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Göttingen 2,5 Millionen Euro und viel Grün
Die Region Göttingen 2,5 Millionen Euro und viel Grün
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19:00 10.12.2009
Bedroht und sehr scheu: Wildkatzen erobern langsam den Harz und den Göttinger Wald. Quelle: BUND/Thomas Stephan
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Die Pläne sind weit gereift. Wenn noch ein paar Formfragen mit dem Landkreis Göttingen geklärt sind, will die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr die Grünbrücke am Roringer Berg schon im nächsten Jahr bauen. Finanziert wird sie aus dem Konjunkturpaket II. Sie soll vor allem die seltene Wildkatze retten, aber auch Wildunfälle mit größeren Tieren verhindern. Nach unbestätigten Informationen wertet die Straßenbaubehörde das Projekt zudem als Bonbon für Gegner einer geplanten Umgehungsstraße bei Waake.

Für Autofahrer unterscheidet sich eine Grünbrücke kaum von anderen Brücken und in Österreich, Holland oder Frankreich gibt es schon viele davon. Das Prinzip: Damit Tiere heil über eine viel befahrene Straße überqueren können, wird eine breite Brücke gebaut und bepflanzt. Lärm- und Lichtschutzwände sorgen dafür, dass die Tiere nicht verschreckt werden. Weiträumig aufgestellte Zäune führen die Tiere wie ein Trichter zur und über die Anlage.

Niedersachsen will seine ersten Grünbrücken über die A 7 bei Hildesheim und Northeim sowie bei Roringen bauen. Am Roringer Berg kreuzt eine Hauptwanderroute der Wildkatzen die B 27, hier ist zugleich ihr Haupt-Unfallschwerpunkt im Land. Jährlich werde in diesem Bereich mindestens eine überfahrene Wildkatze gefunden, erklärt Mandy Henning-Hahn, Projektkoordinatorin für ein Wildkatzen-Schutzprogramm des BUND. Und „die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen“. Die scheue Art ist vom Aussterben bedroht. Erst seit wenigen Jahren nimmt ihre Population im Harz wieder zu. Die jungen Kater erobern neue Reviere, eine ihrer Hauptstrecken führt um Waake herum.

Im Göttinger Wald hätten sich inzwischen zehn bis 15 Wildkatzen angesiedelt, so Henning-Hahn. Gemessen an dieser kleinen Gruppe und generellen Bedrohung sei jedes tote Tier dramatisch und jede gerettete Katze die hohe Investition Wert.

Wildschweine folgen

Dabei habe die Wildkatze auch eine Leitartfunktion. Wird die Brücke von ihr angenommen, folgten Wildschweine, Rotwild, Damwild, Waldfledermaus und andere Tiere problemlos. Positiver Nebeneffekt: Weniger Wildunfälle mit verletzten Menschen.

Dazu müssten viele Voraussetzungen erfüllt werden, ergänzt Harro Herzberg, Projektleiter beim Landesstraßenbau: unter anderem die Nähe zum Wald, Leitzäune, eine gewisse Breite und Ruhe vor Menschen – also kein Wanderweg auf der Brücke. Auch mit Blick auf das Gelände sei der Standort ideal. Weiter östlich seien zwar mehr tote Katzen gefunden worden, der Seitenbereich sei aber völlig ungeeignet für eine Brücke.

BUND, Nabu und andere Naturschutzverbände aus Göttingen unterstützen das Projekt. Bauchschmerzen bereitet BUND-Mitgliedern aber der offenbare Deal zwischen ihrem Landesverband und der Straßenbaubehörde zur Umgehungsstraße. Sie verweisen darauf, dass das Land sich unabhängig von der Umgehung längst verpflichtet habe, drei Grünbrücken zu bauen.

Die Wildkatze ähnelt wildfarbenen Hauskatzen, hat aber einen buschigen Schwanz mit dunklen Ringen. Der BUND hat ein Programm entwickelt, um ihre Lebensräume über Barrieren hinweg besser zu vernetzen - auch durch Grünbrücken.

Von Ulrich Schubert

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