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Göttingen Alte Kirche in Göttingen wird Kino
Die Region Göttingen Alte Kirche in Göttingen wird Kino
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00:32 30.04.2018
Begehung der ehemaligen Baptistenkirche mit Investor und Vereinsmitgliedern der Filmkunstfreunde. Ansicht des ehemaligen Kirchenraums, der zu einem Kinosaal werden soll. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Wenn Gerhard Rocznik durch das 115 Jahre alte Gebäude geht - vorbei an zerbrochenen Fenstern, abgerissenen Treppenpfosten und türlosen Türrahmen - sprudeln die Ideen nur so aus ihm heraus. Ideen, die schon längst nicht mehr nur Ideen sind. Vor knapp drei Monaten hat der Göttinger Bauunternehmer die ehemalige Baptistenkirche an der Bürgerstraße von der Stadt gekauft. Gemeinsam mit dem Lumière und dem Verein der Göttinger Filmkunstfreunde will der private Investor das Kirchenhaus in ein Kino umbauen - mit Bistro und Mietwohnungen für Studenten darüber.

„In den nächsten Tagen gehen die Bauanträge an die Stadt raus“, sagt Rocznik. „Und wir hoffen, dass sie schnell bearbeitet werden“, ergänzt Matthias Sonnenburg von den Filmkunstfreunden.

Der Anfang ist gemacht: Die Eingangstreppe ist abgerissen. Innen sind Fachwerke und Backsteinwände freigelegt. Nur der alte Kirchensaal mit Kuppeldach ist weitgehend unangetastet - und bleibt es auch. Nach langem Ringen hat der Umbau der einstigen Baptistenkirche in Göttingen begonnen. Sie wird ein Kino.

Unerwartet schnell haben die von Rocznik beauftragten Arbeiter das gesamte Gebäude weitgehend entkernt und „besenrein“ für die eigentlichen Arbeiten vorbereitet. „Alles aus Holz und die Sanitäreinrichtungen sind raus“, erklärt der Investor: Türen, Wandverkleidungen, Leichtbauwände und Einbauschränke.

Der hintere Teil des Gebäudes gleicht einer Rohbaustelle. Er wird komplett saniert und umgebaut: Im Keller sind Toiletten vorgesehen, im Untergeschoss wird ein Bistro und Café mit Blick auf den Göttinger Innenstadtwall eingerichtet - inklusive Küche. Darüber will Rocznik auf einer Gesamtfläche von etwa 350 Quadratmetern Wohnungen für Studenten integrieren - mit separatem Eingang und Treppenhaus an der Nordseite des Gebäudes.

Kernstück aber ist der ehemalige Kirchensaal: ein großer, hoher, schlicht gehaltener Raum mit Tonnengewölbe an der Decke und einer an drei Wänden umlaufenden Balustrade. Sie soll ebenso erhalten bleiben wie ihre schlanken, leicht verzierten tragenden Stützpfeiler.

Hier sollen ab Herbst nächsten Jahres Kinofilme über die Leinwand laufen, die nicht mainstream sind. Wo einst das große Taufbecken der Baptisten stand, wird die Leinwand hängen, im Saal davor und auch auf der Balustrade werden die Zuschauer sitzen.

„Um die 100 Plätze werden wir wohl hinkriegen“, sagt Sonnenburg. Es könnten mehr sein, aber dann müssten Balustrade und Pfeiler abgerissen werden. Jetzt sollen die später stufenartig angelegten Stuhlreihen in dem 150 Quadratmeter großen Raum plus Galerie so bestückt werden, dass die Pfeiler keinem Gast die Sicht versperren.

Ein Kino in einer 115 Jahre alten Kirche mit besonderer Holzdecke stellt Investor Rocznik noch vor andere Probleme: Der Saal muss unkonventionell isoliert werden - „vor allem, damit kein Autolärm von der Straße den Kinogenuss stört“. Erreichen will er das mit einer mächtigen Isolierung auf dem Dachboden über der Kuppeldecke und besonderen Schallschutzfenstern. Zusätzlich sollen die Saalwände von innen isoliert und die Fenster dabei verhängt werden. Das heißt: Innen gibt es einen abgedunkelten Kinosaal, außen bleibt die Optik des schlichten Gebäudes erhalten. Die Fassade wird allerdings grundlegend saniert, verspricht Rocznik, auch der Sockel aus Sandstein. Welchen Farbanstrich sie dann bekommen wird, sei noch offen. „Und es wird nur eine dezente Werbung an der Vorderseite geben, um den Charakter des Gebäudes nicht zu stören.“

Auch die abgerissene Treppe an der Haupttür zur Bürgerstraße wird erneuert – als eine Art Attrappe, um die Gebäudestruktur zu erhalten. Der Kino- und Bistro-Zugang wird an die rechte Südseite des Gebäudes verlegt. Dort soll in einem etwa 15 Meter langen und drei Meter breiten Anbau ein Eingangsfoyer entstehen. Parkplätze wollen Investor und Betreiber hinter der alten Kirche zum Wall hin anlegen.

Etwa 1,2 Millionen Euro investiert Rocznik nach eigenen Angaben für das Projekt. 30 Jahre stand das Gebäude weitgehend leer und verfiel immer mehr.

Bistro und Programmkino werden vom Göttinger Programmkino Lumière als Pächter betrieben. Geplant ist ein Kino, das die Lücke zwischen dem klassischen Lumière-Angebot und dem Cinemaxx schließt. Sieben Jahre hatte der Verein darum gekämpft, die alte Kirche als Kino zu beleben.

Bis 1984 Kirchenhaus

Die Baptistenkirche wurde 1902 gebaut, im August 1906 wurde die Kapelle eröffnet. Das Gotteshaus bot Platz für 425 Gäste. 1984 zogen die Göttinger Baptisten in ihr neues Gemeindezentrum auf der gegenüberliegenden Straßenseite, im Tausch für das Grundstück ging die alte Kirche in den Besitz der Stadt über. Einige Jahre war dann ein Jugendzentrum in dem Haus untergebracht.

Gemeinsam mit dem Lumière müssen sie jetzt die gesamte Inneneinrichtung und Kino-Technik besorgen und installieren. „Dafür klafft bei uns aber noch eine erhebliche Finanzierungslücke“, sagt Sonnenburg. Um sie zu schließen, seien die Initiatoren und ihre Partner auf Spenden und Sponsoren angewiesen. Weitere Infos gibt es online unter filmkunst-goettingen.de.

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ZITAT

„Um die 100 Plätze werden wir wohl hinkriegen“

Matthias Sonnenburg

Filmkunstfreunde

Von Ulrich Schubert

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