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Göttingen „Es gibt keine besseren Freunde für uns“
Die Region Göttingen „Es gibt keine besseren Freunde für uns“
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16:15 29.06.2018
Stadtpräsident Michał Zaleski am Sonntag im Hof des Alten Rathauses in Thorn die Ausstellung „Toruń-Göttingen. 40 Jahre Partnerschaft“ eröffnet. Quelle: Ulrich Schubert
Thorn

Es ist dieser Satz, der die Verbindung so treffend beschreibt wie kein anderer: „Wir haben eine Partnerschaft gesucht und Freunde gefunden.“ Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) wiederholt ihn immer wieder. Und immer wieder wird er von allen Beteiligten bestätigt – auch vom Thorner Stadtpräsidenten Michał Zaleski: „Es gibt keine besseren Freunde für uns.“

Unterschiedliche politische Systeme

Es sei eine Partnerschaft, die vor 40 Jahren zunächst unmöglich schien, als Deutschland und Polen durch unterschiedliche politische Systeme getrennt waren. Und es ist eine Freundschaft, die sich dann „auch und gerade in den schwierigen Zeiten Thorns bestätigt hat wie keine andere“. Als Anfang der 1980er-Jahre in Polen das Kriegsrecht ausgerufen wurde und Thorn materielle Not litt, organisierten die Göttinger spontan Hilfslieferungen. Das haben die Thorner bis heute nicht vergessen, daran erinnern sie auch heute immer wieder. Kaum weniger erinnern sie an die „3. Periode unserer besonderen Verbindung“, so Zaleski: Als sich Polen weiter gen Osten öffnete und der EU beitrat „waren es wieder die Göttinger, die uns so sehr geholfen haben“. Mit Erflog: „Heute sind wir Freunde auf Augenhöhe.“

Stimmen zur Städtepartnerschaft

„Als ich 1986 das erste Mal nach Göttingen kam, wusste ich sofort, das ist eine Stadt, die ich mag. Nicht wegen ihrer schönen Altstadt und Architektur, die schon bemerkenswert ist, sondern wegen der Menschen die einem so offen und freundlich begegnen.“

Und das sind nur zwei von vielen Erfahrungen, die diese Verbindung seit Oktober 1978 prägen. Seitdem hat es etliche offizielle und private Besuche sowie gemeinsame Veranstaltungen gegeben. Sportler, Wissenschaftler, Feuerwehr und Polizei, Schüler, Jugendgruppen, Musiker und Künstler und die Mitarbeiter beider Stadtverwaltungen treffen sich regelmäßig. Sie tauschen Erfahrungen aus, unterstützen sich bei ihrer Arbeit, lernen voneinander und feiern gemeinsam.

Offizielle Feierlichkeiten

Ihren 40. Geburtstag feiern sie vier Monate lang – mit Ausstellungen, Jugendzeltlager, Bürgerreisen und Licht-Festivals. Anfang Juni gab es in Göttingen einen Festakt, am zurückliegenden Wochenende folgten die offiziellen Feierlichkeiten in Thorn: mit Göttinger Ratspolitikern von SPD, CDU, Grünen und den GöLinken sowie Vertretern der Stadtverwaltung.

An drei Tagen erlebten sie in Museen und Ausstellungen, bei Stadtführungen und Konzerten spannende, interessante und bewegende Momente, die vor allem zeigen sollten, wie sich Thorn seit der Öffnung Polens zu Europa entwickelt hat.

Ungewöhnliches Konzert

Eingeleitet wurde das Festprogramm am Freitagabend von einem ungewöhnlichen Konzert: Zum ersten Mal haben die Symphonie-Orchester aus beiden Partnerstädten gemeinsam gespielt – begleitet von der Göttinger Stadtkantorei und von der Göttinger St-Jacobi-Kantorei. Unter der Leitung von Mariusz Smolij intonierten sie die 2. Symphonie in c-Moll „Auferstehung - Schwesternsymphonie der Hoffnung“. Am Freitag wird das Konzert in der Stadthalle Göttingen unter Leitung des ausscheidenden GSO-Chefdirgenten Christoph-Mathias Mueller wiederholt.

Die Delegationsreise im Zeitraffer

(Quelle: Stadt Thorn)

Emotional und bewegend war auch ein Besuch der Delegation am Grab von Roman Czyzniewsky auf einem Thorner Friedhof. Czyzniewsky (genannt „Roman 1“) war einer der wichtigsten Initiatoren der deutsch-polnischen Städtepartnerschaft vor 40 Jahren.

