Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Angeklagte provozieren Unfälle im Raum Göttingen
Die Region Göttingen Angeklagte provozieren Unfälle im Raum Göttingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:26 04.04.2018
Mit angeblichen Unfällen sollen Angeklagte versucht haben, Versicherungen zu betrügen. Quelle: dpa / Symbolbild
Göttingen

Die beiden Männer sollen im Auftrag eines 64-jährigen Mannes aus dem Raum Duderstadt absichtlich einen Auffahrunfall auf dem Zubringer zur Autobahn 7 im Göttinger Stadtteil Holtensen herbeigeführt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Autofahrern Betrug vor. Der mutmaßliche Drahtzieher, der bereits mehrere Jahre wegen Bandendiebstahls und Drogenhandels in Haft gesessen hat, ist in einem gesonderten Verfahren wegen 15 Fällen des gewerbsmäßigen Betruges angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, diverse Kfz-Versicherungen um mehrere hunderttausend Euro betrogen zu haben.

„Scheinhalter“ von Autos eingesetzt

Nach den Erkenntnissen der Ermittler soll der 64-Jährige vor rund acht Jahren den Plan gefasst haben, vorsätzlich Verkehrsunfälle zu organisieren und unter Einschaltung von Rechtsanwälten die Versicherungen zur Schadensregulierung zu veranlassen. Um nicht selbst in Erscheinung zu treten, habe er andere Personen als „Scheinhalter“ von Kraftfahrzeugen eingesetzt, die dann gegenüber den Versicherungen ihre angeblichen Schadensersatzansprüche geltend gemacht hätten. Die Staatsanwaltschaft hat insgesamt zwölf Anklagen gegen Unfallfahrer beziehungsweise Fahrzeughalter erhoben. Auch Abschleppunternehmen und Kfz-Werkstätten sollen an dem „Geschäftsmodell“ beteiligt gewesen sein.

Die Polizei war der Betrugsserie nach einer Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche auf die Spur gekommen. Als die Ermittler ein Bankschließfach des 64-Jährigen durchsuchten, fanden sie unter anderem 17 Fahrzeugbriefe und Zweitschlüssel sowie 200 000 Euro Bargeld. Bei der Auswertung der Dokumente fiel auf, dass zahlreiche dieser Autos in Unfälle verwickelt gewesen waren.

30 000 Euro Schadensersatz erschlichen

Eines der aufgefundenen Dokumente in dem Schließfach war ein internationaler Fahrzeugbrief für einen Mercedes der E-Klasse, der früher einmal von dem 64-Jährigen angekauft und später auf den Vater des 30-jährigen Angeklagten zugelassen worden war. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass der 30-Jährige im August 2011 mit diesem Auto in einen Auffahrunfall in Göttingen involviert gewesen war. Der 30-Jährige hatte damals angegeben, dass er verkehrsbedingt auf dem Beschleunigungsstreifen habe anhalten müssen. Der 35-jährige Mitangeklagte soll dies angeblich zu spät bemerkt haben und mit seinem Auto auf das E-Klasse-Fahrzeug aufgefahren sein. Anschließend wurde gegenüber der Versicherung ein Schaden von mehr als 30 000 Euro geltend gemacht.

Nach Ansicht der Ermittler waren sowohl der Unfall als auch die eingereichte Rechnung einer Werkstatt in Langenhagen getürkt. Auch der angegebene Kilometerstand in dem Schadensgutachten sei falsch. Tatsächlich habe das E-Klasse-Fahrzeug eine um mehr als 100.000 Kilometer höhere Laufleistung aufgewiesen und sei damit deutlich weniger wert gewesen.

„Mutwillige Kollisionsbemühungen“

Inzwischen hat es bereits mehrere Prozesse um mutmaßlich inszenierte Unfälle gegeben, die alle mit Geld- oder Freiheitsstrafen endeten. Die bislang höchsten Geldstrafen erhielten ein einschlägig vorbestrafter 68-jähriger Rentner und ein 44-jähriger Gastronom aus Göttingen (10 000 beziehungsweise 9000 Euro). Inzwischen ist auch das Landgericht Göttingen mit mehreren Fällen befasst. Kürzlich verwarf die zuständige Kammer die Berufung eines 40-Jährigen aus Leipzig und eines 35-Jährigen aus Göttingen, die in erster Instanz zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden waren. Das Landgericht war ebenso wie zuvor das Amtsgericht davon überzeugt, dass die fraglichen Unfälle das „Ergebnis mutwilliger Kollisionsbemühungen“ gewesen seien.

Von Heidi Niemann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Göttingen City / „Kauf Park“ / Lutteranger - Verkaufsoffener Sonntag in drei Göttinger Gebieten

Der Sonntag nach Ostern steht für viele Göttinger und Besucher ganz im Zeichen des Bummelns: Alle drei großen Gewerbegebiete in Göttingen – die Innenstadt, der „Kauf Park“ und der Lutteranger – locken am 8. April in der Zeit von 13 bis 18 Uhr mit besonderen Aktionen und Angeboten zum verkaufsoffenen Sonntag.

07.04.2018
Göttingen Fleischverzehr in der Region Göttingen - Immer weniger Fleisch – auch im Landkreis?

Die Deutschen essen laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) immer weniger Fleisch. Die sinkende Nachfrage nach Schweinefleisch ist für den Rückgang verantwortlich. Zeigt sich dieser Trend auch im Landkreis Göttingen?

07.04.2018

Aufgrund von Veranstaltungen des Reitvereins Hainholzhof am Kehr müssen an den Wochenenden 7. und 8. sowie 28. und 29. April die Fahrten der Linie 73 zum Kehr ausfallen, teilen die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) mit.

04.04.2018