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Göttingen Maut auf allen Bundesstraßen – Bilanz nach 100 Tagen
Die Region Göttingen Maut auf allen Bundesstraßen – Bilanz nach 100 Tagen
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00:20 11.10.2018
Seit 1. Juli wurde die Lkw-Maut auf alle Bundesstraßen in Deutschland ausgeweitet. Quelle: Swen Pförtner
Göttingen

„Ich habe 12 000 Euro Mehrkosten pro Monat“, sagte Christian Huke, Geschäftsführer der Spedition Sommer in Gieboldehausen. Die zusätzlichen Kosten würden sich schnell summieren. So koste die Strecke zwischen Göttingen und Herzberg, die vor der Umstellung von der Maut ausgenommen war, mit rund 37 Kilometern ziemlich genau fünf Euro. „Das klingt für eine Fahrt nicht besonders viel“, gab Huke zu, „doch das ändert sich, wenn man die Strecke 50-mal pro Tag fährt.“

Flächenland stärker betroffen

„Insgesamt werden in Deutschland mehr als zwei Milliarden Euro mehr durch die Umstellung eingenommen“, sagt Uwe Garbe vom Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN). Insgesamt seien es rund 7,2 Milliarden Euro. Das Verkehrsgewerbe in Niedersachsen habe an der Maut einen Anteil von rund zehn Prozent, also geschätzt rund 200 bis 250 Millionen Euro an den zusätzlichen Einnahmen seit 1. Juli. „Wobei Niedersachsen als Flächenland in diesem Fall überproportional betroffen sein dürfte. Es gibt eine erhebliche Verschiebung zu Lasten der nichtautobahnnahen Standorte.“ So dürften Unternehmen in der Stadt Göttingen weniger betroffen sein als jene im Landkreis.

Bis zu 50 Prozent Mehrkosten

„Der Unternehmer bekommt am Ende des Monats gnadenlos seine Abrechnung“, sagt Garbe. Deshalb müssten diese auch den Standort ihrer Firma in die Kalkulation einbeziehen. Im ländlichen Raum gebe es Fälle, dass bei der reinen Mautabrechung bis zu 50 Prozent Mehrkosten entstehen. Da die Maut eine staatlich verordnete Gebühr sei, könne ein Unternehmen die Kosten aber weitergeben, schließlich fahre er im Auftrag seiner Kunden. „Am Ende des Tages wird jeder Joghurt teurer“, nennt Garbe die Konsequenz.

Kein Ausweichverkehr

Die Maut gelte auf den Bundesfernstraßen. Deswegen sei immer befürchtet worden, dass es einen Mautausweichverkehr geben werde. Das sehe der GVN anders. „Wir gehen nicht davon aus, dass Unternehmen abgesehen vom Zielverkehr bewusst die Autobahnen und Bundesstraßen meiden“, widerspricht Garbe. „Die gesparten Kosten wiegen den höheren Zeitaufwand nicht auf.“ Sicher gebe es an verschiedenen Stellen einige Querverbindungen, wo dies der Fall sei, aber generell lohne es nicht, in nachgelagerten Straßensystemen zu fahren. „Das merkt ja auch jeder Autofahrer, dass er auf der Autobahn am schnellsten vorankommt.“

Bessere Infrastruktur

Garbe sieht aber auch Vorteile durch die Maut. „Dadurch, dass die Mittel zweckgebunden sind, kommen wir zu einer Verstetigung der Verkehrsinfrastruktur.“ Der Anteil der Eigenfinanzierung werde höher. Was zukünftig im Straßennetz geschehen werde, sei an den vielen Baustellen zu merken. Seit vier oder fünf Jahren hätten die Straßenbaumaßnahmen zugenommen, „weil man gemerkt hat, dass man jahrelang auf Verschleiß gefahren ist“. Brücken und Straßen seien marode. Die Mauteinnahmen dienen dazu, diese auszubessern, auch weil sie überjährig zu verwenden seien. Allerdings fehle es auch in Niedersachsen an Ingenieuren in der Planung. Planung und Umsetzung seien momentan zusätzlich zu den langen Genehmigungsverfahren das Nadelöhr. Aber auch die Ausführung dauere durch die vollen Auftragsbücher der Firmen auch deutlich länger.

Nutzerfinanzierung

Die Lkw-Maut ist 2005 auf Bundesautobahnen in Deutschland eingeführt worden. Damit sei ein Systemwechsel von der Steuer- zur Nutzerfinanzierung des Bundesfernstraßenbaus eingeleitet worden, heißt es beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Zum 1. August 2012 und zum 1. Juli 2015 sei die Maut auf rund 2300 Kilometer vierstreifige Bundesstraßen ausgeweitet worden. Darüber hinaus sei am 1. Oktober 2015 die Mautpflichtgrenze von zwölf auf 7,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht gesenkt worden. Am 1. Juli 2018 ist die Maut auf alle Bundesstraßen ausgeweitet worden. Darüber hinaus seien von der Bundesregierung zum 1. Januar 2019 neue Mautsätze beschlossen worden, erzählt Garbe. Allerdings stehe die Höhe noch nicht endgültig fest. „Wir rechnen aber noch mit einer Erhöhung.“

Knapper Frachtraum

Die Märkte spüren die Kosten auf Umwegen, erklärt Stefanie Brandt, Abteilungsleiterin Verwaltung im Göttinger Realmarkt in der Großen Breite. „Wir haben unsere Logistik ausgelagert“, sagt sie. Das übernehme die Metro. Die Kosten für die Logistik würden umgelegt auf alle Märkte. „Wir haben aber gemerkt, dass Frachtraum knapp geworden ist.“ Es werde anders geplant, „damit wir nicht so oft angefahren werden müssen“.©

Von Rüdiger Franke

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