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Göttingen Alte Halle beim Entkernen des Göttinger Schwarzen Bären entdeckt
Die Region Göttingen Alte Halle beim Entkernen des Göttinger Schwarzen Bären entdeckt
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00:16 21.03.2014
Wird erst durch das Herausreißen der Zwischendecke wieder sichtbar: zweigeschossige Halle in der Mitte des Schwarzen Bären. Quelle: Heller
Göttingen

Und noch etwas verrät Hauschild: Bei den Arbeiten sei eine alte, zweigeschossige gotische Halle in der Mittelachse des Hauses entdeckt worden. Das sei wahrlich ein „Überraschungsfund“. Zudem seien alte Torbögen freigelegt worden. Die Denkmalpflege der Stadt Göttingen sei eingebunden.

Stadtsprecher Detlef Johannson bestätigt den Fund: „Das Besondere an der zweigeschossigen Halle: Sie ist bauzeitlich, das heißt, sie wurde gebaut, als das Haus errichtet wurde, also um 1580. Die Decke, die alle Restaurantbesucher der letzten Jahrzehnte kennen, ist erst später eingezogen worden.“

Hauschild möchte die Funde unbedingt bewahren. „Die alte Hausstruktur mit der gotischen Halle und den Torbögen will ich rekonstruieren“, sagt er. Unterdessen laufe das Entkernen des Gebäudes wie geplant weiter. „In 14 Tagen werden wir dann schon mehr sehen können.“ Die Arbeiten im Schwarzen Bären seien „in vollem Umfang mit uns auf der Basis eines Bauforschungsgutachtens abgestimmt worden“, betont Johannson.

Halle im Schwarzen Bären in der Göttinger Innenstadt © Heller

„Dazu gehört beispielsweise der Abriss des in den 60er-Jahren erbauten Küchen- und WC-Trakts.“ Zudem seien der Innenhof freigeräumt und das Vorderhaus „von Einbauten der letzten 100 Jahre befreit worden“, erklärt Hauschild. Trennwände und Zwischendecken habe er ebenfalls herausreißen lassen.

Vereinzelt habe es Beschwerden wegen Lärms in den Abendstunden und wegen etwaiger Gefährdungen für Kinder im Baustellenbereich gegeben, sagt Johannson.

„Wir haben mit dem Bauherrn gesprochen und die Probleme abgestellt. Unter Nachbarn war das offenbar nicht zu regeln.“ Zudem halte sich der Bauherr bei den Arbeiten an das, „was mit uns abgestimmt wurde“. Davon habe sich die Stadt überzeugt, so Johannson.

Hauschild will den Schwarzen Bären wieder gastronomisch nutzen. In den Obergeschossen sollen Wohnungen entstehen. „Eine Baugenehmigung gibt es allerdings noch nicht. Wir befinden uns aber in bislang gut verlaufenen Abstimmungsgesprächen“, betont Johannson.

Schwarzer Bär

Der Schwarze Bär, gebaut um 1580, ist eines der ältesten Gasthäuser Deutschlands und wurde in dieser Funktion erstmals 1637 erwähnt.

Das Gasthaus blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Der sagenumwobene Doktor Eisenbarth schrieb dort 1727 sein Testament.

Von 1857 bis 1872 tagte im Schwarzen Bären der Bären-Klub, der sich aus jüngeren Göttinger Gelehrten zusammensetzte. Am 20. Dezember 1857 wurde die Bärengemeinde als Bürger-Stammtisch gegründet.

2002 wurde unter dem Gebäude ein Gewölbekeller aus dem 14. Jahrhundert entdeckt. 24 Jahre lang, bis 2011, war das Ehepaar Buhtz Pächter des Gasthauses.

Die Einbecker Brauhaus AG, seit den 20er-Jahren Besitzerin des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes, verkaufte den Schwarzen Bären dann an den Kaufmann Helmut Turck.

Dieser hatte hehre Ziele mit der Immobilie, starb aber, bevor er diese umsetzen konnte. Derzeitiger Eigentümer ist Henning Hauschild. Er will die Pläne von Turck weiterverfolgen.

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