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Gleichen Politiker im wollen RUZ Reinhausen retten
Die Region Gleichen Politiker im wollen RUZ Reinhausen retten
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15:30 04.09.2018
Öffentliche Projekte des RUZ: Das Kartoffelfest inklusive Apfelmarkt lockt jährlich Hunderte Besucher auf die Domäne Reinhausen. Quelle: Peter Heller
Reinhausen/Göttingen

Es herrscht Unruhe in Gleichen und in vielen Schulen in der Region: Der Pächter der Domäne Reinhausen, ein Landwirt, will die Hofstatt vom Land Niedersachsen kaufen und als Privateigentümer übernehmen. Einige Gebäude und landwirtschaftlichen Flächen werden auch vom Regionalen Umweltbildungszentrums Reinhausen (RUZ) genutzt und bewirtschaftet. Jährlich lernen Kita-Gruppen und Schulklassen aus der Region sowie andere Besuchergruppen in verschiedenen RUZ-Projekten Natur und Landwirtschaft praxisnah kennen.

Die zuständige Domänenverwaltung des Landes Niedersachsen beim Amt für Regionale Landesentwicklung in Braunschweig und der Pächter selbst haben dessen Kaufabsichten inzwischen bestätigt. Und die Domänenverwaltung fügte an, dass auch die Gemeinde Gleichen Kaufabsichten für Flächen angemeldet habe.

Proteste auch im Landtag

Das verunsichert nicht nur die Akteure im überregional anerkannten Bildungszentrum und viele Nutzer, sondern auch die Gemeinde Gleichen selbst sowie die Politiker im Ort. Offiziell seien sie über die Verkaufsabsichten bisher nicht informiert worden. Die Grünen haben dazu – in Sorge um das RUZ – bereits zwei Anfragen im Landtag gestellt.

Jetzt schaltet sich auch die Kreistagsgruppe von SPD, Grünen und Freien Wählern (FWLG) ein - mit einem Antrag zur nächsten Kreistagssitzung. Stimmt das Gremium zu, soll sich der Landrat „nachdrücklich und kurzfristig“ beim Land für das RUZ einsetzen.

Drei Forderungen sollen RUZ sichern

Dazu formuliert die Gruppe drei Forderungen: Das RUZ ist – mit den genutzten Gebäuden und Ackerflächen – dauerhaft in öffentlicher Hand zu sichern, eventuell auch in einer Stiftung. Sollten darüber hinaus Domänenflächen verkauft werden, sind die Belange der Gemeinde Gleichen und des Kreises zu berücksichtigen. Dazu gehören zum Beispiel Bauland-Wünsche der Kommune. Und die Landesregierung wird gebeten, das RUZ personell zu stärken.

RJährlich pflanzen Kitagruppen und Schulklassen auf der Domäne unter RUZ-Anleitung Kartoffeln. Quelle: GT

 

Seit mehr als 20 Jahren werde auf der Domäne Reinhausen durch das RUZ und angeschlossene Waldpädagogikzentrum der Landesforsten beispielhaft Umweltbildung betrieben, erklärt die Kreistagsgruppe zu ihrem Antrag. Das RUZ sei vom Kultusministerium anerkannter außerschulischer Lernstandort. Diese „einmalige“ und außergewöhnlich gut genutzte Einrichtung sei „in Gefahr“, wenn die Domäne verkauft würde.

Nutzung bis 2032 gesichert

Das Land hingegen sieht die Bildungseinrichtung nicht gefährdet. Nach einer Vereinbarung mit dem RUZ von 2014 sei sicher gestellt, dass die Einrichtung „ihre“ Gebäudeteile (ehemaliger Pferdestall, Gewölbekeller, Geräte-Lagerraum) sowie landwirtschaftlicher Flächen von rund 0,5 Hektar bis 2032 nutzen kann. In ihrer Antwort auf die zweite Anfrage der Landtags-Grünen und ihres Göttinger Abgeordneten Stefan Wenzel ergänzt die Landesregierung: Der aufkommende Protest nach ersten Berichten über die Kaufabsichten in den lokalen Medien bestätige, von welcher „hoher fachlicher, aber auch emotionaler Bedeutung“ die Einrichtung sei.

Noch sei allerdings völlig offen, ob Domänenflächen in Reinhausen verkauft werden, heißt es darin weiter. Der Wunsch komme vom Pächter, die Verhandlungen stünden ganz am Anfang. Grundsätzlich nehme das Land aber auch Rücksicht auf die Existenzgrundlagen ihrer Domänenpächter und verhalte sich bei anstehenden Verkäufen „pächtertreu“. Das bedeutet konkret: Ihr Wunsch wird ernst genommen und sie bekommen Vorrang, auch wenn sie kein vertragliches Vorkaufsrecht bei Ende eines Pachtvertrages haben.

Ausschreibung nicht üblich

Vor diesem Hintergrund sei es auch nicht üblich und erforderlich, einen möglichen Verkauf von Landeseigentum voram bekanntzugeben oder die Objekte und Flächen zum Verkauf auszuschreiben, erklärt die Landesregierung weiter. Angaben zu einem finanziellen Angebot des Kaufinteressenten macht sie nicht - auch das sei „unüblich“. Unterdessen hat Niedersachsens Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Barbara Otte-Kinast (CDU), in einem Brief einen Besuch im RUZ zugesagt. Sie reagiert damit auf Einladungen von Gemeindebürgermeister Manfred Kuhlamm (SPD) und der Reinhäuser Kreistagsabgeordneten Bärbel Diebel-Geries (SPD).

Thema im Kreistag

Der Antrag von SPD, Grünen und Freien Wählern zum RUZ ist Thema während der Sitzung des Göttinger Kreistages am Mittwoch, 5. September. Sie beginnt um 15 Uhr im Neuen Rathaus der Stadt Göttingen.

Info: Das RUZ

Das RUZ gibt es seit 1997. Inzwischen bildet es mit dem Waldpädagogikzentrum Göttingen eine „in Niedersachsen einzigartige Kombination“ (Zitat Land) als außerschulische Bildungseinrichtung. Träger sind die Landesforsten. 2017 hat das RUZ bei verschiedenen Aktionen und Projekten 11 000 Besucher gezählt. Etwa 3500 Schüler in mehr als 30 Klassen beackern regelmäßig Kartoffelfelder, ernten und verarbeiten die Erdäpfel.

Von Ulrich Schubert

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