Aktivitäten der gesellschaftlichen Gruppen

Am Sonntage schließlich eröffneten Zaleski und Köhler im Innenhof des Alten Rathauses die Ausstellung „Toruń-Göttingen. 40 Jahre Partnerschaft“. Auf 20 Tafeln mit informativen Texten und vielen Bildern beschreibt sie die Entstehung und Entwicklung der Partnerschaft. Dabei stellt sie die Aktivitäten der gesellschaftlichen Gruppen in den Mittelpunkt. Eine vorangegangene Ausstellung in Göttingen hatte sich auf die Preisträger des Samuel-Bogumił-Linde-Literaturpreise, den Thorn und Göttingen seit 1996 vergeben, konzentriert.

„Ich bin wirklich sehr positiv überrascht, wie sich Thorn entwickelt hat“, bilanzierte nach der Reise Ratsmitglied Gerd Nier (GöLinke). Er war schon bei den ersten Begegnungen vor 40 Jahren dabei – damals als SPD-Mitglied dabei. Jetzt komme es darauf an, diese Partnerschaft in jüngere Hände zu gegeben, ergänzte Oberbürgermeister Köhler. Zugleich müsse die Partnerschaft weiter ausgebaut werden. Ansätze dazu gebe es bereits: in Gespräche mit der Universität und mit ersten Schritten für ein Tourismus-Netzwerk aller Partnerstädte Göttingens.

Stimmen zur Städtepartnerschaft

„Die Situation ist heute eine andere als vor 40 Jahren. Aber immer noch ist so eine Städtepartnerschaft meiner Meinung nach die beste Möglichkeit, bei der sich Bürger begegnen und kennenlernen können, um den europäischen Gedanken voranzutreiben und zu festigen. Sie ist die Basis für alles andere. Und ich hoffe, dass diese Partnerschaft gerade in den erneut schwierigen Zeiten, in denen sich viele Polen von Europa abwenden, Bestand hat.“

Stimmen zur Städtepartnerschaft

„Ich glaube, dass so eine Partnerschaft früher wie heute wichtig ist für den Austausch und für gegenseitiges Verständnis unter den Kulturen. Sie bietet die Möglichkeit, Unterschiede wie Gemeinsamkeiten kennenzulernen.“

Stimmen zur Städtepartnerschaft

„So eine Partnerschaft bedeutet direkte Kontakte unabhängig von dem, was sich auf Regierungsebene tut. Auch und vielleicht grade als ausgleichendes Moment. Das zeigt sich gerade wieder bei der aktuellen Entwicklung Polens mit starken Tendenzen gegen ein vereintes Europa. Unabhängig davon ist es toll zu sehen, was sich in Thorn in den vergangenen Jahren alles getan hat.“

Stimmen zur Städtepartnerschaft

„Ich glaube, dass wir mit unseren Städtepartnerschaften vielen Menschen, die die europäische Integration wollen, geholfen haben und helfen. Dafür sollten wir uns weiterhin gegenseitig unterstützen und zusammenhalten.“

Stimmen zur Städtepartnerschaft

„Diese Partnerschaft ist eine Erinnerung und Mahnung zugleich. Vor 40 Jahren ging es vor allem darum, den Frieden von unten aus der Bevölkerung heraus zu sichern. Bei der aktuellen Entwicklung in Europa scheint das wieder wichtig zu sein – für diese und vielleicht für neue Partnerschaften. Und vielleicht sollten wir – Thorn und Göttingen – noch einen Schritt weiter gehen und in naher Zukunft aus unserer gemeinsamen Erfahrung heraus zusammen eine weitere Partnerschaft eingehen - mit einer russischen Stadt.“

Stimmen zur Städtepartnerschaft

„Aus Göttinger Sicht ist diese Partnerschaft sicher ein Beleg dafür, wie weltoffen, verbindend und europäisch die Stadt ist. Sie bietet gute Möglichkeiten für einen regelmäßigen Austausch. Aus polnischer Sicht hat sie offensichtlich viel Inspiration gebracht und ist heute vor allem ein Austausch auf Augenhöhe. Ich hoffe, dass unsere Reise dazu beiträgt, diese Partnerschaft noch lange zu erhalten.“

Stimmen zur Städtepartnerschaft

„Die Stadt Göttingen und ihre Errungenschaften in der Kultur, in den Wissenschaften und in vielen anderen Feldern war über Jahrzehnte wegweisend für uns. Heute sind wir Partner auf Augenhöhe. Göttingen hat außerdem so viele schöne Ecken – wie Thorn auch. Und als Thorner kommt einem dort so viel Sympathie entgegen.“

