Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen 1968er: Ein Rechtsaußen gegen den SDS
Die Region Göttingen 1968er: Ein Rechtsaußen gegen den SDS
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:30 03.06.2018
Gert Hoffmann (Foto), Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig a.D., präsentiert im Hotel Freizeit In sein Buch "Von Irrwegen in die Verantwortung". Quelle: Richter
Göttingen

Die 1968er Jahre waren für Gert Hoffmann, später CDU-Mitglied und Oberbürgermeister Braunschweigs, eine bewegte Zeit. Als Jura-Student gründete er damals in Göttingen die Hochschulorganisation der NPD – und genoss die stark politisierte Situation in Stadt und Republik.

Gert Hoffmann, Jahrgang 1946, las im Jubiläumsjahr der Studentenproteste von 1968 aus seinen erst im April 2018 erschienenen Erinnerungen mit dem Titel „Von Irrwegen in die Verantwortung“ vor. Darin beschreibt er seinen etappenreichen politischen Werdegang. Grundlage für die Erinnerungen an die Göttinger Zeit waren Tagebuchaufzeichnungen, die Hoffmann bis Anfang der 70er Jahre geschrieben hatte.

In der Frontstadt Berlin sei Hoffmann insbesondere durch den Mauerbau „politisiert und emotionalisiert“ worden. Das Feindbild waren die Sowjets mit ihren roten Fahnen. „Ich war rechts, anti-kommunistisch, den Sozialismus lehnte ich völlig ab“, so Hoffmann.

„Die schönste Zeit meines Lebens“

„Die Zeit in Göttingen war die schönste Zeit meines Lebens trotz der politischen Sachen, die ich verbockt hatte“, so Hoffmann. Damit spielte er auf seine Mitgliedschaft in der NPD an, in die er 1967 zu seiner Bundeswehrzeit eingetreten war. Eine Episode, die nur zwei Jahre dauerte, ihm aber auch später noch lange vorgehalten wurde.

Hoffmann kam 1967 nach Göttingen. „Alles drehte sich um die Studenten.“ Unter denen habe man, als politischer Interessierter, auch eine gewisse Unruhe gespürt. Hoffmann wollte sich ebenfalls in die politischen Auseinandersetzungen einbringen – also gründete er eine Gruppe des Nationaldemokratischen Hochschulbunds (NHB), die Hochschulorganisation der NPD. Das sorgte für viel Wirbel und Aufregung – „die wollten wir ja auch“.

Spannend wurde es im Januar 1968 im Wahlkampf für den Studentenrat. In der Alten Mensa am Wilhelmsplatz, „völlig verraucht und der Alkohol floss in Strömen“, erfuhr Hoffmann dann das Ergebnis: Es gab ein Mandat und er hatte es erhalten. „Das war ein Gefühl von Bedeutung, als ich in den Studentenrat einzog.“ Was Dutschke und Co sagten, schien zu der Zeit wichtiger zu sein als der Bundestag. Als Student war man stolz auf seine Rolle in der Uni und der Stadt.

Endlose Diskussionen und Spitzfindigkeiten

Die Sitzungen waren geprägt von endlosen Geschäftsordnungsdiskussionen und formalbürokratischen Spitzfindigkeiten, sie dauerten lange, aber die Motivation der vielen Engagierten war groß, Zeit in politisches Engagement zu stecken. Dabei seien die linken Gruppen, insbesondere der SDS, sehr fair gegenüber den kleinen Gruppen und auch ihm gewesen – die „Göttinger Verhältnisse“ waren anders als etwa in Berlin.

1968 war von vielfältigen Aktionen geprägt, Hoffmann beteiligte sich als Blockadebrecher gegen die Linken und besetzte seinerseits den AStA mit. Im Rückblick habe man damals wie Spätpubertierende gehandelt: eine Mischung aus Wut, Spaß und Ehrgeiz, dem politischen Gegner eins auszuwischen und Aufsehen zu erregen.

Zur Studentenratswahl 1969 habe sich die Situation jedoch auch in Göttingen weiter aufgeheizt. Hoffmann warnte, dass die Linken den Terror nach Göttingen bringen würden. „Reine Panikmache war das, aber es funktionierte.“ Der NHB holte drei Sitze in den Wahlen. Im selben Jahr trat Hoffmann aus der NPD aus, 1970 wurde er in die CDU aufgenommen.

Von Sven Grünewald

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Donnerstag zogen hunderte Katholiken bei Prozessionen durch ihre Orte. Die Gläubigen feierten Fronleichnam.

31.05.2018
Göttingen Forum „Digital – genial?!“ - Gut aufwachsen mit Smartphone & Co.

Mit einem Fachforum hat das Netzwerk „Frühe Hilfen“ der Stadt und des Landkreises Göttingen auf veränderte Gewohnheiten kleiner Kinder im Umgang mit digitalen Medien aufmerksam gemacht. Schüler der BBS II stellten hierzu acht Plakate vor, die ab sofort zum Einsatz kommen sollen.

03.06.2018

Fronleichnam ist in einigen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag, auch in Hessen und Teilen Thüringens. Schon am Morgen sorgte dies für ein hohes Verkehrsaufkommen in Stadt und Landkreis Göttingen. Viele Lkw-Fahrer mussten einen Zwangsstopp einlegen; auf der A7 kam es zu Staus.

03.06.2018