die Fichten wurden bedingt durch die feuchten Böden flächendeckend entwurzelt und teilweise kreuz und quer übereinander geschichtet“, erzählt Döring. Rund 9000 Festmeter Fichtenholz liegen nach Angaben des Vorsitzenden am Boden. Bei einem jährlichen Hiebsatz von 600 Festmetern sei dies die Holzeinschlagmenge der kommenden 15 Jahre. „Das Ausmaß der Schäden stellt für uns eine historische Katastrophe dar“, sagt Döring.

Verluste beim Verkauf

„Die Bäume müssen jetzt aufwendig mit dem Harvester aufgearbeitet werden“, erklärt Döring. Vorher müssen aber alle Stämme vom Wurzelteller abgestockt werden. Allerdings seien Maschinenkapazitäten derzeit nur schwer zu bekommen. Mit Unterstützung des Forstamtes und des zuständigen Försters konnte eine österreichische Firma engagiert werden, da in ihrer Heimat unter Schnee derzeit kein Einsatz möglich sei.

Auch beim Verkauf müssen die Mitglieder der Realgemeinde mit Verlusten rechnen. „Die Holzpreise sind in den vergangenen Wochen um etwa 25 Prozent gefallen“, erzählt der Vorsitzende. „Konkret bekommen wir für das Stammholz nur noch 75 statt vorher 90 Euro pro Festmeter.“ Bei 9000 Festmetern entspreche das einem Mindererlös von rund 200 000 Euro.

Konsequenzen aus dem Sturm ergeben sich ebenfalls auf den Flächen, die keinen Totalschaden erlitten haben. „Die unnatürlich aufgelockerten Bestände sind äußerst sturmanfällig und werden wahrscheinlich beim nächsten Sturm geworfen“, erklärt der Gieboldehäuser. Wegen der niedrigen Holzpreise sollen sie aber vorerst stehen bleiben. Die geschädigten Flächen sollen in den kommenden zwei Jahren aufgeforstet werden. Das koste rund 15 000 Euro pro Hektar, wobei das Land Niedersachsen rund 60 Prozent der Kosten bezuschusse. Trotzdem bleibe für den Eigenanteil eine Liquiditätsbelastung von etwa 120 000 Euro.

Bis der Borkenkäfer fliegt

Für die Aufräumarbeiten habe die Realgemeinde auch nicht unbegrenzt Zeit, sagt Döring, denn ab Ende beginne der Borkenkäfer zu fliegen und zerstöre die Stämme von innen. Ein weiteres Problem ergebe sich an den entstandenen Freiflächen, auf denen sich die Bodenvegetation explosionsartig vermehre, besonders Brombeeren und Waldreben. Das bedeute wiederum einen hohen Kostenaufwand für die Schlagräumung der vorgesehenen Aufforstung. Die Flächen sollen überwiegend mit standortgerechtem Laubmischwald aufgeforstet werden. „Allerdings werden wir auch einen Teil Nadelbäume pflanzen, die tiefer wurzeln und nicht so sturmanfällig sind“, erzählt Döring und nennt Douglasien und Küstentannen. Der Gesamtschaden für die Realgemeinde summiere sich sicher auf mehr als eine Viertelmillion Euro. „Das wirft uns um Jahre zurück“, sagt er.

Warnung vor Waldarbeit

Auch andere Realgemeinden haben ihre Sturmbilanzen gezogen. Die Schöden sind überall immens. 6500 Festmeter Fichte sind zum Beispiel im Bereich der Realgemeinde Nesselröden umgefallen. „Das ist die Menge, die in zehn Jahren geschlagen wird“, erklärt Ortsbürgermeister Bernd Frölich. „Friederike“ habe mehr Schaden angerichtet als „Kyrill“, der elf Jahre zuvor in Nesselröden 5000 Festmeter Holz zerstört hatte. Frölich verbindet mit der Erinnerung an Kyrill auch eine Warnung: „Freizeitholzhacker sollten nach Möglichkeit aus dem Wald rausbleiben.“ 2007 seien bei Aufräumarbeiten 20 Todesfälle und mehr als 700 Verletzte gegeben.

Von Rüdiger Franke

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