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Göttingen Barrierefreiheit in Göttingen gefragt, aber nicht Hauptthema
Die Region Göttingen Barrierefreiheit in Göttingen gefragt, aber nicht Hauptthema
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08:00 01.08.2018
Barrierefreie Wohnungen werden nicht nur von älteren und gehandicapten Menschen gewünscht. Quelle: dpa-Zentralbild
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Göttingen

„Es ist erstaunlich, wie viele Anfragen es gibt“, sagt Lydia Ballhausen, Leiterin des Lorenz-Werthmann-Hauses in Duderstadt. In Beratungen komme das Thema häufig zur Sprache, sei aber auch oft verbunden mit dem Thema Landflucht. Allerdings sei das Altwerden als Prozess zu sehen, mit dem man sich frühzeitig beschäftigen sollte. „Man muss dem Altwerden offen begegnen“, sagt Ballhausen.

„Das Thema ist für alle wichtig“

Eine Beschränkung auf die älteren Bevölkerungsschichten sieht Heike Klankwarth, Vorstandsvorsitzende der Volksheimstätte, nicht: „Das Thema ist für alle wichtig, nicht nur im Alter.“ So seien auch Rollstuhlfahrer und Familien mit Kinderwagen an möglichst wenig Barrieren interessiert, ebenso Menschen, die schlecht gehen oder sehen können. Es gebe natürlich Unterschiede der Machbarkeit von Barrierefreiheit in Alt- und Neubauten. Die Frage sei zum Beispiel, was sich im Bestand umsetzen lasse. Manchmal bestehe bei Anfragen nur die Möglichkeit eines Wohnungstausches. Da sich nicht jeder Altbau in jeder Etage anpassen lasse, bleibe für Betroffene aber noch ein Umzug in eine Erdgeschosswohnung.

Nicht am Bedarf vorbeibauen

Wichtig sei, dass man mit den Menschen baue und nicht am Bedarf vorbei, sagt Klankwarth. Zum Beispiel schreibe Paragraf 49 der niedersächsischen Bauordnung vor, dass jede achte Wohnung eines Gebäudes rollstuhlgerecht eingerichtet sein muss. Doch die Wohnungen seien oft als letzte vermittelt worden, berichtet Klankwarth. Zehn Prozent zusätzliche Quadratmeter böten zwar Rollstuhlfahrern Vorteile, andere hätten aber wenig Nutzen von einem großen Flur oder Bad, sondern stattdessen höhere Mietkosten. Im Ausschuss vom Verband der Wohnungswirtschaft versuche man aber derzeit mit der Politik, Wege zum Wohnen zu finden.

Fahrstühle einbauen

„Alle neuen Häuser werden barrierearm gebaut“, berichtet Henning Schreiber, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Wohnungsgenossenschaft Göttingen, „solange ich zurückdenken kann.“ Barrierearm deshalb, weil zum Beispiel beim Zugang zu einem Balkon eine kleine Kante bleibe, damit Niederschlagswasser nicht direkt in die Wohnung laufen kann. Insgesamt habe die Genossenschaft 36 Aufzüge in ihren Häusern, mit denen 542 Wohnungen erreichbar seien, wie Werner Garske, zuständig für die Modernisierung/Gebäudesanierung, erklärt. Für Senioren seien spezielle Wohnungen im Angebot.

Möglichst viele Barrieren abbauen

„In der älter werdenden Mieterschaft gibt es immer wieder Bedarf“, sagt Claudia Leuner-Haverich von der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft. „Wir versuchen, bei der Sanierung von Beständen möglichst viele Barrieren abbauen.“ Der Einbau eines Fahrstuhls lohne sich aber nur, wenn mit ihm möglichst viele Wohnungen erreichbar seien, denn die Kosten sowohl für Einbau als auch Wartung würden auf die Mieter umgelegt.

Andere Probleme

Das Problem auf dem Wohnungsmarkt sehen Klankwarth, Leuner-Haverich und Schreiber derzeit weniger im Angebot von barrierearmen Wohnungen. „Das war eine Phase, als ständig darüber gesprochen wurde, dass Deutschland veraltet“, sagt Schreiber. Jetzt spreche kaum jemand darüber, weil es andere Probleme gebe – wie die Beschaffung von Wohnungen auf einem angespannten Wohnungsmarkt.

Von Rüdiger Franke

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