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Göttingen Bedroht Digitalisierung die Demokratie?
Die Region Göttingen Bedroht Digitalisierung die Demokratie?
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00:19 11.09.2017
Prof. Andreas Busch Quelle: Christoph Mischke
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Göttingen

Unter dem Titel „Politik im digitalen Zeitalter“ hat Prof. Andreas Busch am Donnerstag für die Evangelische Stadtakademie einen Vortrag gehalten. Der Politikwissenschaftler sprach über den Einfluss von digitalen Phänomenen wie Social Bots und Fake News auf den politischen Prozess.

Besonderes Augenmerk widmete Busch der Bedeutung von Meinungsvielfalt für die Demokratie. Vor knapp 30 Zuhörern erklärte er im Gemeindesaal der Johannisgemeinde, wie digitale Medien den Meinungspluralismus gleichzeitig fördern und bedrohen. Abschließend hob er Gestaltungsmöglichkeiten von Bürgern hervor und bekannte sich zu einem optimistischen Blick auf die politische Zukunft.

Als die Digitalisierung noch in den Kinderschuhen steckte, habe man große Hoffnungen in sie gesetzt. Manche Wissenschaftler nahmen an, das Machtgefälle zwischen Politikern und Bürgern könne sich verkleinern, wenn alle freien Zugang zu Wissen hätten, erzählte Busch. Inzwischen sei die Euphorie in Skepsis umgeschlagen. Das Potenzial der Digitalisierung, die politische Willensbildung zu manipulieren, sei sichtbar geworden – eine Gefahr für den demokratischen Pluralismus.

Busch, der an der Georg-August-Universität Vergleichende Politikwissenschaft und Politische Ökonomie lehrt, sagte, das Manipulationspotenzial zeige sich in dem massenhaften Einsatz von Social Bots. Das sind Computerprogramme, die eine menschliche Identität vortäuschen und in sozialen Netzwerken Beiträge erzeugen. Wenn sie zahlreich im Sinne einer politischen Agenda eingesetzt werden, entstehe ein Nachrichtenstrom, der nicht die tatsächlichen Meinungsverhältnisse widerspiegele.

Auch Fake News schrieb Busch eine große Bedeutung zu. Beim EU-Austritts-Referendum in Großbritannien könnten sie gar entscheidend gewesen sein, vermutete er. „Es ist ein Paradox der Informationsgesellschaft, dass die Genauigkeit von Informationen drastisch zu sinken scheint“, befand der Politikwissenschaftler. „Jeder muss sich selbst fragen, ob er sich breit genug informiert. Ich empfehle eine gesunde Rundum-Diät“, so Busch.

Stiftung Faktencheck

Abhilfe schaffen könnten Initiativen wie die Website Politifacts, die Aussagen von Politikern auf ihren Wahrheitsgehalt prüft. Sie habe verhindert, dass Falschbehauptungen über Frankreichs Präsident Macron kurz vor den Wahlen breite Wellen schlugen. Für Deutschland erwähnte Busch die Möglichkeit einer Stiftung Faktencheck, analog zur Stiftung Warentest. Unangenehme Meinungen aber müsse die Gesellschaft aushalten. „Wir müssen unsere eigene Schmerzgrenze dessen, was man in Diskussionen aushält, wieder strapazieren“, so Busch

Schließlich warnte er davor, die Relevanz des Internets für den politischen Prozess zu überschätzen. Prophezeiungen über ein Ende der Demokratie seien spekulativ und hätten vor allem eine entmutigende Wirkung. „Wir sind Herren und Damen unseres Schicksals“, befand er und outete sich als „berufsmäßiger Optimist“, der die Demokratie für stärker hält als ihre Bedrohung.

Von Katharina Meyer

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