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Göttingen Ärzte diskutieren an der Göttinger Universitätsmedizin über Kreuzschmerz
Die Region Göttingen Ärzte diskutieren an der Göttinger Universitätsmedizin über Kreuzschmerz
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17:00 25.11.2018
Angeregte Diskussion mit dem Plenum: Eva Hummers, Thomas Fischer, Neurochirurg Christian Reparon, Silke von der Heiden, Frank Petzke, Leiter der Schmerzmedizin der UMG. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Das Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen ( UMG) hatte am Sonnabend zusammen mit dem deutschen Hausärzteverband den bereits 11. Göttinger Tag der Allgemeinmedizin organisiert. Die überregionale Fortbildungsveranstaltung richtet sich an Allgemeinmediziner und Medizinische Fachangestellte. In einer öffentlichen Plenumsveranstaltung am Sonnabend wurde über Spontanheilung, Schmerz als Zusammenspiel von körperlichen, psychologischen und sozialen Faktoren sowie die ausgewogene Balance von Diagnostik und Behandlung gesprochen.

Nach sechs Wochen wieder fit

Den Impulsvortrag zum Thema „Versorgung akuter Kreuzschmerzen nach nationaler Versorgungsleitlinie (NVL) Kreuzschmerz – ist weniger wirklich mehr?“ hielt Dr. Frank Petzke, Leiter der Schmerzmedizin an der UMG. Oft gebe es gar keine spezifischen Grüne für den Kreuzschmerz, sagte Petzke. 60 Prozent der Patienten mit Rückenschmerz seien nach sechs Wochen sowieso wieder fit. Richtlinien der Behandlung seien die drei großen E’s Education, Encouragement und Exercise, also Aufklärung, Mut machen, Üben. Aber es gebe in Deutschland ein bunte Versorgungslandschaft, bei der oft nur schwer zu sagen sei, was angemessen ist.

Vollbesetzt war der Hörsaal bei der Diskussion über die Behandlung von Kreuzschmerz. Quelle: Peter Heller

Oberstes Gebot bei den Versorgungsleitlinien sei die Aktivität des Patienten. Das sei in den Medien teilweise besser angekommen, als in der Versorgung, so Petzke. Immer noch werden auch zu schnell und zu oft bildgebende Verfahren angewendet. „Ein MRT pro Jahr ändert nichts. Es zeigt immer dasselbe“, so Petzke. Und eben oft keinen Grund für die Schmerzen. Das psychosoziale Umfeld werde oft nicht genug beachtet. Dabei zeigen Studien, dass „Schwierigkeiten mit Familie und Arbeitsplatz bei Kreuzschmerz eine wichtige Rolle spielen“, so Petzke. Psychosoziale Fragen müssten von Anfang an in die Behandlung einbezogen werden.

Erst nach sechs Wochen sollte interveniert werden, dann aber multimodal. Er plädierte für eine medizinische Versorgungsvision: Weniger unklar wirksame Therapien, mehr und frühere Education und biopsychosoziale Diagnostik.

Patienten bauen Druck auf

In der anschließenden Diskussion stellten Dr. Thomas Fischer, Hausärzteverband, Dr. Silke von der Heide, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin, Dr. Christian Reparon, Neurochirurg und viele Ärzte aus dem Plenum klar, dass die Theorie oft den Patienten außer acht lasse. Viele Patienten wollten gleich eine spezifische Diagnose und möglichst ein MRT. Sie bauten Druck auf. Verweigere der Hausarzt das, gehen sie eben zum nächsten Arzt, am besten gleich zum Facharzt. Und der habe dann Patienten vor sich, die gar keine neurochirurgische oder orthopädische Behandlung brauchen, sondern nur Bewegung.

Eine Möglichkeit sahen alle Diskusssionsteilnehmer in einer verbesserten Kommunikation untereinander, „damit wir Kollegen uns nicht in den Rücken fallen“, so eine Ärztin aus Duderstadt. Und damit der Facharzt die Informationen bekomme, die der Hausarzt ja schon aufgenommen hat, so Reparon. Und behandelnde Physiotherapeuten sollten bessere Berichte an die Ärzte weitergeben, so der Wunsch der Präventionsärztin Von der Heide.

Von Christiane Böhm

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