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Göttingen Archäologen begleiten Baustelle in Nörten-Hardenberg
Die Region Göttingen Archäologen begleiten Baustelle in Nörten-Hardenberg
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17:39 25.04.2014
Baustelle am Stiftsplatz: Archäologen begleiten die Baggerarbeiten zur Umgestaltung des Areals. Quelle: Lawrenz
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Nörten-Hardenberg

Er zeichnet und vermisst die Steine. Bei den Bauarbeiten auf dem Stiftsplatz wurde am Mittwoch ein frühneuzeitlicher Kanal entdeckt, aus dem späten 17. bis frühen 18. Jahrhundert.

Baubegleitend ist die Kreisarchäologie bei der Umgestaltung des Platzes mit im Boot. Denn ein Suchschnitt im Juni vergangenen Jahres hatte die Gewissheit gegeben: Nur 35 Zentimeter unter der Asphaltdecke liegen Fundamentteile eines fast 1000 Jahre alten Vorgängerbaus der heutigen St.-Martini-Kirche.

Von seinen ursprünglichen Umgestaltungplänen ist der Flecken zu einer kleinen Lösung gekommen, um die Funde unter dem Asphalt zu erhalten. Immer, wenn sich Unerwartetes zeigt, wird die Kreisarchäologie eingeschaltet. Die Grabungsarbeiten in Nörten hat sie an die Firma Streichardt & Wedekind Archäologie aus Göttingen vergeben.

Datenbearbeitung

„Das hier ist vollkommen unerwartet“, sagt Oliefka von der Grabungsfirma. Die Arbeit in solch sensiblen Bereichen sei wie ein Überraschungsei. Kurz vor Ostern beispielsweise hätten sie historische Hausfundamente und einen Brunnen entdeckt.

Auf seinem Zeichenbrett hat Oliefka jetzt das Profil der gemauerten Kanalwand erfasst. „Zeichnen, fotografieren, einmessen, beschreiben“, seien Schritte ihrer Arbeit, sagt Grabungsleiterin Silvana Streichardt und kratzt die Erde von den Steinen. So viel Zeit, wie sie auf der Baustelle verbringt, brauche sie auch für die Bearbeitung der aufgenommenen Daten.

Regelmäßige Baukontrollfahrten gehören zu Oliefkas Alltag. Das Unternehmen betreut mehrere Baustellen parallel, in Nörten beispielsweise ist es auch in die Arbeiten Am Walle eingebunden.

Pfeife aus der Frühen Neuzeit

Auf dem Stiftsplatz kommt Frank Ahlers vom Bovender R & R-Team zu Oliefka. „Ich ziehe jetzt den Frostschutz ab“, kündigt er an und steigt auf den Bagger. Kurzes Stocken, als beim Entfernen des Kiesschotters ein grauer Stein zu Tage tritt. Mit der Schaufel arbeitet Oliefka weiter. Der Stein wird zum Fundament aus der Jetztzeit, Ahlers kann weiterarbeiten.

Etwas später wird Oliefka doch noch fündig: Zutage kommt eine Schicht Brandschutt aus dem 17. Jahrhundert. Als er den Bagger ein weiteres Mal bei einer solchen Aktion begleitet, entdeckt er ein Fragment einer Pfeife. Das sei sehr hilfreich für die Datierung. Das verzierte Stück stammt aus der frühen Neuzeit

„Wir befinden uns mit der Baumaßnahme in der Keimzelle Nörtens“, beschreibt die Kreisarchäologin Petra Lönne. Die Anfänge der Ortschaft gingen bis ins zehnte Jahrhundert zurück. Besonders interessant findet Lönne die Grabungen, weil Nörten vielfach zerstört worden sei. So habe es 1447 eine erste große Zerstörungswelle gegeben. Fast komplett verwüstet wurde der Ort 1626 während des 30-jährigen Krieges.

Weitere Brandkatastrophen geschahen 1599 und 1616. Lönne betont: Bei der Baubegleitung müsse es Ziel der Archäologen sein, die Bauarbeiten möglichst wenig zu behindern und das bestmögliche Ergebnis herauszuholen. Auf der Baustelle in Nörten klappe das prima, sind sich die Beteiligten einig.

Von Ute Lawrenz

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