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Göttingen „Zur Erinnerung und zur Mahnung“
Die Region Göttingen „Zur Erinnerung und zur Mahnung“
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00:19 10.02.2018
Gunter Demnig verlegt die Stolpersteine in der Groner Straße 52. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Sie sei kürzlich bei der Lektüre eines Artikels über das Thema Stolpersteine auf einen schönen Gedanken gestoßen: Wer sie auf dem Boden betrachten wolle, müsse sich verneigen. „Ein schöner Gedanke“, sagte Trudy Barton. Sie ist aus Kanada angereist, um an der Verlegung der Steine vor dem Stammhaus ihrer Familie in der Weender Straße 70 teilzunehmen. Es ist ein kleines Familientreffen. Ihre Schwester Diana Kanter kam aus Belgien, ihr Cousin Michael Hayden ebenfalls aus Kanada in das frostige Göttingen. „Man braucht in unserer Familie schon einen Reisepass“, sagt Kanter lachend. Diesmal haben die Steine sie zusammengeführt.

Über dem Eingang des Hauses mit der Nummer 70 ist der Name Hahn bis heute deutlich zu lesen. Seit Mittwoch schimmert die Erinnerung an Max Raphael, Gertrud, Tana, Nathan, Betty, Max, Leo, Rudolf und Hanni Hahn außerdem auf dem Fußweg vor dem Gebäude. „Zur Erinnerung und zur Mahnung“, sagte einleitend Heiner Willen von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die die Verlegung zusammen mit der Stadt und dem Geschichtsverein vorbereitet hat. Und er zitierte aus dem Talmud: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Mit den Steinen werde man genau das verhindern. Während Demnig die letzten Arbeiten am Pflaster der Fußgängerzone vornahm, stellte Rainer Driever die Biografien der Hahns vor.

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Die Stolperstein-Verlegung in Göttingen

Durch die Stolpersteine entstehe ein „imaginärer Stadtplan für das jüdische Leben“, sagte Willen. Diesem folgten die mehr als hundert Teilnehmer der Gedenksteinverlegung zum Papendiek und anschließend zur Groner Straße. Hier berichteten Schüler des Max-Planck-Gymnasiums und der Historiker Peter Aufgebauer über das Leben einer weiteren jüdischen Familie. Die Schwestern Lea und Rosa Blum hatten die Brüder Max und Paul Silbergleit geheiratet und betrieben in Göttingen Geschäfte für Papier- und Lederwaren beziehungsweise für Schuhe, solange es ihnen in Nazideutschland möglich war. Wie auch die Ehepaare Hahn wurden sie Anfang der 40er Jahre deportiert und schließlich ermordet. Sohn Erich gelang die Flucht in die USA, Tochter Gerda überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück und lebte mit ihrem Sohn Thomas Buergenthal später wieder in Göttingen.

Der stand am Mittwoch vor dem Elternhaus seiner Mutter und zeigte sich gerührt: „Es tut mir leid, dass sie das nicht erlebt. Es hätte ihr gefallen.“ Buergenthal ist in dieser Woche mit Teilen seiner Familie aus den USA in Deutschland zu Gast. „Wir haben durch diese Steine wieder eine Verbindung zu Göttingen“, sagte er. Über Buergenthal sagte Stadträtin Petra Broistedt in ihren Grußworten, ihm sei es gelungen, Hass in Versöhnung zu verwandeln. Das wurde wenig später allen Zuschauern deutlich, als eine Frau sich persönlich bei ihm entschuldigte. Sie sei ein Kind der Täter. Eine Göttinger Versöhnungsgeste.

Auf der letzten Station verlegte Demnig die Steine vor dem Wohnhaus der Familie Meininger in der Lotzestraße 20a. Schüler des Felix-Klein-Gymnasiums erzählten auch ihre Geschichte von Entrechtung, Flucht, Deportation und Ermordung. Während die Eltern Aenne und Eugen nicht überlebten, konnten ihre Kinder Hildegard und Franz-Josef nach Bulgarien und Palästina fliehen.

Willen zeigte sich zufrieden mit der Stolpersteinverlegung – ein Projekt, das von der Stadt getragen werde. „Wir sind mitten in der Stadt angekommen.“

Von Markus Scharf

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