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Göttingen Falsche Abrechnungen von Adler Real Estate
Die Region Göttingen Falsche Abrechnungen von Adler Real Estate
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00:19 03.02.2018
Im Besitz der Adler Real Estate: Wohnungen im Süntelweg in Grone. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Der Ärger lag für die Mieter der Adler Real Estate AG kurz vor Weihnachten im Briefkasten. Der Immobilienriese, der in Grone rund 1100 Wohnungen besitzt, hatte die Nebenkostenabrechnungen für 2016 zugestellt.

»Die Abrechnungen fielen durch hohe Nachzahlungsforderungen auf«, schildert der Verein für interkulturelle Nachbarschaft (IN Grone) in einem daraufhin verteilten Info-Flyer. Die Nachforschungen des Vereins ergaben, dass »sehr, sehr viele, aber offenbar nicht alle Abrechnungen« falsch sind.

»Die von den Mietern geleisteten Vorauszahlungen werden falsch berechnet«, heißt es in dem Flugblatt des Vereins. Oft seien die Vorauszahlungen für Wasserver- und -entsorgung nicht berücksichtigt. Nachforderungen von bis zu 300 bis 400 Euro, im Einzelfall sogar mehr als 600 Euro seien gestellt worden. In vielen Fällen sei der Betrag bei Abbuchungsgenehmigung von den Konten der Mieter abgebucht worden.

In einem Schreiben an die Adler Real Estate - in Kopie auch an Verwaltung und Presse - schildert Ortsratsmitglied Hendrik Falkenberg (GöLinke): „Viele Ihrer Mieter vertrauen Ihnen und überprüfen Ihre Abrechnung nicht so ausgiebig, mache verstehen diese Abrechnung ohne fremde Hilfe nicht, manche trauen sich nicht, zu widersprechen.Wenn offensichtlich ein systematischer Fehler in der Abrechnungsmethode zu Grunde liegt, korrigiert ein seriöses Unternehmen dieses eigenständig und informiert die MieterInnen.“

Termine

Am Donnerstag, 1. Februar, plant der Verein für interkulturelle Nachbarschaft (IN Grone) einen Informationsabend zum Thema „Was tun gegen falsche Nebenkostenabrechnungen bei der Adler AG?“. Beginn ist um 19 Uhr im Nachbarschaftszentrum Grone, Deisterstraße 10.

Mit den Nebenkostenabrechnungen befasst sich am Dienstag, 6. Februar, auf der Runde Tisch Grone. Er tagt ebenfalls ab 19 Uhr auf im Nachbarschaftszentrum. Weitere Themen sind die Wohnungsbaupläne der Adler Real Estate, die Pläne für das Gelände der Blauen Halle und das Bürgerfest „50 Jahre Grone Süd“ am 9. Juni.

Zum Thema Wohnungsbaupläne der Adler Real Estate plant die Stadtverwaltung am Dienstag, 13. Februar, eine Bürgerinformationsveranstaltung in der Mehrzweckhalle, Backhausstraße 14. Die Uhrzeit steht noch nicht fest. mib

Bei einem Telefonat sei ihm sinngemäß mitgeteilt worden, so Falkenberg, dass die pauschale Rücknahme der Abrechnungen nicht möglich sei. Jeder betroffene Mieter müsse eigens Widerspruch einlegen. Der Verein IN Grone fordert nun, dass die Abbuchungen rückgängig gemacht und die Abrechnungen überprüft werden.

„Wir wissen, dass offenbar falsche Nebenkostenabrechnungen versendet worden sind. Nach unseren Informationen sind bereits gezahlte Abschlagszahlungen nicht korrekt verrechnet worden“, berichtet Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Wenn Mieter, die auch Empfänger von Sozialleitungen der Stadt seien, „mit einer unkorrekten Nebenkostenabrechnung zur Stadt kommen, dann empfehlen wir Ihnen, dagegen beim Vermieter Widerspruch einzulegen“, so Johannson weiter.

Adler Real Estate investiert

74 Millionen Euro will die Adler Real Estate AG aus Berlin nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren Grone investieren. Bis zu 270 neue Wohnungen könnten entstehen. Dazu sollen die jetzt drei- bis vierstöckigen Häuser im Besitz der Berliner Immobilienfirma um eine Etage aufgestockt werden.

Weil die Nachfrage nach kleineren Wohnungen gestiegen sei, plane die Firma nun mit deutlich mehr als die im Oktober im Groner Ortsrat genannten 200 Wohnungen, erläuterte Andreas Dening, Leiter der Projektentwicklung bei Adler. Die Größen der bestehenden Wohnungen würden aber nicht verändert. Geplant ist aber, die Gebäude energetisch zu sanieren und mit Balkonen und Aufzügen auszustatten. Dening hofft, dass die Bauarbeiten im September beginnen können. Die Adler Real Estate und die Stadt seien »voll in den Planungen«. Die entsprechenden Bebauungspläne sind auf den Weg gebracht. Veranschlagte Bauzeit: zwei bis drei Jahre.

Jugenddezernent Siegfried Lieske regt an, die Adler Real Estate angesichts des »großen Bedarfs« an Krippen- und Kindergartenplätzen in Grone »in die Pflicht« zu nehmen. Über einen städtebaulichen Vertrag soll der Investor verpflichtet werden, das Gebäude für eine Kindertagesstätte zu bauen. »Wir warten auf Zuarbeiten der Stadt«, sagt Dening. Man sei bereit darüber zu verhandeln, verweise aber auf die Angemessenheit des städtebaulichen Vertrages im Verhältnis zum Bauvorhaben.

Die Adler Real Estate besitzt in Grone Nord und Süd rund 1100 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 74000 Quadratmetern. Die Häuser stehen auf Flächen, die insgesamt 23 Hektar umfassen. mib

Die Sozialverwaltung habe den Vermieter »mit Nachdruck« gebeten, die falschen Abrechnungen zurückzunehmen, neue korrekte Abrechnungen zu erstellen und das dort rückgängig zu machen, wo falsche Abrechnungen gegebenenfalls schon finanzielle Folgen gehabt hätten.

Weiterer Kritikpunkt für den Verein IN Grone ist die in der Nachforderung gesetzte Widerspruchsfrist von einem Monat nach Zustellung. Der Verein verweist auf Paragraf 556 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Danach kann ein Mieter spätestens bis zum Ablauf eines Jahres Einwendungen gegen die Abrechnung dem Vermieter mitteilen. Für die Adler-Mieter sei es außerdem schwer nachzuweisen, wann sie die Abrechnung bekommen haben, denn: »Die Briefumschläge trugen keine Poststempel.«

Eine wiederholte schriftliche und telefonische Anfrage des Tageblattes zu den falschen Abrechnungen ließ die Adler Real Estate bis jetzt unbeantwortet.

Von Michael Brakemeier

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