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Göttingen "Schwangere wählen sich oft die Finger wund"
Die Region Göttingen "Schwangere wählen sich oft die Finger wund"
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00:17 07.05.2017
Eine Hebamme kümmert sich um den neun Tage alten Emil. Quelle: DPA
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Göttingen

„Wir beraten Schwangere, bieten Vorsorge und Kurse an, unterstützen Frauen vor, während und nach der Geburt“, berichtet Hebamme Julia Engelhardt. Am Stand vor dem Alten Rathaus werde das zehnköpfige Geburtshelferinnenteam von 15 bis 17 Uhr zeigen, wie Babys gewogen werden und wie ein Herztonrohr funktioniert. Sie stellten Massagetechniken vor und informierten über ihr Kursangebot: darunter Schwangerengymnastik, Yoga oder Geburtsvorbereitung. Werdende Eltern könnten verschiedene Tragesysteme für ihr Kind ausprobieren.

„Wir wollen mit unserer Aktion nicht zuletzt bei Schulabgängerinnen das Interesse an einem der ältesten Frauenberufe wecken“, sagt Irene Meyer aus Göttingen. In den kommenden Jahren würden 20 bis 25 Prozent der Hebammen in Stadt und Landkreis in Ruhestand gehen. Schon heute übersteige die Nachfrage das Angebot. Meyers Kollegin Petra Walcyk ergänzt: „Schwangere wählen sich oft die Finger wund, bis sie eine Hebamme gefunden haben.“ Julia Engelhardt sagt: „Ich bin die nächsten sieben, acht Monate ausgebucht.“

„Wer eine Hausgeburt machen will, hat es noch schwerer, eine Hebamme zu finden“, berichtet Barbara Müller-Römheld-Fütterer aus Moringen. Sie gehöre zu den wenigen Geburtshelferinnen, die das noch anbieten würden.

Was macht den Beruf interessant? „Wir erleben das Glück junger Eltern unmittelbar mit“, sagt Meyer. Vielseitig sei der Beruf. Mit unterschiedlichen Kulturen kämen sie in Kontakt. Die meisten von ihnen seien selbstständig und damit ihr eigener Chef. Viele arbeiteten dabei mit einem Krankenhaus fest zusammen. Nur ganz wenige seien in einem Krankenhaus angestellt.

„Wer Hebamme werden möchte, muss Leidenschaft mitbringen“, betont Meyer. Reichtümer ließen sich nicht verdienen. „Eine Herausforderung sind die Kosten für die Berufshaftpflichtversicherung, die sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt haben“, sagt Walcyk. „Das liegt an der gestiegenen Klagefreudigkeit“, so Meyer. Eltern versuchten zum Teil noch nach Jahren, Hebammen wegen vermeintlicher Fehler zu belangen. Qualitätssicherung spiele eine immer wichtigere Rolle. Sie müssten sich regelmäßig fortbilden. Viel Zeit koste die Dokumentation der Arbeitsschritte. „Einige von uns haben daher in den vergangenen Jahren aufgehört und umgeschult“, berichtet Engelhardt. Sie würde das nicht tun. Dazu liebe sie ihren Beruf zu sehr.

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