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Gleichen Neues Integrationsprojekt in Sattenhausen
Die Region Gleichen Neues Integrationsprojekt in Sattenhausen
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17:55 27.01.2018
Nahad Isa mit ihrem Sohn, Ide Haci mit Tochter Torin Namer und Gisela Prieß. Quelle: meg
Sattenhausen

Seit Anfang 2016 betreut Sattenhausen 21 Flüchtlinge: Eine afghanische und eine iranische Familie leben im Haus gegenüber dem Gemeinschaftshaus. Der Ort hat dafür vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 8000 Euro zur Verfügung gestellt bekommen – und das Geld unter anderem in eine neue Kochserie investiert. Unter dem Motto „IntegrationSatt“ soll jeden letzten Donnerstag im Monat abwechselnd iranisch, afghanisch und deutsch gekocht werden.

Sehr deutsch: Erbsensuppe und Laucheintopf

Den Vorreiter machte am Sonnabend die deutsche Küche: Isabella Dossenbach, Dozentin für in- und ausländische Küche an den Berufsbildenden Schulen am Ritterplan in Göttingen und Mitglied im Club Göttinger Küche, legte den Schwerpunkt ihres Vortrages auf Suppen und brachte dafür laut eigener Aussage typisch deutsche Suppen mit: Erbsen- und Laucheintopf.

„Ich bin sehr beeindruckt, wie hier in Sattenhausen die Tradition gehalten wird, Menschen die keine Heimat haben, eine zu geben“, sagte Dossenbach. „Sattenhausen hat immer Flüchtlinge aufgenommen, auch in den 1990er Jahren die Jugoslawen“, erzählte Ortsbürgermeister Peter Schulze.

Vortrag über Flucht 1943

Karl-Heiz Tjardes flüchtete 1943 mit seiner Mutter und seinen sechs Geschwistern aus dem zerbombten Hannover nach Sattenhausen. „Der damalige Bürgermeister Frank Pieper hat uns in seinem 62 Quadratmeter großen Clubraum untergebracht“, erzählte der gelernte Maurer.

In einem Vortrag berichtete er über seine Erlebnisse als Flüchtlingskind nach dem Zweiten Weltkrieg. Dazu zeigte er Fotos und Dokumente, die ausgedruckt in DIN-A4-Format in mehreren Stapeln zur Einsicht auslagen. Die Dokumente zeigten unter anderem die alten Dorfansichten Richtung Hengstberg und informierten über Wassermangel und Stromsperren. „Heute denken die Kinder ja der Strom kommt aus der Steckdose“, so der gelernte Maurer. Den größten Unterschied zur heutigen Flüchtlingsproblematik sehe er in den Schwierigkeiten der Leute, Geflüchtete aufzunehmen: „Früher hat der Bürgermeister ein Anruf bekommen und musste bis zum nächsten Tag 30, 40 Leute unterbringen. Da hat auch keiner Hurra geschrien, aber geschafft haben sie es trotzdem. Heute wäre das gar nicht mehr möglich“, meinte Tjardes.

Arbeit an jesidischem Zentrum

Ide Haci ist eine der 21 Flüchtlinge und lebt mit ihrer Familie seitdem 15. Dezember 2016 in Sattenhausen: „Wir fühlen uns hier sehr wohl und wurden sehr gut aufgenommen. Immer wenn etwas im Dorf passiert, werden wir auch eingeladen“, erzählte die Jesidin mithilfe der Dolmetscherin Nehad Isa, die selbst Jesidin ist: „Ich freue mich helfen zu können und die Familien kennenzulernen.“

Angefragt wurde die ehrenamtliche Mitarbeiterin von Gisela Prieß. Sie arbeitet bei der Gesellschaft für bedrohte Völker und unterstützt das Projekt auf Anfrage von Schulze: „Wir arbeiten derzeit an einem jesidischen Zentrum, ein Treffpunkt zum Unterrichten und Austauschen, so hat er mich gefunden“, so Prieß.

Von Madita Eggers

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