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Wollbrandshausen „Ein Hoch auf die Moral“
Die Region Gieboldehausen Wollbrandshausen „Ein Hoch auf die Moral“
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00:18 30.12.2017
Erna, Ilse und Berta bereiten sich auf die Demo gegen die Nudistenmele vor. Die Masken kommen beim Stück "Maskenball am Campingplatz" in Wollbrandshausen zum Einsatz. Quelle: Markus Hartwig
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Wollbrandshausen

Jedes Jahr im Sommer verabreden sich die Familien Bagger, Strössel und Pellmann zum Camping am beschaulichen Wingertsee. Doch dann versperrt plötzlich ein Wohnwagen die Sicht. Gleichzeitig will der neue Pächter des Campingplatzes einen Teil des Sees als FKK-Bereich ausweisen. Das ist unerhört, meinen die Frauen, während ihre Ehemänner sich für die neue Regelung begeistern. Doch eines nach dem anderen.

„Erna, guck Dir das mal an hier“ – Eugen Bagger macht empört seine Frau Erna auf die neue Situation aufmerksam. Nicht bloß, dass seine Mittagsruhe gestört wird. Nein, der Wohnwagen selbst, der jetzt die Sicht auf den Wingertsee versperrt, ist nicht schön anzusehen. Es ist eine „Rostlaube“. Die Damen der drei Familien begrüßen allerdings die Sichtblockade, versperren sie doch den Blick auf den neuen FKK-Bereich am See.

„Endlich tut sich was am See“

„Platzwart“ Isolde, eigentlich Reinigungskraft, betritt die Szene und klärt auf: Der neue Pächter sei selbst Nudist. Die Einweihung sei am selben Abend, verkündet sie, und verteilt, damit man sich nicht zu schämen braucht, Masken an alle die, die am Abend kommen mögen. Gleichzeitig werden auch die neuen Camper identifiziert: „Zeckenzüchter, solch Langhaarige“ seien das. Allerdings steigt zeitgleich die Neugierde bei den männlichen Campern: Mit den beiden Mädchen, die der zottelige Herr in der die Sicht blockierenden Rostlaube bei sich hat (später stellt sich heraus, es sind die Töchter) wird schnurstracks geflirtet. „Endlich tut sich was am See“, sind sich Eugen, Gustav und Siegfried einig. Ihre Empörung über die rostige Sichtsperre ist vergessen.

Die Neugierde ihrer Männer bleibt auch Erna, Ilse und Berta nicht verborgen. Wie lässt sich sowohl gegen den rostigen Neuzugang als auch das Neue FKK-Angebot vorgehen? Sie möchten Beschwerde beim neuen Pächter einlegen. Denn schließlich sei man hier quasi zuhause und die 25-jährige Mitgliedschaft ein gutes Argument. Man habe die älteren Rechte: „Ein Hoch auf die Moral.“ Man werde gegen das „Sündenbabel“ demonstrieren.

Natürlich möchten sie dabei nicht von ihren Männern erkannt werden. Gleichzeitig möchten diese an der Eröffnung des FKK-Bereichs teilnehmen, ohne dass ihre Frauen es erfahren. Und hier kommen die von Isolde verteilten Masken ins Spiel. Am Abend erkennt keiner den anderen.

Prügel und abgelegte Kleidung

Der nächste Morgen ist nur scheinbar friedlich. Die Männer haben eins auf die Mütze bekommen und werden über abgelegte Kleidung von ihren Frauen identifiziert. Die Polizei ist involviert, und am Abend geschossene Fotos identifizieren wiederum die Ehefrauen – trotz der Masken.

Am Ende kommt die Rolle der „Zeckenzüchter“ mit der Rostlaube ans Licht. Gibt es ein Happy End zwischen den Eheleuten und finden die Damen vielleicht selbst Gefallen an der neuen Nudistenmeile? Die weiteren Aufführungen am 6. Januar (20 Uhr) und 7. Januar (14.30 Uhr, Seniorenvorstellung) geben die Antwort. Tickets sind bei Manfred Bodmann, Hauptstraße 6 Wollbrandshausen, erhältlich, Telefon: 055 28 / 87 87.

Seit 130 Jahren wird in Wollbrandshausen zum Weihnachtsausklang Theater gespielt. Es gibt immer ein Lustspiel, denn das Leben sei ernst genug, sagt Wolfgang Bodmann, Vorsitzender im MGV. Ein Vierteljahr arbeite man an den jährlichen Aufführungen, zweimal in der Woche sei Probe.

Von Markus Hartwig

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