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13:53 24.09.2017
Mehrere 100 Menschen kamen zur Pferdewallfahrt mit anschließender Tiersegnung durch den Pfarrer. Quelle: Soeren Kracht
Höherberg

„Das ist der schönste Fleck im Eichsfeld, ich bin oft hier oben“, erklärte Paul Wucherpfennig. Mit der Kutsche habe er seine Familie von Germershausen aus auf den Höherberg gefahren. Eineinviertel Stunde habe sein 26 Jahre alter Hengst, ein „ganz treues“ Schweres Thüringer Warmblut, für die Strecke benötigt. Mit den jüngeren Pferden, die er besitze, wäre es schneller gegangen. „Ich will sie aber noch nicht dem Trubel auf dem Höherberg aussetzen“, erklärte der Eichsfelder.

Pferdewallfahrt auf dem Höherberg

„Ich bin seit 5.30 Uhr auf den Beinen“, berichtete Reiter Matthias Nolte. Zweieinhalb Stunden habe er mit seinem Pferd, einer Mischung aus amerikanischem Westernpferd und einem Hannoveraner, von Breitenberg aus benötigt. „Ein besserer Spaziergang“ sei das für den Vierbeiner. Das Pilgern gehöre im katholischen Eichsfeld dazu. Bei der Pferdewallfahrt verbinde er sein Hobby mit dem Kirchgang.

Pony Betty lahmt

Mit zwei Kutschen wollte Familie Hartmann aus Giboldehausen auf den Höherberg fahren. Pony Betty lahmte aber am Sonntagmorgen. So spannte Jörg Hartmann nur zwei Hafflinger an. „Sehr genügsame“ Pferde seien das, sagte er über die kräftigen Vierbeiner mit den prächtigen, schneeweißen Mähnen. Mit seinen beiden Söhnen fuhr er von Gieboldehausen auf den Höherberg. Oben angekommen, stattete er die Tiere mit Decken aus, damit sie sich in der Zugluft nicht erkälteten. Ehefrau Francoise Hartmann kam unterdessen mit den Eltern mit dem Auto nach.

„Ich hatte früher auch drei Pferde“, erzählte Godehard Nordmann aus Bodensee. Doch wegen der vielen Zeit und des Geldes, das die Versorgung der Tiere koste, halte er heute keine mehr. Auf dem Höherberg sei er schon als Kind oft mit seinen Eltern gewesen. Damals seien die Wege hinauf auf den Berg – anders als heute – noch nicht asphaltiert gewesen. Als Kinder hätten sie Lindenblüten in den Bäumen gepflückt und den Hunderten von Schafen zugesehen, die Schäfer damals auf dem Berg hätten weiden lassen.

Aus Bodensee war Ferdinand Henniges mit seinem Hund, dem Berner Senn Leika, zur Wallfahrt gekommen. Zwischen Mai und September komme er regelmäßig zu den Sonntagabendgottesdiensten in der kleinen Kapelle, die den Vierzehnheiligen geweiht sei. Einst hätten drei Mönche in einem kleinen, heute abgerissenen Fachwerkhaus auf dem Berg gelebt, erinnerte er sich.

Alltagssorgen vergessen

„Hier oben können die Menschen ihre Alltagssorgen vergessen oder sie in einem anderen Licht sehen“, erklärte Pfarrer Matthias Kaminski, der die Gläubigen in Gieboldehausen, Bodensee und Wollbrandshausen betreut. Gemeinsam mit 15 Ministranten, fünf Kommunionhelfern und Organist Manfred Durzik, der seit 1984 im Amt ist, gestaltete er den Gottesdienst.

Kaminski ermunterte die Gläubigen, anders zu denken. Ein Ehepaar, erzählte er, hatte ein neugieriges Kleinkind, das an allem zog, das es zu packen bekam. Zu Weihnachten setzten die Eltern den Kleinen in den Laufstall, damit er den Weihnachtsbaum nicht umwarf. Seiner Freiheit beraubt habe das Kind wie am Spieß geschrieen. Darauf hätten die Eltern den Weihnachtsbaum in den Laufstall gestellt. Auch Gott, so der Pfarrer, denke anders. Jesus habe die Menschen aufgefordert, bei Unrecht nicht in blindem Hass zurückzuschlagen, sondern nach anderen Lösungen zu suchen.

Von Michael Caspar

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