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Gieboldehausen Neue Windräder werden noch größer
Die Region Gieboldehausen Neue Windräder werden noch größer
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09:28 30.11.2016
Von Kuno Mahnkopf
Quelle: Thiele
Gieboldehausen

Der speziell für Schwachwindstandorte konzipierte Vestas-Anlagentyp mit 234 Metern Höhe soll auch im Bereich des Pinnekenberges südlich von Gieboldehausen zum Zuge kommen. Dort plant die UKA (Umweltgerechte Kraftanlagen) aus Rostock in Kooperation mit dem Göttinger Projektentwickler Enerplan sechs weitere Windräder. UKA-Projektleiter Oliver Niewald geht davon aus, dass sowohl die Anlagen am Höher- als auch am Pinnekenberg im kommenden Jahr errichtet und in Betrieb genommen werden können.

Erstes am Höherberg

Einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt, bietet die Großbaustelle am Verbindungsweg Gieboldehausen-Bodensee. Nach Abschluss der Vorarbeiten wird dort zurzeit das erste der neuen Windräder im Bereich des Höherbergs installiert. Diese Anlage in der Gemarkung Bodensee wird 200 Meter Höhe nicht übersteigen - ebenso eine weitere aus technischen Gründen. Alle anderen Anlagen, die sich im Genehmigungsprozess befinden, werden im laufenden Verfahren auf 234 Meter umgeplant.

Die Windradplanung sorgt im Flecken Gieboldehausen weiter für politischen Streit. Das von der Mehrheit des alten Gemeinderates verweigerte Einvernehmen zur Wegenutzung für die ersten beiden Windradanträge wurde vom Landkreis als rechtswidrig erachtet und inzwischen gegen die Stimmen der Freien Wähler GfG (Gemeinsam für Gieboldehausen) durch einen neuen Beschluss ersetzt. Der sieht nur noch vor, dass Schäden an Straßen, Wegen und Stromleitungen zu vermeiden oder zu ersetzen sind.

Verantwortung bei der Samtgemeinde

Die Anmerkung von Markus Gerhardy (CDU), dass das verzögerte Vorgehen durch den zwischenzeitlich erfolgten technologischen Fortschritt zu höheren Windrädern geführt habe, erbost die Freien Wähler. Hubert Hackenfort spricht von einem „dreisten Versuch, die Verantwortung für die beiden in Gieboldehausen entstehenden Windparks abzuwälzen“. Verantwortlich sei die Flächennutzungsplanung der Samtgemeinde, Genehmigungsbehörde der Landkreis, der Rat des Fleckens habe keinen entscheidenden Anteil an dem Prozess.

Langwierige Vertragsverhandlungen mit dem Flecken und weitere Verzögerungen hätten dazu beigetragen, dass der neue Gerätetyp zum Tragen gekommen sei, bestätigt hingegen Niewald. Der Zeitpunkt der Inbetriebnahme sei ausschlaggebend für die Vergütung, das Ziel, alle Höherberg-Anlagen noch in diesem Jahr zu errichten, sei nicht haltbar gewesen.

Anlagen sollen nur bei Bedarf blinken

Blinklichter und Brutplätze: Zunächst hatte die UKA in Aussicht gestellt, im Fall der Inbetriebnahme von acht Windrädern im Raum Höherberg bedarfsgerechte Befeuerung und ab fünf Windrädern das finanzielle Beteiligungsmodell UKA-Bürgerwind für eine Anlage anzubieten.

Diese Zusagen haben sich jetzt umgekehrt. „Eine bedarfsgerechte Befeuerung ist bereits ab der fünften Anlage geplant“, sagt UKA-Projektleiter Oliver Niewald: „Das Thema scheint den Bürgern sehr wichtig zu sein.“ Dafür sei ein Bürger-Windrad erst ab der achten Anlage möglich.

Die bedarfsgerechte Befeuerung – das rote Blinken der Windräder nur bei Annäherung eines Flugobjektes anstelle eines Dauersignals – wollten die Freien Wähler des Fleckens Gieboldehausen durch die Aufstellung eines Bebauungplanes festlegen. Auch der Windradhersteller Vestas habe inzwischen ein eigenes System zertifiziert, sagt Niewald, der zurzeit mit Anbietern verhandelt. Niewald peilt eine Aktivradar-Lösung wie an Flughäfen an. Die Sendeleistung liege nur leicht über der eines Smartphones, das System könne sowohl den Windpark Höherberg als auch den Pinnekenberg abdecken.

Nicht bestätigen kann der Landkreis Göttingen Hinweise aus Bilshausen, dass Bäume gefällt worden seien, die möglicherweise als Brutplätze für den Rotmilan dienten – ein möglicher Verhinderungsgrund für Windräder. Sowohl 2013 als auch 2016 seien Bäume mit vermuteten Brutplätzen im Raum Bilshausen gemeldet worden, sagt Kreissprecher Ulrich Lottmann: „Dies wurde jeweils innerhalb weniger Tage überprüft, es konnten keine Bruten festgestellt werden.“ Samtgemeinde-Bürgermeisterin Marlies Dornieden (CDU) verweist auf nachkartierte Rotmilane am Pinnekenberg. Ob alle Planungen dort umgesetzt werden könnten, werde sich noch zeigen: „Jeder Standort wird einzeln zu begutachten sein.“ ku

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