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Göttingen 30 Jahre Elternhaus für das krebskranke Kind
Die Region Göttingen 30 Jahre Elternhaus für das krebskranke Kind
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17:15 13.06.2018
Das Team des Elternhauses um Geschäftsführerin Dagmar Hildebrandt-Linne (2. v. l.). Quelle: Peter Krüger-Lenz
Göttingen

Viel Licht kommt herein durch die großen Fenster. Trifft der Besucher beim Gang durchs Haus Mitarbeiter, so wird er freundlich und mit einem Lächeln begrüßt. Aus Nebenräumen tönt immer wieder herzhaftes Lachen. Dabei ist der Grund für die Existenz der Einrichtung alles andere als spaßig. Hier wohnen Eltern, während ihre schwer kranken Kinder im Klinikum behandelt werden. Manchmal sind Geschwister dabei, manchmal betreuen auch die Großeltern die Erkrankten, erzählt Dagmar Hildebrandt-Linne. Die Idee dahinter: Die Familien sollen so viel wie möglich zusammen sein.

Die Kinderklinik wurde vor 30 Jahren neu gebaut – ohne Elternzimmer. Betroffene Eltern setzten auf Selbsthilfe und gründeten erst den Verein Elternhilfe und setzten sich erfolgreich für den Bau des Elternhauses für das krebskranke Kind ein. „Damals gab es viel Unterstützung vom Tageblatt“, sagt die Geschäftsführerin. Die damalige CDU-Politikerin Rita Süssmuth setzte sich ein, Firmen beteiligten sich mit Geldspenden, und die Erlöse vieler Straßenfeste flossen in den Bau. „Ganz Göttingen und Umgebung hat gesammelt“, berichtet Hildebrandt-Linne.

Die Feier zum Jahrestag

Umfangreich ist das Programm, das das Team des Elterhauses für das krebskranke Kind für die 30-Jahr-Feier am am Sonntag, 17. Juni, von 14 bis 17 Uhr vorbereitet hat. Auf dem Gelände der Einrichtung, Am Papenberg 9, wird Nassfilzen angeboten. Die Bigband der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule tritt auf. Moritz Brummer vom Psychosozialen Dienst bringt seine Theatererfahrung ein und präsentiert mit Kollegen Impro-Theater. Eine Schatzsuche im Sandkasten wird vorbereitet, und vor allem: Die Besucher des Festes können sich mit Charakteren aus der „Star Wars“-Filmreihe fotografieren lassen. Natürlich werden auch Führungen durch das Haus angeboten. Um 13.30, 14.30 und 15.30 Uhr bringt der London-Bus stündlich Festbesucher kostenlos zum Haus. Jeweils eine Viertelstunde nach dem Start macht der Bus auch Station am Alten Rathaus. Auf dem gleichen Weg können die Gäste dann auch wieder in die Innenstadt mitfahren. pek

Doch nicht nur das Gebäude wurde fertig gestellt, es sei auch inhaltlich gefüllt worden, „ein Zuhause auf Zeit“, sagt Hildebrandt-Linne. „Es ist für viele Familien ein Anker geworden.“ Heute stehen in dem 1995 erweiterten Bau 16 Zimmer, zwei kleine Appartements ein Mehrzeckraum, ein Werkraum und einige Mitarbeiterbüros zur Verfügung. Neben der Geschäftsführerin arbeitet acht Menschen in der Einrichtung, vier im psychosozialen Team, drei Reinigungskräfte und ein Verwaltungsmitarbeiter – zwei Vollzeit und sieben Teilzeitstellen. Ein achtköpfiger Vorstand, dessen Mitglieder Betroffene sind und ehrenamtlich arbeiten, entscheidet über die Verwendung der Spenden.

Finanziert wird das Elternhaus zu 40 Prozent aus Zahlungen der Krankenkassen – 45 Euro pro Kind, das im Krankenhaus aufgenommen wird –, 20 Prozent kommen von der Stiftung, die aus dem Verein hervorgegangen ist, und 40 Prozent aus Spenden von Menschen aus der Region. Damit wird allerdings nicht nur der Betrieb des Hauses bezahlt. Manchmal helfen die Organisatoren auch direkt. So sei gerade einer Familie eine Spülmaschine gekauft worden, erläutert Hildebrandt-Linne. Manchmal werde auch eine Trauerfeier finanziert, ein Zuschuss zu einem Grabstein gezahlt – oder Wünsche von Erkrankten erfüllt.

Die meisten kommen aus der Region

Aufgenommen werden inzwischen nicht nur die Angehörigen krebskranker Kinder. Auch die Eltern zu früh geborener Kinder oder die Familien von Herzkranken können das Haus bewohnen – ohne dafür zahlen zu müssen. Die meisten von ihnen kommen aus der Region, aber auch aus dem ganzen Bundesgebiet reisen Betroffene an, manchmal sogar aus dem Ausland. Eine Familie aus der Ukraine habe eineinhalb Jahre in dem Elternhaus gelebt, sagt Hildebrandt-Linne. Alle Bewohner können eine Küche benutzen, an einem großen Tisch können sie zusammen essen. Für die Wäsche der Familien stehen Waschmaschinen bereit. zwischen 8.30 und 17.30 Uhr sind Mitarbeiter im Haus. In Krisenzeit gibt es eine Notfallnummer, wo Betreuer angerufen werden können.

Doch nicht nur in Zeiten der Krankheit kümmern sich die Mitarbeiter. Treffen für Ehrenamtliche werden organisiert, Freizeiten für verwaiste Geschwister und Eltern. Seit etwa zweieinhalb Jahren setzt sich auch eine Gruppe Ehrenamtlicher ein. Sie kümmern sich um den Garten und die Spielgeräte, sie reparieren Fahrräder, die gespendet wurden und von den im Haus wohnenden Familien geliehen werden können.

Dicht dran am Leid und der Freude

„Wir arbeiten und leben tagsüber mit den Familien“, sagt Hildebrandt-Linne. Sie sind also dicht dran am Leid und der Freude dieser Menschen. Wie gehen sie mit dieser Emotionalität um? „Wir haben Supervision“, sagt die Geschäftsführerin, „und ein gutes Miteinander im Team. Wir versuchen, eine Leichtigkeit hereinzubringen.“

Von Peter Krüger-Lenz

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