Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Jubiläum und Ortswechsel
Die Region Göttingen Jubiläum und Ortswechsel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:51 16.05.2017
Quelle: r
Anzeige
Göttingen

„Unser Ziel ist immer erst einmal die Versorgung zuhause“, so Haan, Vorstandsvorsitzende des Hospizvereins. Doch manchmal sei diese dort nicht mehr gewährleistet, könnten sich Kinder nicht um ihre Eltern kümmern, benötigten die unheilbar Kranken aufwendigere Hilfe. „Wir können uns mehr Zeit nehmen, Angehörigen die Grundpflege abnehmen“, so Haan. Angehörigen und Freunden würde so mehr gemeinsame Zeit gegeben.

Krebs, Lungenleiden, Nervenerkrankungen: „Unsere Patienten sind im Durchschnitt 60 Jahre alt, wenn sie zu uns kommen.“ Einige blieben nur wenige Stunden, andere einige Monate. Es gebe Situationen, in denen sich Kranke auch erholten, für einige Zeit das Hospiz verlassen können. „Selbstbestimmtheit spielt bei uns eine große Rolle“, sagt die frühere Leitende Krankenschwester des Hospizes, die seit ihrem Renteneintritt ehrenamtlich im Hospizverein weiterarbeitet. Neben den speziell ausgebildeten Krankenschwester und -pflegern, spiele das Engagement Ehrenamtlicher eine entscheidende Rolle, immer wieder lassen sich Interessierte dazu schulen.

Arbeitskreis Hospiz

„Die Hospizbewegung ist eine Bewegung von unten“, erläutert Haan. Anfang der 1990er-Jahre griff Pastor Paul Gerhard Langenbruch, Klinikseelsorger des Evangelischen Krankenhauses Weende (EKW), gemeinsam mit Hildegard Seidel, Oberin der Diakonissen, die Idee auf. Ein „Arbeitskreis Hospiz“ bildete sich. Bereits im folgenden Jahr begann mit dem abulanten Hospiz die Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen.

Nach und nach waren in den vergangenen Jarhrzehnten die Diakonissen aus Altersgründen aus ihrem pflegenden Dienst ausgeschieden. 1996 begannen die Umbauarbeiten von Räumen des Mutterhauses zu einem Hospiz. Neben Hannover und Osnabrück wurde so am 2. April 1997 in Göttingen das landesweit dritte Hospiz eingeweiht, Beatrix Haan dessen Leiterin. Anfang der 2000er-Jahre gerät das Hospiz in finanzielle und personelle Schieflage, sodass das Evangelische Krankenhaus dem Hospizverein „Diakonissen-Mutterhaus Ariel (Zöcklersche Anstaltten)“ hilft – im Gegenzug ging das Mutterhaus „Haus 3“ an das EKW. Dieses verpflichtete sich, für die verbliebenen Diakonissen zu sorgen, mit dem Tod der letzten Diakonissen sollte Grund und Boden dann aufgelassen werden. Im Juli 2016 verstarb Schwester Elisabeth Hoyer.

Umzug nach Mariahilf

Das „Haus 3“ soll nun abgerissen und in einem Neubau die derzeitige EKW-Außenstation Lengern untergebracht werden. Den Ortswechsel des Hospizes, der ab dem vierten Quartal in Neumariahilf vollzogen werden solle, sieht die Vorsitzende jedoch auch als Chance: „Es regt die Phantasie an, alte Sachen zu überdenken.“ Von sieben auf zunächst acht Plätze solle das Angebot erweitert werden, mit größeren Zimmern und eine kleinen Garten. „Wir benötigen rund 300000 Euro im Jahr an Spenden“, so Haan, um die Finanzierung – trotz zahlreichen Ehrenamts – sicherzustellen. Der Bedarf sei da, die Umzugskosten indes ein finanzieller Kraftakt. „Am Ende des Lebens“, so Haan, „spielt das Zuhause weniger eine Rolle, sondern Ruhe und Zeit.“ gm

Festprogramm

Das Hospiz feiert das Doppeljubiläum 20 Jahre stationäres und 25 Jahre ambulantes Hospiz am Freitag, 19. Mai, ab 18.30 Uhr einen Festgottesdienst in der St. Albani-Kirche. Im Anschluss hält der Göttinger Medizinethiker Alfred Simon einen Vortrag über „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich!? Zum Verhältnis von Autonomie und Fürsorge in der Begleitung Schwerstkranker und Sterbende“. Hiernach gibt der Hospizverein einen Empfang. Weitere Infos zum Hospiz „An der Lutter“ unter hospiz-goettingen.de

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige