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Gieboldehausen Orgel bald nicht mehr schief und schrill?
Die Region Gieboldehausen Orgel bald nicht mehr schief und schrill?
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00:23 10.09.2018
Prospekt der Krell-Orgel in Gieboldehausen. Im kommenden Jahr steht eine Überarbeitung an, die nach bisherigen Schätzungen etwa 5000 Euro kosten wird. Quelle: r
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Gieboldehausen

Die evangelische Gustav-Adolf-Kirchengemeinde in Gieboldehausen lädt für Sonntag, 9. September, ab 15 Uhr zu einem Kirchenkonzert zugunsten der eigenen Kirchenorgel ein. Diese soll im kommenden Jahr ausgereinigt und neu gestimmt werden. Dafür werden nach Schätzungen eines Orgelbauers etwa 5000 Euro benötigt.

Der Spieltisch der Krell-Orgel. Quelle: r

„Das ist sehr wenig im Vergleich zur großen Restaurierung von 1993, die um die 170 000 Euro gekostet hat“, sagt Organist Yannick Bode. Allerdings sei die Gemeinde bei den nun anstehenden Arbeiten auf Spenden angewiesen. Neben dem Konzert am Sonntag soll es im Frühjahr 2019 ein weiteres geben; in einigen Gottesdienst-Kollekten werde ebenfalls für die Orgel gesammelt. Wenn alles nach Plan verläuft, sollen die Arbeiten, die direkt in der Kirche ausgeführt werden können, in der zweiten Jahreshälfte beginnen und etwa zwei Wochen dauern. Welche Firma damit beauftragt werde, sei noch nicht bekannt, sagt Bode.

Technisch herausragend, klanglich mangelhaft

„Die Orgel in unserer Gustav-Adolf-Kirche in Gieboldehausen wurde 1879 vom Orgelbaumeister Louis Krell aus Duderstadt gefertigt und ist ein besonderes Instrument, das sich durch eine solide Bauweise, handwerkliche Präzision und einen warmen, fülligen Klang auszeichnet.“ So steht es in der aktuellen Ausgabe des „Gemeindeboten“ geschrieben. Seit der Sanierung von 1993 sei die Orgel „technisch in einem herausragenden Zustand“, jedoch gebe es inzwischen einige klangliche Mängel. Das liege unter anderem an Staub und Dreck, der sich im Orgelinneren abgesetzt habe. Zudem seien viele Töne, besonders die hohen, verstimmt.

Die Mechanik in der Orgel (hier die Pedaltraktur und Pedalkoppel). Quelle: r

„Einige Register sind für unsere Kirche zu schrill und laut intoniert“, beschreibt Bode außerdem. Das höre sich im Kirchenraum teilweise sehr unangenehm an – „wie ein hohes, piepsiges Schreien“, zieht der Organist einen Vergleich, den auch Pastor Jens-Arne Edelmann unterschreibt: „Tatsächlich klingt die Orgel zeitweise wirklich sehr schrill.“

„Wie ein hohes, piepsiges Schreien“

Die schief klingenden Pfeifen können neu gestimmt werden, was nach Bodes Einschätzung alle 20 bis 30 Jahre nötig ist. „Das geschieht je nach Bauart zum Beispiel durch das Verschieben eines Deckels auf der Pfeife. Dadurch wird die Pfeife entweder etwas länger oder kürzer und dementsprechend tiefer oder höher“, erklärt Bode, der in Hannover Kirchenmusik studiert. Bei andere Pfeifen gebe es auf der Rückseite eine Öffnung, die man vergrößern oder verkleinern muss.

Die Pfeifen des Hauptwerks. Quelle: r

Für die intonatorischen Mängel sieht Bode verschiedene Lösungsansätze: „Es gibt an einer Pfeife um die 25 Parameter, die man verändern kann. Dabei kommt es vor allem auf sorgfältige Arbeit und Erfahrung an“, betont der Fachmann. Wenn beispielsweise die Öffnung am Pfeifenfuß verkleinert werde, ströme weniger Luft in die Pfeife, wodurch sie leiser werde. An anderen Stellen lasse sich der Klang zum Beispiel weicher einstellen. „Das ist eine Arbeit, die von erfahrenen Orgelbauern ausgeführt werden muss“, sagt Bode. Sie erfordere viel Zeit, da man sich um jede Pfeife einzeln kümmern müsse – und davon gibt es bei der Krell-Orgel etwa 860. Alle müssen ausgebaut werden, sodass nicht nur die Pfeifen selbst, sondern auch das Orgelinnere von Staub befreit werden kann. „An manche Pfeifen würde man gar nicht rankommen, wenn alle Pfeifen drin sind“, beschreibt Bode den Grund für den Aufwand. Beim anschließenden Wiedereinbau dürfe man auch den Gesamtklang der Orgel nicht außer Acht lassen.

Die Mechanik in der Orgel (hier das sogenannte Wellenbrett für das Pedal). Quelle: r

Begleitet wird das Projekt vom Orgelrevisor des Kirchenkreises, Jörg Ehrenfeuchter aus Herzberg. Dessen Vorgänger Hans-Ulrich Funk hatte die klanglichen Mängel bereits bei der Visitation der Orgel im Jahr 2013 benannt.

Konzert am Sonntag: Eintritt frei, Spenden erbeten

Der Eintritt zum Konzert am 9. September ab 15 Uhr in der Gustav-Adolf-Kirche in Gieboldehausen ist frei; am Ausgang werden Spenden zugunsten der Ausreingiung sowie der Stimmung und Intonation der Krell-Orgel gesammelt. Mitwirken werden der örtliche Projektchor unter der Leitung von Andreas Schmülling, die bereits 1986 gegründete Flötengruppe von Hildegard Sorge, der erfahrene Organist Yannick Bode an der Orgel und Leonie Wulff (mehrfache Preisträgerin „Jugend musiziert“, seit 2013 Mitglied des Landesjugendorchesters „Junge Bläser Philharmonie NRW“) an der Querflöte. Auf dem Programm stehen Werke von Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Carl Philipp Emanuel Bach und Eugène Bozza. Der Projektchor will unter anderem Liedbearbeitungen von Michael Schütz und Lorenz Maierhofer vortragen.

Von Markus Riese

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