Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Gieboldehausen GAB vermittelt Geflüchtete in Wollershausen in Ausbildung
Die Region Gieboldehausen GAB vermittelt Geflüchtete in Wollershausen in Ausbildung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:13 26.06.2018
Vorstellung des Projektes "Blogger at Work" am Standort Wollershausen Quelle: Rüdiger Franke
Wollershausen

„Das ist hier nicht mehr nur eine Wohnanlage für Geflüchtete“, sagte GAB-Geschäftsführerin Magdalene Günther. Es habe sich seit den Anfängen 2015 viel getan – auch für die Integration in Ausbildung und Beruf. Dabei ist das Lernen mit dem Nützlichen verbunden. Die Geflüchteten gestalten sich dabei ihr Zuhause, zum Beispiel mit Hochbeeten, Picknickbänken und einem Kinderspielplatz. „Wir haben das Gebäude vor drei Jahren gekauft“, erklärte Marcel Riethig, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der GAB und Sozialdezernent des Landkreises Göttingen. Damals sei es eine Art Notbehelf gewesen.

Teil des Projektes

„Sie sind, ohne es zu wissen, Teil des Projekts“, begrüßte Standortleiterin Stephanie Fliege-Molder die anwesenden Geschäftsleute und Vertreter der Politik. Denn für die Umsetzung des Projektes benötige die GAB Partner. „Partner sind wichtig“, betonte auch Riethig, denn „am Ende müssen die Geflüchteten von ihrer eigener Hände Arbeit leben können“. Und auch Deutschland könne Fachkräfte gebrauchen, die etwas können. Andererseits sei bei den Geflüchteten die Motivation hoch, etwas zu schaffen. Dabei sei wichtig, dass „Blogger at Work“ ein freiwilliges Projekt sei. „Die Teilnehmer wollen etwas schaffen.“

Andere Realität

„Am Anfang, als die Maßnahme 2015/16 entstand, haben wir uns hingesetzt und ein Konzept geschrieben“, erzählt Fliege-Molder. Es schien alles ganz eindeutig. Erst einmal sollten die Geflüchteten ein halbes Jahr deutsch lernen bis zum Abschluss B1, dann in die Maßnahme gehen. Jeder soll gleichberechtigt lernen. „Doch die Realität war anders“, so Fliege-Molder. „Wir hatten ein sehr breit gefächertes Teilnehmerfeld, das von Akademikern bis zu Menschen reichte, die noch nie zur Schule gegangen waren. Schnell war klar, dass wir weder 50 noch zehn Menschen in einen Raum setzen konnten, die überhaupt nicht den selben Wissensstand haben.“ Auch fehle zum Beispiel bei Frauen aus arabischen Ländern, das Selbstverständnis, alles ausprobieren zu wollen.

Individuelle Förderung

Individuelle Förderung war erforderlich. Es funktioniere zum Beispiel nicht, fünf Tage an einem Tisch zu sitzen und zu lernen, wenn jemand noch niemals eine Schule besucht hat. „Wir haben dann früh mit der Praxis begonnen und darüber versucht, Deutschkenntnisse zu vermitteln.“ Dem GAB-Team gelang es darüber hinaus, in einem Gespräch die NBank als Förderer vom veränderten Konzept zu überzeugen. Der Erfolg gab der neuen Idee recht. „Von 58 Teilnehmern haben am Ende 30 an einer Deutschprüfung teilgenommen“, so Fliege-Molder.

27 Praktika

Als nächstes wurden Betriebe gefunden, die zu einer Kooperation bereit waren und 27 Geflüchtete in Praktika vermittelt. Im vergangenen Jahr seien dann sogar zehn Personen ohne B1-Prüfung in eine Ausbildung vermittelt worden. Franz-Josef Otto vom Hotel-Restaurant Kronprinz in Fuhrbach hat zwei der Ausbildungsplätze bereitgestellt. „Beide wollen, das hat man gemerkt“, sagt er. Dabei sei es schon eine nicht ganz einfache Situation, als Ausgebildeter nach Deutschland zu kommen und hier noch mal einen Schritt zurückmachen zu müssen. Ashok Simkhada aus dem Nepal lernt als Koch: „Ich habe den Beruf zwar schon in meiner Heimat gelernt, aber auch die Ausbildung hier ist für mich interessant.“

Perspektive bieten

Vamousa Diakite von der Elfenbeinküste, der als Gebäudereiniger lernt, betont, dass die GAB viel für die Geflüchteten getan habe. „Sie gab uns Orientierung.“ Eigentlich habe er Fußballprofi werden wollen, aber in Wollershausen sei ihm eine Perspektive geboten worden. Doch die Perspektive ist ein weiteres Thema, wie Diakites Chef Dennis von Ahlen sagt. Er hat fünf Geflüchtete in seiner Firma, zwei davon als Auszubildende, die in der Berufsschule bessere Leistungen zeigen, als ihre deutschen Mitschüler. Er mache sich weniger Sorgen, dass sie die Prüfung schaffen, sondern dass sie hinterher auch in Deutschland bleiben dürfen.

Begeistert ist auch Nicola Blank von der Unternehmensgruppe Blank. Die Pflege lebt von der Sprache, gerade im Umgang mit alten Menschen. „Es ist schön zu sehen, wie die Bewohner versuchen, unserem Auszubildenden etwas beizubringen. Die lieben ihn.“

Respekt verdienen

Auch die Bürgermeister der Gemeinde Wollershausen, Ulrich Schakowske (SPD), und der Samtgemeinde Gieboldehausen, Steffen Ahrenhold (CDU), lobten das Projekt. Als das Projekt aufkam, habe es natürlich auch einige Vorbehalte gegeben, sagte Ahrenhold, doch die seien längst kein Thema mehr. Wobei Fliege-Molder ergänzte, dass die Unterkunft auch in Wollershausen kein „Haus Sonnenschein“ sei, und es wie überall auch Probleme gebe. Allerdings habe sich das Team viel Respekt dadurch verschafft, dass sie Geflüchtete in Ausbildung gebracht haben. Mittlerweile kommen Firmen auf die GAB zu. Derzeit gebe es bereits weitere sieben Ausbildungsplätze, die besetzt werden können. Schade sei, dass das Projekt zum Jahresende auslaufe.

Von Rüdiger Franke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Pfarrer Matthias Kaminski hat am Sonntag auf dem Höherberg Pilgerer zur kleinen Wallfahrt begrüßt. Er erinnerte im Gottesdienst an die Kirchweihe 1856 und an die Geburtsgeschichte Johannes des Täufers.

24.06.2018

Das Team des Familienzentrums Heilige Familie in Gieboldehausen hat am Sonnabend das 25-jährige Bestehen der Einrichtung gemeinsam mit vielen Kindern, Eltern und weiteren Besuchern gefeiert.

27.06.2018
Gieboldehausen 100 Jahre Frauenbewegung Rüdershausen - Frauen sprechen anders als Männer

Seit 100 Jahren gibt es die katholische Frauenbewegung Rüdershausen. Am Sonnabend wurde das Jubiläum mit einer Festveranstaltung begangen

26.06.2018