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00:17 24.05.2017
Waschen wie früher im Duderstädter Heiumatmuseum Quelle: Nachtwey
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In Göttingen

Von Hannah Scheiwe

Gemeinsam rühren sie den Gips an, füllen ihn in die Form, warten bis er trocknet: Fertig ist der Gipsabdruck des Amonits, eines Fossils. Clara Degenhardt und ihr Vater Mike Plock-Degenhardt sind ein gutes Team, beim Museumstag in Göttingen besuchten sie das Geowissenschaftliche Museum.

Und dort gab es viel auszuprobieren: „Im Kindergarten haben wir noch nie etwas mit Gips gemacht, obwohl wir viel basteln“, erzählt die fünfjährige Clara, die sichtlich Spaß am Erstellen des Gipsabdruckes des Amonits hat, einer „Art Vorläufer vom Tintenfisch“, wie Marina Brinkmann vom Geowissenschaftlichen Museum erklärt. Zur Auswahl gab es neben dem Amonit auch noch einen Haizahn oder ein Dinosaurier-Embryo. „Vielleicht mache ich das auch noch“, sagt Clara, der das „Dinosaurierbaby“ gefällt.

Während im Geowissenschaftlichen Museum der Universität Göttingen viel zum Ausprobieren angeboten wurde, hielt im Städtischen Museum Dr. Gilbert Heß, Leiter des Geisteswissenschaftlichen Schülerlabors YLAB, einen Vortrag über die Verantwortung und die Bedeutung der stadtgeschichtlichen Museen für die historische Bildungsarbeit. Auch an weiteren Standorten, wie beispielsweise der Ethnologischen Sammlung oder der Musikinstrumentensammlung der Uni Göttingen, wurde ein Programm zum internationalen Museumstag angeboten.

Ziemlich ungestüm ging es an einer weiteren Ausprobier-Station im Geowissenschaftlichen Museum zu: im Erdbebensimulator. „Das war ziemlich schrecklich“, sagt die 52-jährige Belgin Berchtold, nachdem sie aus dem Simulator, einer Art engen, dunklen Säule, in der man für 20 bis 30 eingeschlossen wird und die ein Erdbeben simuliert, kommt. „Ich wusste natürlich, dass es keine Gefahr ist“, sagt sie. Aber sie komme aus der Türkei und kenne Verwandte, die bei einem großen Erdbeben dabei gewesen seien. „Das hat mich daran erinnert.“

Realisiert wird der Simulator durch eine „Rüttelplatte“, wie Gerhard Hundertmark vom Geowissenschaftlichen Zentrum erklärt. „Das simuliert ein Erdbeben der Stufe fünf bis sechs“, sagt er, Stufe zehn wäre im Vergleich schon „Wahnsinn“. Dunkel sei es in dem Simulator, weil Erdbeben meist nachts seien. Doch zum Glück ist der kurze Schreck nach einer halben Minute vorbei. Und zur Beruhigung können Dinobabys gegossen werden.

Im Eichsfeld

Von Claudia Nachtwey

Erstmalig haben sich das Grenzlandmuseum Eichsfeld (GLM) und das Museum Friedland mit einem gemeinsamen Schnittpunkt, nämlich der Massenflucht aus dem thüringischen Böseckendorf in den 1960-er Jahren, in kooperativer Arbeit am Museumstag beteiligt. „Warum verlassen Menschen ihre Heimat und wie leben sie dort, wo sie nach ihrer Flucht angekommen sind?“, fragte Mira Keune, Geschäftsführerin des GLM, zur Einleitung des Vortrags, den sie zusammen mit Dr. Birga Meyer vom Museum Friedland hielt.

Nachdem die Schwerpunkte beider Museen vorgestellt wurden, gab Keune den historischen Rückblick auf das Leben in der DDR, das seit den 1950-er Jahren zunehmend von von Diskriminierung, Überwachung, Enteignung und Angst geprägt war. Mit dem Zeitbild gab sie die Gründe für die Massenflucht vor. Meyer stellte dar, wie es den Menschen ergangen ist, nachdem sie als DDR-Flüchtlinge in Friedland ankamen, und wie sie dann nach mehreren Überbrückungsjahren eine neue Heimat im niedersächsischen Angerstein gefunden hatten. „Es wurde bisher wenig erforscht, wie die Verhältnisse zueinander sich nach einer Flucht verändert hatten und wie die Menschen damit umgingen. Auch im Westen gab es Spannungen nach der Eingliederung“, sagte Meyer.

Unter den Gästen befanden sich einige Zeitzeugen, die die Flucht aus Böseckendorf als Kinder miterlebt hatten, sowie spätere Bewohner des Ortes, die den Grenzzaun einen Meter vor dem Küchenfenster hatten und das Sperrgebiet der DDR nicht verlassen durften. Von den Mitarbeitern beider Museen wurden Führungen durch die jeweiligen Ausstellungen angeboten, und ein Shuttle-Bus kreuzte zwischen Friedland und Teistungen.

Im Duderstädter Heimatmuseum ging es zunächst mit Kindern auf Zeitreise durch das historische Eichsfeld. Dabei war das Trittsiegel als Spur der Dinosauriervorfahren ebenso spannend wie das Leben der Menschen in vergangenen Jahrhunderten, wo alltägliche Arbeiten ohne elektrische Hilfsmittel Kraft und Mühe kosteten. In Waschfrauenkostümen wurden Leinentücher auf dem Waschbrett geschrubbt, ausgewrungen, geschüttelt und zum Trocknen auf ein raues Seil gehängt. Dass Verantwortung auch für die Relikte früherer Epochen zu übernehmen ist, erklärte Museumsleiterin Sandra Kästner bei der Führung für Erwachsene.

„In vergangenen Jahrzehnten sind oft grobe Fehler bei der Restauration gemacht worden, und zwar nicht nur im Heimatmuseum. Das Problem haben auch die großen Häuser“, sagte sie und stellte als Beispiel eine hölzerne Pieta aus dem 15. Jahrhundert vor, die in toxischer Lauge von Schädlingen befreit wurde und seitdem wegen ihrer ungesunden Ausdünstungen nicht mehr auszustellen ist. Außerdem konnten die Besucher bei einer Depot-Führung die Kunstschätze des Museums sehen, die im Obergeschoss noch auf eine Restauration – und entsprechende Sponsoren – warten.

Mit heimatkundlichen Führungen hat sich auch das Museum in Obernfeld am Museumstag beteiligt. Größerer Aufwand werde jedoch erst wieder zum Tag des Denkmals am 10. September betrieben, denn da feiere der Förderverein sein 25-jähriges Bestehen, sagte Elisabeth Wagner, die sich mit den anderen Vereinsmitgliedern die Betreuung des Museums ehrenamtlich teilt.

In Hann. Münden

Von Susanne Wesche

Zahlreiche Vorführungen und Mitmachaktionen „rund um den Hut“ begeisterten die Gäste beim Museumstag in Hann. Münden. Bei strahlendem Sonnenschein flochten junge Besucher auf dem Schlossplatz ihre eigene Kopfbedeckungen aus Binsen und probierten skurrile Modelle aus verschiedenen Ländern vor einem großen Spiegel auf. Im Museum selbst konnten unzählige Modelle von der Mooskappe eines Harzer Bergmanns über einen Kapotthut aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu einer Niedersächsischen Polizeimütze aus Stoff, Pappe und Metall bestaunt und getestet werden. Die Stadt- und Schlossführungen standen ebenfalls unter dem Thema „Rund um den Hut“. Ein Bücherflohmarkt im Foyer des Schlosses rundete den Museumstag in Hann. Münden ab.

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