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Gieboldehausen Wachsame Blicke schweifen über 45 Gewässer
Die Region Gieboldehausen Wachsame Blicke schweifen über 45 Gewässer
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13:00 17.10.2018
Sturmschäden und Naturschutzprojekte werden bei den Gewässerschauen des Unterhaltungsverbandes Rhume unter die Lupe genommen. Quelle: r
Eichsfeld

Eichsfeld Sturm- und Hochwasserschäden, Gehölz- und Mäharbeiten, Wasserbau und Naturschutz. Die Aufgaben des Unterhaltungsverbandes Rhume sind breit gefächert. In vier Etappen werden in diesem Monat die Rhume und ihr Einzugsgebiet unter die Lupe genommen. Die jährliche Gewässerschau mit Uferbegehungen ist Grundlage der Planung für das kommende Jahr.

Als Körperschaft des öffentlichen Rechts wurde der Unterhaltungsverband vor 55 Jahren gegründet und umfasst 14 Mitgliedsgemeinden. Verbandsvorsteher ist seit 1. Juli der Obernfelder Bürgermeister Karl-Bernd Wüstefeld, Geschäftsführer seit 2012 Hans-Jürgen Kreuzkam, den Vorstand bilden Vertreter der Gemeinden. Mit an Bord sind außerdem Vertreter von Landesforsten, Bahn und Straßenbauamt, eine Verbandsangestellte und zwei Verbandsingenieure in Nebentätigkeit, die Geschäftsstelle befindet sich in Gieboldehausen. 17 Schaubeauftragte behalten als „Gewässerläufer“ ihre Fließgewässer das Jahr über im Auge.

Geschäftsführer des Verbandes ist H.-J. Kreuzkam (links), Vorsteher K.-B. Wüstefeld. Quelle: Mahnkopf

Zuständig ist der Unterhaltungsverband nicht nur für die Rhume selbst, sondern auch für 44 Zuflüsse in einem Einzugsgebiet von knapp 100 000 Hektar in den Landkreisen Göttingen, Goslar und Northeim. Bis in die Kapillaren des Wassernetzes reicht die Zuständigkeit nicht. „Wir kümmern uns um sogenannte Gewässer II. Ordnung mit einer Gesamtlänge von 323,45 Kilometern“, sagt Wüstefeld: „Gräben und kleinere Bachläufe gehören nicht dazu.“ Die Betzelföhre beispielsweise, die zwischen Mingerode und Obernfeld die Bundesstraße kreuzt, sei bis dahin ein Gewässer III. Ordnung, ab dort dann ein Gewässer II.Ordnung. Das Verbandsgebiet reiche von Northeim im Westen bis St. Andreasberg im Osten, von Gittelde im Norden bis Etzenborn im Süden.

Die vier Verbandsschauen vom 18. bis 26. Oktober werden von Vertretern der Landkreise begleitet. Schwerpunkte der Gewässersichtungen sind von den Gemeinden und Schaubeauftragten aufgezeigte Mängel und ausgeführte Arbeiten. Ausgeschrieben werden die Arbeiten in Jahresverträgen. Alle Maßnahmen seien mit den Wasser- und Naturschutzbehörden eng abzustimmen, sagt Kreuzkam. Dabei sei auch stets der Artenschutz zu berücksichtigen. Für den gibt es Prüfschemata und Artensteckbriefe der Niedersächsischen Landesbehörde für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Dort habe der Verband nach dem Anschluss von zwei Altarmen der Rhume zwischen Bilshausen und Gieboldehausen eine weitere Altarm-Reaktivierung der bei Gieboldehausen beantragt. Da der Unterhaltungsverband für einen ordnungsgemäßen Ablauf des Wassers zu sorgen hat, fließe auch der Hochwasserschutz indirekt in die Aufgaben ein, ansonsten seien für den aber die Kommunen zuständig.

Zu tun hat der Verband nicht nur mit Sturm- und Hochwasserschäden, Verlandungen, Uferausbrüchen und umgestürzten Bäumen als Abflusshindernissen, sondern auch mit der Gewässerentwicklung. „Viele Gewässer sind begradigt und haben keine Struktur mehr“, sagt Wüstefeld. Die ökologische Durchgängigkeit für Fische und Kleinstlebewesen sei zu gewährleisten. Als Beispiele für Naturschutzmaßnahmen nennt er Sohlgleiten und sogenannte Instream-River-Riegel, die für Pendelbewegungen und Sauerstoffeintrag, für durchströmte Bereiche und ruhige Rückzugsräume für Fische sorgen, für Struktur und weniger Tiefenerosion.

Die Arbeit des Verbandes sei nicht frei von Interessenkonflikten, berichtet Kreuzkam. Das reicht von Anwohnern, die Grünabfälle entsorgen, bis zur illegalen Landgewinnung. Das Pflügen von Gewässerrandstreifen sei immer wieder ein Problem, ebenso Schadstoffeinträge durch Dünger oder Spritzmittel. Auch das wird bei den jährlichen Gewässerschauen mit Vertretern der Landkreise als Ordnungsbehörden berücksichtigt.

Von Kuno Mahnkopf

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