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Gieboldehausen Neues Fries verschönert Wallfahrtskirche
Die Region Gieboldehausen Neues Fries verschönert Wallfahrtskirche
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20:29 06.11.2018
Stena Schlicht vervollständigt das Friesband in einem der Kirchenfenster. Quelle: Rüdiger Franke
Germershausen

Stena Schlicht, Maler- und Lackierermeisterin mit Schwerpunkt Kirchenmalerei und Denkmalpflege sowie die Kirchenmaler und Restauratoren Dawid Urbanek und Welf Herzog von der Firma Windmann aus Liebenburg bei Goslar arbeiten zurzeit auf einem Gerüst an der linken Wand in der Wallfahrtskirche „Maria Verkündigung“ in Germershausen. „Wir haben im Juni angefangen“, erzählt Stena Schlicht. Zunächst habe das Team die Bögen der Arkaden freigelegt. Wie der Rest der Kirche seien diese in den 1960er-Jahren überstrichen worden. „Wir haben mit heißem Wasserdampf mit mehreren Bar Druck die erste Schicht freigelegt“, erklärt Dawid Urbanek. Anhand der Freilegungen des alten Frieses habe das Team dann entscheiden können, welche Muster und Schablonen zum Einsatz kommen.

Kleiner Ort mit großer Kirche

„Das ist durchaus eine komplizierte Aufgabe“, sagt Urbanek, der wie seine Kollegen beeindruckt von der Wallfahrtskirche ist. „Wir waren überrascht, dass in einem so kleinen Ort eine so große Kirche steht“, sagt er. Das Gebäude sei alt und man könne sich nicht auf die Linienführung verlassen. Deshalb sei es nicht ganz einfach gewesen, das Fries auszurichten, damit es gerade laufe. „Wir konnten uns nicht nur auf das Abmessen verlassen, sondern mussten auch mit dem Auge vermitteln.“ Allein mit Messungen hätte das Fries zum Beispiel an einer Seite 40 Zentimeter Abstand zur Decke gehabt, an der anderen aber nur fünf.

Bevor mit der Malerei begonnen werden konnte, mussten einige Stellen an den Wänden nachgeputzt werden. „An manchen Stellen war die Wand hinter dem Putz hohl“, sagt Urbanek. Dort sei die Wand abgeklopft und der nicht intakte Oberputz ersetzt worden. Danach kamen die Acrylfarben zum Einsatz, aber nur an den Wänden. „Die Decke ist so geblieben, wie sie war“, erzählt Schlicht. Die sei nur geölt worden. „Damit haben wir das Farbkonzept aus den 60er-Jahren aufgefrischt, damit die Farben wieder Glanz bekommen“, erläutert Urbanek den Hintergrund.

Dawid Urbanek gehört zum Team, dass die Wallfahrtskirche in Germershausen restauriert. Quelle: Rüdiger Franke

„Insgesamt haben wir uns von oben nach unten gearbeitet“, sagt Schlicht. Das Team habe mit dem Fries begonnen. Danach seien die Fenster an die Reihe gekommen, bevor sich die Maler in die Seitenschiffe bewegt haben. Auch sie betont noch einmal, dass die Wallfahrtskirche in Germershausen sehr sehenswert sei.

Anhand der freigelegten Stellen habe das Team zunächst die Schablonen erstellt, mit denen das Muster des Friesbandes erstellt wird, so Schlicht. Die Schablone diene dazu, dass die einzelnen Elemente gleichmäßig gemalt werden können, wie Urbanek erklärt. Danach habe das Team die Farben angemischt. Dabei sei zu sehen, dass es neue Farben sind, sagt Urbanek. Die alten Farben seien im Lauf der Jahre verblasst und auch vom Ruß der Kerzen verändert worden. Nach dem Farbauftrag mit den Schablonen sei die Konturierung der Muster an der Reihe gewesen, sagt Schlicht. Die Konturen geben den Formen noch einmal einen schönen Effekt. Die Blätter seien mit Aderungen versehen worden, damit sie lebendiger wirken. Darüber hinaus seien noch die Begleiter des Friesbandes, wie die Linien darüber und darunter genannt werden, auf die Wand aufgetragen worden.

„Es ist ein besonderer Mythos, der den Ort umgibt.“

Insgesamt sei bereits im Jahr 2005 mit den Malereien in der Wallfahrtskirche begonnen worden, berichtet Cornelia Kurth-Scharf vom Wallfahrtsteam. Die Sanierung geschehe in mehreren Abschnitten. „2005 ist die Apsis im Altarraum restauriert worden“, ergänzt Alfons Knöchelmann aus dem Kirchenvorstand. Mit den jetzigen Arbeiten werde das Entstehungsjahr wieder hervorgeholt, wie Kurth-Scharf sagt. „Es ist ein besonderer Mythos, der den Ort umgibt. Seit mehr als 330 Jahren kommen Menschen her, um hier Kraft zu finden.“

Rund 65 Prozent der Ornamente seien nach Freilegung noch im ursprünglichen Zustand erhalten, berichtet Kurth-Scharf, was ihr der Restaurator Christoph Jarzebski aus Liebenburg erzählt habe. Große figürliche Darstellungen, die sich auf den Wänden der Kirche im Hauptschiff befunden haben sollen, seien aber nicht gefunden werden. Jarzebski nehme an, dass diese in früheren Jahren unwissentlich abgewaschen wurden.

Vorbereitungen für die Christmette

Die Finanzierung der Restaurierung geschehe über Spenden unter anderem von der Volksbank Mitte sowie Mittel des Bistums, EU-Gelder, die Klosterkammer Hannover und das Bonifatiuswerk. „Der Zeitplan der Restaurierung kann leider nicht eingehalten werden“, berichtet Alfons Knöchelmann vom Kirchenvorstand. Mit den Malern sei abgesprochen, dass die Kirche zum 16. Dezember wieder frei sei, damit sie für die Christmette vorbereitet werden könne. Leider seien zu diesem Zeitpunkt die Arkadenbögen noch nicht fertiggestellt. Diese Arbeiten werden erst im Frühjahr 2019 endgültig abgeschlossen sein, so Knöchelmann.

Von Rüdiger Franke

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