Stimmen zur Städtepartnerschaft

„Für mich ist die Partnerschaft zwischen Göttingen und Thorn ein wichtiger Teil meines Lebens. Seit ich 5 Jahre alt war, hat sie das Leben meiner Familie mit bestimmt – auch bei der Aufarbeitung des Kommunismus. Uns und viele Göttinger verbindet eine tiefe Freundschaft. Für Thorn ist es die wichtigste Partnerschaft, Göttingen hat den Menschen hier in schwierigen Zeiten so sehr geholfen. Daran sollten wir immer erinnern.“

Das Programm zum 40.

Vier Monate feiern die Städte Göttingen und Thorn ihre 40-jährige Partnerschaft. Anfang Mai gab es in Göttingen einen Festakt, die Ausstellung „Verständigung porozumienie“ zum Lindepreis wurde präsentiert und der bedeutende Literaturpreis in Göttingen an die polnische Journalistin und Schriftstellerin Małgorzata Szejnert sowie an den deutsch-iranischen Schriftsteller, Publizisten und Orientalisten Navid Kermani verliehen.

Am zurückliegenden Wochenende (22-24. Juni) wurde in Thorn eine Ausstellung zur Partnerschaft eröffnet. Dazu gab es ein Konzert der Symphonie-Orchester Göttingen und Thorn sowie Stadtkantorei und Jacobi-Kantorei. Wiederholt wird das Konzert am kommenden Freitag (29. Juni) in Göttingen in der Stadthalle.

Die weiteren noch folgenden Programmpunkte:

·       ein Jugendzeltlager mit Teilnehmern aller Göttinger Partnerstädte in Thorn vom 29. Juli bis 4. August.

·       die Bürgerreise vieler Göttinger zum Festival „Bella Skyway“ (Lichtinstallationen) in Thorn vom 24. bis 27. August.

·       Ausstellungseröffnung Göttinger Künstler in Thorn am 7. September.

·       Teilnahme der BG Göttingen an einem Turnier in Thorn vom 7. bis 9. September.

·       Eröffnung der Ausstellung 3-2-1-Ö in Göttingen am 22. September.

·       Zum Abschluss: eine Mini-Festival „Bella Skyway“ mit zehn Lichtinstallationen in Göttingen am 29. und 30. September.

Die Stadt Thorn/Toruń

Toruń (zu deutsch Thorn) ist eine der beiden Hauptstädte der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern mit gut 200 000 Einwohnern. Die von ausgedehnten Waldgebieten umgebene Stadt liegt im Kulmerland an der Weichsel – gut 700 Straßenkilometer östlich von Göttingen und 200 Kilometer westlich von Warschau. Ihr Ursprung liegt etwa 788 Jahre zurück - als erste Siedlung im Kulmerland unter Verwaltung des Deutschen Ordens.

Die Altstadt Thorns ist im Stil norddeutscher Backsteingotik mittelalterlich geprägt und wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Zu den bemerkenswerten Bauten gehören das Altstädtische Rathaus, das als architektonisches Vorbild für das Berliner Rathaus gilt, der St. Johannes Dom und die Marienkirche – beide aus dem 13. Jahrhundert. Berühmt und bei Touristen beliebt ist auch der Schiefen Turm von Toruń, eines der ungewöhnlichsten Bauwerke der Stadt: Er stammt aus dem 14. Jahrhundert und hat sich mit der Zeit beachtlich zur Seite geneigt.

Zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Stadt gehört Nikolaus Kopernikus (1473-15.43), einer der bedeutendsten Astronomen der Neuzeit. Er ist in Thorn zur Welt gekommen und aufgewachsen. Sein Geburtshaus beherbergt heute ein gerade neu konzipiertes Kopernikus-Museum. An ihn erinnert auch ein Denkmal im Herzen der Stadt auf dem Rathausplatz, die Universität Thorns ist nach dem großen Astronomen benannt – und ein noch neues, modernes Hotel.

Eine kulinarische Spezialität der Stadt sind die Thorner Katrinchen - ein Lebkuchengebäck, das im 16. Jahrhundert im Kloster von Thorn erfunden worden sein soll und als bestes seiner Art in Polen gilt. Da wundert es nicht, dass auch einer der größten Zuckerproduzenten Polens seinen Sitz in Thorn hat. Zu den größten Unternehmen gehört auch Sharp mit einer LCD-TV-Fabrik in Thorn.

Von Ulrich Schubert

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