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Gieboldehausen Wilder Kampf mit Artgenossen
Die Region Gieboldehausen Wilder Kampf mit Artgenossen
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00:36 22.04.2018
Störche auf dem Schornstein der früheren Molkerei in Gieboldehausen. Quelle: Foto: Richter
Gieboldehausen

„Der Storch lag eine halbe Stunde wie tot auf dem Nestrand“, erzählt Kochsmeier, die das Geschehen auf dem Schornstein der alten Molkerei am Fenster verfolgte. Der andere Vogel habe das bewusstlose Tier vorsichtig mit dem Schnabel angestupst. Erst nach 30 Minuten habe sich der ausgeknockte Storch wieder aufgerichtet.

„Ich glaube eher, dass sich der Vogel schützend über die Eier gelegt hat“, meint der Molkerei-Hausherr, Fleischermeister Matthias Nachtwey. Nach mehreren Anrufen von Nachbarn, die den „ungewöhnlich heftigen Kampf“ beobachtet hätten, sei er auf das Dach gestiegen. Den Tieren gehe es den Umständen entsprechend gut. Keines der Eier sei aus dem Nest geworfen worden. Die Auseinandersetzung sei über eine Kamera live ins Restaurant übertragen worden. Aufgezeichnet wurde der Kampf aber nicht.

Probleme mit Störenfrieden gibt es jedes Jahr

„Mit Störenfrieden müssen sich brütende Störche jedes Jahr im Frühjahr auseinandersetzen“, weiß der Gieboldehäuser Friedel Bode. Vor ein paar Jahren sei es einem jungen, kräftigen Storch aus Seeburg gelungen, ein altes Männchen im Laufe eines mehrtägigen Kampfes mürbe zu machen. Der Altstorch habe das Nest in Gieboldehausen aufgegeben, kurz darauf in Wollershausen einen neuen Nistplatz gefunden und dort seinen Nachwuchs aufgezogen. Vertreiben würden Störche regelmäßig auch Nilganspaare, die sie im Frühjahr nach der Rückkehr ins Eichsfeld in ihrem Nest vorfänden.

Störche, Männchen wie Weibchen, sind wehrhafte Tiere, die mit ihrem Schnabel in wilden Prügeleien kräftig austeilen können“, kommentiert Hans-Heinrich Dörrie vom Arbeitskreis Göttinger Ornithologen die Gieboldehäuser Storchenkämpfe. In der Regel seien es zwei bis drei Jahre alte, männliche Jungtiere, die eine Nestübernahme wagten. Meistens vertrieben die Fremdstörche wieder, insbesondere dann, wenn die ansässigen Tiere ein Gelege zu verteidigen hätten. Manchmal gelinge es aber dem Angreifer das Männchen zu vertreiben oder gar zu töten. Er werfe dann vorhandene Eier aus dem Nest und paare sich mit dem Weibchen oder warte auf ein anderes brutwilliges Weibchen.

Zahl der Störche in Südniedersachsen steigt

„Die Zahl der Störche in der Region steigt“, berichtet der Ornithologe. 2017 habe es in den Altkreisen Göttingen und Northeim 20 Brutpaare gegeben, so viele wie noch nie. Das erscheine angesichts schrumpfender Lebensräume paradox. Die Erklärung: Bei den Tieren handele es sich größtenteils um Störche aus süddeutschen Auswilderungsprojekten. Ein Teil verbringe den Winter in Spanien. Andere verbrächten die kalten Monate in Süddeutschland, wo sie gefüttert würden. Etwa ein Viertel der von ihm erwähnten 20 Brutpaare überwintere in Salzderhelden oder am Seeburger See. Die Störche in Ostdeutschland würden dagegen im Herbst auf der Balkanroute in die Türkei und weiter bis in den Sudan fliegen.

Von Michael Caspar

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