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Göttingen 36-jähriger Göttinger terrorisiert Familie der Ex-Freundin
Die Region Göttingen 36-jähriger Göttinger terrorisiert Familie der Ex-Freundin
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15:43 25.05.2018
Symbolbild Quelle: Hinzmann
Göttingen

Drei Jahre waren sie ein Paar, die Beziehung lief normal „mit Höhen und Tiefen“, Aggressionen gab es nicht. Dann aber lebten sie sich auseinander, es kam wegen einer Lappalie zum Streit und noch am selben Tag zur Trennung. Der Angeklagte verließ die gemeinsame Wohnung und der Leidensweg aller Beteiligten begann. Das war im Juni 2013.

„Als ich an dem Abend nach Hause kam, war er schon weg“, erzählte die junge Frau, die auch als Nebenklägerin auftritt, am Freitag im Zeugenstand. Aber dann habe er sich per Telefon gemeldet, „weil er noch Sachen aus der Wohnung brauchte oder weil er mich beleidigen wollte“. Bei einem der nächsten Treffen schlug ihr ehemaliger Freund ihr mit der flachen Hand ins Gesicht. Wenig später rief sie das erste Mal die Polizei, weil er versucht hatte, über den Balkon im vierten Stock in ihre Wohnung zu gelangen.

Mehr als 50 Anzeigen

Bis heute hat sie mehr als 50 weitere Anzeigen gegen den Mann gestellt, mit dem sie mal ihr Leben teilte. Er wurde verurteilt, saß im Gefängnis. Außerdem verfügte das Göttinger Amtsgericht, dass sich der Göttinger seiner Ex-Freundin, den Mitgliedern ihrer Familie und deren Wohnungen künftig nur noch bis auf 50 Meter nähern durfte. Auch telefonische Kontaktaufnahme wurde ihm untersagt. All das störte den 36-Jährigen bis heute herzlich wenig.

Mit insgesamt sieben Anklagen muss sich die zweite Große Strafkammer des Göttinger Landgerichts beschäftigen. Die wohl schwerwiegendste geht auf eine Tat am Heiligabend 2015 zurück. Damals hatte der Angeklagte dem Vater seiner Exfreundin aufgelauert, und den lungenkranken Mann schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft spricht von Schlägen und Tritten gegen den Kopf, der Angeklagte von einer Rangelei ohne gezielte Aktionen seinerseits. Er habe ihnen einfach auch mal das Weihnachtsfest versauen wollen.

Vorwürfe „schon sehr dramatisiert“

Ohnehin verhielt sich der Mann auf der Anklagebank am ersten Verhandlungstag eher zurückhaltend mit seinen Informationen. Erst nachdem seine Exfreundin im Zeugenstand ausführlich Auskunft gegeben hatte, erklärt er sich bereit, auf Fragen des Vorsitzenden Richter Patrick Gerberding zu antworten. Er räumte ein, regelmäßig trotz Verbots mit seinem Fahrrad am Haus der Familie vorbeigefahren zu sein und Beschimpfungen wie „kleine Nutte“ oder Drohungen wie „Passt auf Euch auf“ gerufen zu haben. Auch die ihm vorgeworfene Beamtenbeleidigung „Verlogene Bullenschlampe“ könne er wohl so formuliert haben. Aber die ganzen Vorwürfe seien „schon sehr dramatisiert“ worden, sagte er einschränkend.

Er habe damals sehr unter Druck gestanden. Der ständige Kontakt mit Strafverfolgungsbehörden, der Bruch mit der Familie, das Ende der Beziehung – all das habe ihm zu schaffen gemacht. Und dann führte der 36-Jährige seine Spielsucht und den intensiven Konsum von Marihuana zu seiner Verteidigung an. Aktuell absolviere er deswegen eine stationäre Therapie irgendwo im Hessischen. Ein vom Gericht bestellter Gutachter wird ihn dort in den kommenden Tagen besuchen.

Langjährige Therapie

Therapieerfahrungen hat auch die Nebenklägerin in den vergangenen Jahren reichlich gesammelt. Die ständige Verfolgung hatte Schlafstörungen und Ruhelosigkeit zur Folge. Sie musste ihren Job wechseln, weil sie bei Nachtschichten Angstzustände bekam. Im Privaten traute sie sich nur noch in Begleitung vor die Tür, gab die eigene Wohnung auf und zog zu den Eltern. „Ich habe mich ständig umgedreht.“ Mehrere Monate in der Klinik, mehrere Jahre ambulante Psychotherapie und medikamentöse Behandlung sind die medizinische Bilanz einer zerbrochenen Beziehung.

Der Angeklagte zeigt sich von dieser Schilderung weitgehend ungerührt. Auf die Frage, wie er sich denn die Zukunft für sich und die Familie seiner Exfreundin vorstelle, hat er keine konkrete Antwort. „Ich bin hier, damit sich für mich eine Tür schließt.“ Welche das sein wird, muss das Gericht entscheiden. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Markus Scharf

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