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Göttingen Asphalt für Jahnstraße nicht ausgeschlossen
Die Region Göttingen Asphalt für Jahnstraße nicht ausgeschlossen
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20:45 29.06.2018
Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) hat sich dem Protest der Anwohner an der Jahnstraße am Leienkanal gestellt. Quelle: r
Göttingen

Rund 50 Bürger brachten am Donnerstag ihm gegenüber ihre Bedenken gegen die geplante Verbreiterung des Rad- und Fußweges zwischen Jahnstraße und Freibad Brauweg in der Südstadt und die Versiegelung des Weges durch eine Teerschicht vor. Nach Auskunft der Bürgerinitiative „Weg am Leinekanal“ waren auch mehrere Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen dabei, die die Asphaltierung des Weges als Qualitätsverlust für ihre Naherholung sehen.

Evelyn Jurkiewicz, Rollstuhfahrerin aus dem Quartier, betonte etwa, dass sie sich bislang auf diesem Weg sehr sicher und wohl fühlte und ihn selbstständig mit ihrem Hund nutzte. Sie formulierte ihre Angst vor rasenden Radfahrern. Sie fürchtet eine abnehmenden Rücksichtnahme gegenüber Fußgängern und Rollstuhlfahrern.

Evelyn Jurkiewicz fürchtet eine abnehmenden Rücksichtnahme gegenüber Fußgängern und Rollstuhlfahrern. Quelle: r

Gegen eine Asphaltierung spricht für die Anwohner auch, dass als Wege für schnellen Fahrradverkehr die Lotzestraße und der Brauweg zur Verfügung stünden. Der betroffene Weg hingegen habe bislang eher den Charakter eines entschleunigten Spazierwegs gehabt. Die Initiative kritisierte, dass die geplanten Maßnahmen eine Umwidmung von einem Weg mit einer hohen Aufenthaltsqualtität zu einem Verkehrsweg darstellten. Diese kämen dann vor allem Radfahrern zugute, während schwächere VerkehrsteilnehmerInnen wie Fußgänger, Familien mit Kindern und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen verdrängt würden.

„Maßnahme aus dem Nahmobilitätskonzept für die Südstadt“

Köhler betonte bei dem 30-minütigem Gespräch vor Ort zwar, dass es das Engagement der Bürger für ihre Stadt ausdrücklich begrüße, er verwies aber auch darauf, dass die geplante Umgestaltung des Weges eine Maßnahme aus dem Nahmobilitätskonzept für die Südstadt sei, dieses sei „demokratisch legitimiert“ und sei durch einen Beteiligungsprozess entstanden und in Ausschüssen und im Rat vorgestellt worden.

Anwohnerprotest. Quelle: r

Das Konzept wurde auf Antrag der SPD mit wiederholter Bürgerbeteiligung entwickelt und einstimmig von der Ratspolitik beschlossen. Der jetzige Protest der Anwohner gegen die Maßnahme stieß daher zuletzt im städtischen Bauausschuss bei Verwaltung und Ratsfraktionen auf Unverständnis. Nach Einschätzung der Stadtverwaltung sei der jetzige Schotterbelag für Radfahrer und mobilitätseingeschränkte Personen ungeeignet. Es habe in der Vergangenheit immer wieder Beschwerden über den Zustand des Weges gegeben. Die Maßnahme soll 30 000 Euro kosten.

Keine Durchfahrt für Autos

Köhler, so Verwaltungssprecherin Nina Winter, zugesagt, „dass die Breite des Weges maximal 2,50 Meter betragen wird und dass sichergestellt wird, dass keine Autos den Weg befahren können“. Dabei solle darauf geachtet werden, dass E-Rollstühle oder Zwillingskinderwagen den Weg noch benutzen könnten. Er wolle weiterhin prüfen lassen, ob Kantsteine an den Seiten gegebenenfalls weggelassen werden können und diese nur zu verwenden, wenn es aus fachlicher Sicht unbedingt notwendig ist. Der Höhenunterschied zwischen dem Radweg und den Eingängen zu den Gärten soll darüber hinaus so gering wie möglich gehalten werden.

Asphalt weiterhin nicht ausgeschlossen

Köhler, so Winter, habe aber ausdrücklich daraufhingewiesen, „dass es auch nach erneuter Abwägung gut sein könne, dass es bei der Entscheidung zum Asphalt bleibt.“

Nach ersten Protesten in der vergangenen Woche hatte die Verwaltung die kurz bevorstehenden Asphaltierungsarbeiten zunächst gestoppt. Durch die Verzögerung seien Kosten von 4600 Euro entstanden, die den protestierenden Anwohnern in Rechnung gestellt werden sollten. Nach Prüfung, sei Verwaltung zu dem Ergebnis gekommen, „davon Abstand zu nehmen“, sagte Winter am Freitag.

Eine Anwohnerin berichtet gegenüber dem Tageblatt, dass es am ersten Protesttag niemanden von Verwaltung oder Baufirma gegeben habe, der die Anwohner aufgefordert hätte, den Weg zu räumen. Die Anwohner hatten den Weg für ein Frühstück genutzt. Bauarbeiter waren mit vorbereiteter Bitumen-Mischung unverrichteter Dinge wieder abgezogen.

300 Unterschriften gegen Umbau

In dieser Woche hatten die Anwohner Unterstützung von Seiten der Naturschutzverbände bekommen. BUND und Nabu äußerten sich kritisch zu den Plänen der Stadt.

Bei Köhlers Besuch übergaben Vertreter der Bürgerinitiative „Weg am Leinekanal“ dem Oberbürgermeister die ersten 100 Unterschriften von Anwohnern, die sich gegen die Maßnahmen aussprechen. Bis Freitagnachmittag hatte die Initiative nach eigenen Angaben bereist mehr als 300 gesammelt.

Fest am Sonntag

Die Initiative plant für Sonntag, 1. Juli, ein Fest in der Jahnstraße. Ab 15 Uhr gibt es Gelegenheit, „dem Protest Ausdruck zu geben“, heißt es in der Ankündigung.

In seiner aktuellen Kolumne „Wätzolds Woche meint unser Autor Lars Wätzold, dass die Verwaltung bei dem Thema „übers Ziel“ hinausgeschossen sei.

Von Michael Brakemeier

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