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Göttingen 20 Jahre Bürgerstiftung Göttingen
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00:25 17.03.2018
Peter Cordes, Harald Noack, Andreas Schreck, Dagmar Kriener, Kerstin Eisele, Rüdiger Reyhn, Heinz Weitemeyer (von links) Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Initiator für die Gründung einer Göttinger Bürgerstiftung war im Jahr 1997 Peter Cordes, der aktuell stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats ist. Das Projekt trug als zweite Bürgerstiftung in ganz Deutschland zunächst den Titel „Stiftung Göttinger Tafel“. „Wir wollten uns seit 1997 um sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche kümmern“, erklärt Harald Noack, seit Gründung der Stiftung Vorsitzender des Stiftungsrats. Im Jahr 2000 änderte die Stiftung ihren Namen und löste sich von der Göttinger Tafel. „Als eingetragene Bürgerstiftung Göttingen feiern wir in diesem Jahr also auch unsere Volljährigkeit.“ Das erzählt der Geschäftsführer der Stiftung, Andreas Schreck.

„Wir arbeiten aus der Mitte der Gesellschaft und bieten Hilfe für Bürger von Bürgern“, dieses Konzept sei einzigartig, so Schreck. Auch Cordes betont, dass die Bürgerstiftung eine Institution sei, die unabhängig von Kirche oder Staat funktioniere. „Dadurch haben wir zwar viel weniger Geld zur Verfügung, sind in unserem Bestand aber zeitlos“, so Cordes.Das sei dennoch das größte Problem der Stiftung: Es steht zu wenig Geld zur Verfügung. „Eine Stiftung ist ein großer Geldsack, auf dessen Inhalt man aber nicht zugreifen darf“, erklärt Noack. Lediglich die Erträge dieses Vermögens darf die Stiftung ausgeben. „Das sind keine Summen, die große materielle Anschaffungen möglich machen“, so Noack.

Engagement reicht nicht aus

Ohne Spenden und die vielen ehrenamtlichen Helfer sei es nicht möglich, die Stiftungsarbeit aufrecht zu erhalten, erklärt Noack. Dazu gehören auch die Projekte „Zeit für ein Kind“ und „Zeit für Jugendliche“. Doch das Engagement der Göttinger Bevölkerung reicht noch lange nicht aus: „In Göttingen leben viele wohlhabende Leute, die durchaus mehr geben könnten“, betont Schreck. „Die Kinder sind unsere Zukunft, es muss doch klar sein, dass es sich lohnt in die Zukunft zu investieren“, ergänzt Cordes.

Es werde immer schwieriger, ehrenamtliche Helfer zu finden, sagt Schreck. „Wir sind eine Sinnstiftung“, so der Geschäftsführer. Die Bereitschaft der Göttinger Bürger, etwas zu verändern sei hoch – „Zeit kostet ja nichts“, erzählt Schreck. „Es wird aber viel mehr benötigt als Zeit.“ Ehrenamtliche Arbeit brauche Struktur, Organisation und vor allem Geld, erklärt er. Der wöchentliche Zeitaufwand beschränke sich eben nicht nur auf die zwei Stunden, die man mit einem Patenkind verbringe, sagt Schreck. Auch Peter Cordes ist überrascht, wie wenige Bürger sich letztendlich engagieren. „Die Projekte bringen sowohl den Paten als auch den Kindern was“, das alles sei bunt, vielfältig und aufregend, so Cordes. „Die Familien sind so dankbar, das entschädigt für jeglichen Aufwand.“ So beschreibt Cordes seine eigenen Erfahrungen.

Diskretion enorm wichtig

„Wir sind in einem Bereich tätig, der leider nicht so öffentlich wirksam ist.“ So versucht Noack das Problem der mangelnden Beteiligung zu erklären. Schreck setzt sich jedoch dafür ein, die Privatsphäre der Familien zu wahren. „Wir wollen das bedürftige Kind nicht in die Öffentlichkeit zerren“, so werde auch enorm viel Vertrauen zu den Eltern aufgebaut, erklärt Schreck. Diskretion sei enorm wichtig, so Schreck.

Das Jubiläum der Göttinger Bürgerstiftung war auch Anlass dazu, Bilanz zu ziehen und einen Ausblick auf die kommenden Jahre Stiftungsarbeit zu geben. „Die aktuelle finanzielle Lage ist so schlecht, dass eine Sicherstellung der jetzigen Arbeit mit 130 Ehrenamtlichen nicht gewährleistet werden kann“, so Schreck. „Wenn wir in drei Jahren eine Millionen Euro erwirtschaftet haben, bin ich zufrieden“, es seien jedoch zehn Millionen Euro nötig, um wirklich etwas zu bewegen, gibt der Geschäftsführer zu. Außerdem wünscht Schreck sich wieder einen Göttinger Stiftungstag. Der letzte Stiftungstag in Göttingen fand im Jahr 2010 statt. Außerdem denke die Stiftung darüber nach, eine „Bürgeraktie“ ins Leben zu rufen, erklärt Schreck. Der Ertrag der Aktie würde dann nicht den Investoren sondern der Stiftung zugute kommen. „Letztendlich bleibt der Anspruch, die Bürger unserer Stadt anzuregen, den Menschen, denen es nicht so gut geht zu helfen“, so Schreck.

Von Pauline Noll

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