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Gleichen Angst vor Hochwasser am Wendebach
Die Region Gleichen Angst vor Hochwasser am Wendebach
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14:20 03.09.2018
Die Reinhäuser sind in Sorge, weil der Wendebach verschlammt und vor allem zuwuchert. Quelle: Christina Hinzmann / GT
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Reinhausen

Die Reinhäuser sind besorgt: Sie fürchten, dass wucherndes Gras und Treibgut den Wendebach bei Regen stauen und ihre Häuser überschwemmt werden. Der Leineverband aber beruhigt: Es wird bald gemäht.

Erinnerungen an die große Flut von 1981 werden bei vielen Reinhäusern wach, wenn sie an die immer stärker werdenden Regenfälle in den zurückliegenden Jahren denken. Damals war der Wendebach nach heftigem Regen so schnell angeschwollen, dass viele Häuser blitzschnell überflutet wurden. Und wenn die Anwohner zurzeit in das Bett des Wendebaches schauen, der mitten durch ihr Dorf fließt, fürchten sie, dass es wieder passiert. Denn Gras, Springkraut und andere Pflanzen wuchern kräftig – trotz der langen Trockenheit. Und an mehreren Stellen sollen lange abgebrochene Äste den Lauf blockieren.

Verärgerte Bürger im Ortsrat

Ihrem Unmut haben Anwohner während der jüngsten Ortsratssitzung Luft gemacht. Sie fordern vor allem den Leineverband auf, den Wendebach aufzuräumen und freizuschneiden. Der Ortsrat habe ihre Sorgen an die Gemeinde Gleichen weiter geleitet, sagte Ortsbürgermeisterin Ulrike Benstem (SPD). Und die habe inzwischen den zuständigen Leineverband informiert, versichert Gemeindebürgermeister Manfred Kuhlann (SPD).

Die Lage sei allerdings bei Weitem nicht so dramatisch, wie es den Anschein habe, versichert Jens Schatz, Geschäftsführer des Leineverbandes mit Sitz in Northeim. Es bestehe „kein akuter Handlungsbedarf“. Das sei das Ergebnis der jüngsten Kontrollen. Seine Mitarbeiter würden alle Gewässer mindestens zweimal im Jahr und nach jedem größeren Regenereignis kontrollieren, erklärt Schatz.

Hauptsache, es fließt ordnungsgemäß

27.08.2018 Die Reinhäuser sind in Sorge, weil der Wendebach verschlammt und vor allem zuwuchert. Sollte es einmal wieder sehr stark regen, fürchten sie ein Hochwasser wie 1981. Wendebach in der Reintalstraße. Quelle: CHH

Unabhängig davon gebe es an allen Flüssen und Bächen im Bereich des Leineverbandes mindestens alle drei Jahre größere Gewässerkontrollen – mit Beteiligung der jeweiligen Gemeinde und des Landkreises. Dabei werde vor allem erörtert, ob und was zu tun sei, damit der Bach oder Fluss „ordnungsgemäß abfließen kann“. Der Wendebach sei in dieser Form 2016 kontrolliert worden, die nächste große Kontrolle sei 2019 geplant.

Unabhängig von den Kontrollen sei in diesem Jahr noch eine beidseitige Mahd auf etwa je einem Meter links und rechts vom Gewässer vorgesehen. „Das schaffen wir vermutlich im September“, so Schatz. Bei den Unterhaltungsarbeiten spiele der extrem trockene Sommer den Mitarbeitern vom Leineverband in die Hände: Die Böden seien so trocken und fest, dass auch schwere Fahrzeuge problemlos bis an die Uferböschung fahren können.

Komplette Räumung kostet 15000 Euro

Sogenannte Anlandungen würden bei der jetzt geplanten Aktion am Wendebach allerdings nicht entfernt, weil er überall ungehindert fliesen könne. Diese größeren Arbeiten erfolgten alle fünf Jahre, zuletzt 2015. Im nächsten Jahr werde entschieden, ob und wo 2020 „geräumt“ wird, erklärt Schatz. Anschließend sei das betonierte Bachbett im Dorf allerdings auch kahl.Die Vorbereitungen dafür dauerten etwa ein Jahr. Und: Eine Räumung koste im Schnitt etwa 15000 Euro.

Schatz betont, dass der Leineverband nicht zuständig sei für den Hochwasserschutz, sondern nur für die Unterhaltung des Wendebaches. Sogenannte Überschwemmungsgebietsgrenzen setzt der Landkreis Göttingen in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasser, Küsten- und Naturschutz. 

Der Ausbau des Wendebaches in Reinhausen biete zudem keinen hundertprozentigen Schutz vor Schäden durch Hochwasser. Die Bürger müssten immer damit rechnen, dass auch ein Hochwasserereignis eintreten könne, „welches zu schädlichen Ausuferungen führt“, sagt Schatz.

Der Leineverband

Der Leineverband ist für die Unterhaltung und Pflege der Leine und aller Zuflüsse in den Landkreisen Göttingen, Northeim, Holzminden und Hameln-Pyrmont zuständig – auch für Randbereiche. Im Fokus steht dabei laut Satzung der Schutz der Gewässer, Natur und auch der Schutz von Grundstücken vor Hochwasser, wenn Land und Kommunen dies finanzieren. Mit einem Verbandsgebiet von mehr als 221000 Hektar ist er der größte von 110 Unterhaltungsverbänden in Niedersachsen. Finanziert wird er über Mitgliedsbeiträge. Getragen wird er von etlichen Kommunen, Landkreisen sowie Unternehmen, der Deutschen Bahn, Forst- und Straßenbauverwaltungen.

Von Ulrich Schubert

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