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Göttingen Junge Menschen fordern öffentliche Treffpunkte
Die Region Göttingen Junge Menschen fordern öffentliche Treffpunkte
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19:22 24.08.2018
Mit der Aktion „Platz nehmen“ fordern Jugendliche mehr öffentliche Treffpunkte. Quelle: Hinzmann
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Adelebsen/Göttingen

„Parks, Plätze oder die Bushaltestelle sind oft die einzigen Treffpunkte von Jugendlichen“, berichtet Christian Hölscher, Geschäftsführer der Jugendhilfe Göttingen, die die Aktion der Landesarbeitsgemeinschaft Streetwork auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus umsetzte. Nicht alle jungen Menschen hätten das Geld für den Besuch von Cafés oder Diskotheken oder wollten mit Freunden bei sich zuhause sitzen.

„Treffen sich die jungen Menschen in der Öffentlichkeit, gibt es oft Ärger mit Anwohnern“, weiß Sonja Schrader von der aufsuchenden Jugendarbeit des Landkreises. Streitpunkte seien der Lärm, insbesondere bei motorisierten Jugendlichen. Auch Müll – herumfliegende Chipstüten oder leere Energy-Drink-Dosen – sei ein wiederkehrendes Thema. Viele Erwachsene scheuten vor einer direkten Ansprache der Jugendlichen zurück, dabei seien diese in der Regel offen. Stattdessen werde die Polizei oder die Politik eingeschaltet.

Aufsuchende Jugendarbeit des Landkreises

„Die suchen dann den Kontakt zu uns“, sagt Schrader. Die aufsuchende Jugendarbeit verstehe sich dabei als „Anwalt der jungen Menschen“, betont die Mitarbeiterin des Landkreises. Sie versuchten zu vermitteln, einen für alle Seiten zufriedenstellenden Kompromiss zu finden. So arbeite auch die Jugendhilfe Göttingen, erklärt deren Geschäftsführer. Im Cheltenhampark sei ein solcher Ausgleich gefunden worden. Anwohner zeigten heute die nötige Toleranz. Die jungen Menschen hielten sich ihrerseits an die Regeln. Auch an anderen beliebten Treffpunkten, wie dem Waage- oder dem Wilhelmsplatz, habe es in diesem Jahr trotz des „Megasommers“ seines Wissens keine Probleme gegeben, so Hölscher.

„Unzufriedenheit kann es aber nicht nur bei den Anwohnern, sondern auch bei den jungen Menschen selbst geben“, betont Streetworkerin Schrader. Sie betreue in Adelebsen seit zwei Jahren gemeinsam mit einem Kollegen vom Modellprojekt „Respekt für Vielfalt“ eine mit Zweirädern motorisierte Clique, die sich unerwünscht fühle. „Wir nennen uns Adelebser Assinachwuchs, weil uns viele Assis nennen“, erklärt Louis (16). Sie seien zwischen 15 und 17 Jahren alt, wohnten in Adelebsen, Lödingsen und Erbsen und würden sich zum Teil schon aus dem Kindergarten kennen.

Adelebser Kinder- und Jugendbüro

„Frust kann zu Vandalismus und Radikalisierung führen“, warnt Angela Schmiel-Richter, die beim Landkreis Göttingen den Fachbereich Jugend leitet. „In Adelebsen hat der rechte Freundeskreis versucht, Jugendliche zu politisieren“, berichtet Streetworker Carsten Seydlowsky. Auch die Hells Angels hätten sich um junge Menschen bemüht. „Ich bin froh, dass sich die aufsuchende Jugendarbeit bei uns engagiert“, sagt Kathrin Braunsdorf vom Adelebser Kinder- und Jugendbüro. Sie und ein Kollege kümmerten sich um die Jugendlichen, die die Jugendräume des Fleckens nutzten und organisierten das Ferienprogramm.

Die „Adelebsens Nachwuchsassis“ treffen sie sich vor allem auf dem Skaterplatz. Sie würden sich dort eine Unterstand mit Grill sowie Toiletten und ein paar Sitzbänke wünschen, erklärten sie am Freitag. Hilfreich sei auch ein Schrank mit Besen und Kehrblech. Oft lägen auf dem Platz zerschlagene Flaschen, was beim Skaten störe. Bürgermeister Holger Frase und Ortsbürgermeister Kurt Prutschke (beide SPD) hörten aufmerksam zu. Berthold Freter (SPD), der Vorsitzende des Gemeinderats, schlug den jungen Leuten vor, ihre Wünsche in einer der nächsten Ratssitzungen vorzutragen.

Wenige Treffpunkte in kleinen Landgemeinden

Nicht so beliebt bei den „Nachwuchsassis“ ist der Adelebser Bürgerpark. Direkt angrenzend wohnten zu viele lärmempfindliche Senioren, erklärten die Jugendlichen. Der Jugendraum im Keller der Gemeindeverwaltung sei ihnen zu klein. „In kleinen Landgemeinden gibt es besonders wenige Treffpunkte für junge Menschen“, gab Streetworkerin Schrader zu bedenken. Das habe auch damit zu tun, dass es dort nicht so viele Jugendliche gebe.

Von Michael Caspar

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