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Göttingen Architekturbüro Weinmiller entwirft Neubau
Die Region Göttingen Architekturbüro Weinmiller entwirft Neubau
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16:10 26.06.2018
Das "Sägezahnhaus", das ehemalige Gothaer Haus, an der Weender Straße soll demnächst abgerissen werden. Quelle: Christoph Mischke
Göttingen

„Wir waren noch nie soweit“, sagte Stadtbaurat Thomas Dienberg in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Seit Jahren ist die Zukunft des ehemaligen Gothaer Hauses an der Ecke Jüdenstraße und Weender Straße am Eingang der Fußgängerzone Thema bei Rat und Politik. Diverse Eigentümerwechsel hat der triste Bau hinter sich. Handfeste Pläne verfolgt nun seit einiger Zeit der neue Eigentümer Devolopment Partner aus Düsseldorf: Abriss des alten Gebäudes und Neubau.

Mit der Hamburger Firma Atos Asset Management GmbH hatten die neuen Eigentümer die Verkaufsverhandlungen geführt. Über den Kaufpreis war Stillschweigen vereinbart worden. Atos hatte zunächst jahrelang nach einem geeigneten Ankermieter für das 1975 gebaute Haus gesucht, später dann nach einem Käufer. 2011 hatte Atos eine sechs bis acht Millionen Euro teure Sanierung des Hauses vorgestellt. Anfang 2014 hatte ein Atos-Sprecher dann in Aussicht gestellt, bis Mitte 2014 einen Käufer gefunden zu haben. Getan hatte sich aber nichts.

Große Zustimmung im Bauausschuss

Inzwischen haben die Berliner Architekten aus dem Büro Weinmiller einen vom Eigentümer im vergangenen Jahr ausgelobten Architektenwettbewerb gegen vier Mitbewerber gewonnen. Ihr Entwurf soll nun umgesetzt werden. Mit großem Wohlwollen haben die Baupolitiker des Rates ihn bei der Vorstellung durch Architektin Claudia Eckhoff aufgenommen.

Das ehemalige Gothaer Haus. Quelle: Christoph Mischke

»Die Idee unseres Entwurfes ist, es die Kleinteiligkeit der Göttinger Innenstadt aufzunehmen und mit dem geplanten Neubau aufzunehmen«, erläuterte Eckhoff im Bauausschuss. So zeigt der Entwurf zur Weender Straße eine kleingegliederte Fassade, die waagerecht durch mehrere Simse durchzogen ist. Die Straßenecke wird dominiert von einen dreistöckigen Gebäude mit einem spitzen Giebeldach.

40 bis 45 Wohnungen zwischen 30 und 100 Quadratmeter

Ein zweites Gebäude mit Flachdach schließt sich im hinteren Grundstück nahe der Reformierten Gemeinde an. Die beiden Gebäuderiegel teilen sich mit Erd- und ersten Geschoss einen Sockel, in dem Einzelhandel Platz finden soll. Im zweiten und dritten Geschoss sind nach Eckloffs Ausführungen Wohnungen geplant. „Größe zwischen 30 und 100 Quadratmeter“, ergänzt Projektleiterin Maike Müller von Development Partner.

Keine Quote für günstigen Wohnraum

Die Architekten geben die „Bruttogeschossfläche“ mit 13 700 Quadratmetern an. Zu dem Gebäude gehören zudem eine Tiefgarage und ein Dachgarten zwischen den beiden Gebäudeflügeln. Nach derzeitigen Plänen sind 4300 Quadratmeter in dem Neubau für Einzelhandel geplant, die für zwei große und vier kleinere Geschäfte vorgesehen sind. 2600 Quadratmeter sind für 40 bis 45 Wohnungen geplant, für die es laut Dienberg keine Quote für günstigen Wohnraum geben soll. Bei Einführungen dieser Quote seien die Planungen von Development Partner schon zu weit fortgeschritten gewesen, so Dienberg.

In die Jahre gekommen: Der Betonklotz soll weichen und durch ein Gebäude mit kleingliedriger Fassade ersetzt werden. Quelle: Christoph Mischke

Fraktionsübergreifend lobten die Mitglieder im Bauausschuss die Architektur des Neubaus. Nachdem die vorherigen Eigentümer des Gothaer Gebäudes mit ihren Vorstellungen „Hamburger Großstadtflair“ nach Göttingen bringen wollten, füge sich der Weinmiller-Entwurf „sehr gut ins Stadtbild“, urteilte Olaf Feuerstein (CDU).

Politik fordert mehr Stellplätze für Fahrräder

Einziger Kritikpunt am Entwurf: Es gibt nach Einschätzungen der Baupolitiker zu wenig Abstellplätze für Fahrräder. „Wir wollen hier kein zweites Kaufland bekommen“, mahnte Ulrich Holefleisch (Grüne) mit Blick auf die Radsituation vor dem Supermarkt in der Kurzen Geismarstraße. Dienberg räumte ein, dass das Stellplatzproblem bei dem Neubau tatsächlich noch nicht gelöst ist. Holefleisch warnte alle Beteiligten: „Wir werden dem Bebauungsplan nicht zustimmen, wenn das Problem nicht gelöst ist.“

Archäologosche Grabungen am Gothaer haus: Stadtarchäologin Betty Arndt und die Vertreter der beauftragten Grabungsfirma praeHistoria, Grabungstechnikerin Franziska Klose und Grabungsleiter Dr. Eberhardt Kettlitz. Quelle: Peter Heller

Der Bebauungsplan sei schon sehr weit, sagte Karen Hoffmann, Leiterin des Fachdienstes Stadt- und Verkehrsplanung. Offen ist, wann der Neubau beginnen kann. „Vorbehaltlich der Entscheidung des Rates der Stadt Göttingen Anfang 2019“ könnte es nach Angaben von Verwaltungssprecherin Nina Winter Baurecht geben. Nach aktueller Planung des Investors, so Winter, soll der Abbruch bereits im September beginnen und etwa sechs Monate andauern.

Bauzeit 18 Monate

Projektentwicklerin Müller schätzt, dass der Bau des neuen Gebäude etwa anderthalb Jahre dauern wird. Anders als Winter betont sie, dass der Zeitplan für den Abriss noch nicht fest stehe. Zunächst wolle man die archäologischen Untersuchungen an der Ostseite des Gebäudes abwarten.

Kerngeschäft: Entwicklung hochwertiger Einzelhandelsimmobilien

Die Development Partner AG konzentriert sich nach eigenen Angaben bundesweit seit 1982 in ihrem Kerngeschäft auf die Entwicklung hochwertiger Einzelhandelsimmobilien und Geschäftshäuser in bevorzugten Innenstadtlagen. Das Unternehmen zählt sich zu den führenden Entwicklern in diesem Bereich.

Von Michael Brakemeier

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