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Göttingen Wecker und Hüther begegnen sich in Göttingen
Die Region Göttingen Wecker und Hüther begegnen sich in Göttingen
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00:20 19.12.2018
Bewegt und bewegend: Konstantin Wecker. Quelle: Peter Heller
Göttingen

Gerald Hüther ist ein sehr renommierter Göttinger Hirnforscher. Oft taucht er in Expertengesprächsrunden auf. Ein Grund dafür ist, dass er seine Erkenntnisse über den Menschen sehr einfach und nachvollziehbar erläutern kann. Hier trifft er sich mit dem Liedermacher Konstantin Wecker, der auch prägnant wiedergeben kann, was ihn umtreibt: Der Kampf gegen die neue und die alte Rechte, gegen Ignoranz und Rassismus und alles, was damit zusammenhängt. Das macht er musikalisch, aber auch mit Kampfschriften und sehr poetischer Lyrik. Hüther wie auch Wecker haben am Sonnabendabend damit das begeisterte Publikum in der ausverkauften Aula der Universität am Wilhelmsplatz von den Sitzen getrieben.

Als die ersten Töne am Klavier erklingen, ist sofort klar. Wecker steigt mit einem seiner bekanntesten Lieder ein: „Gespräch mit Willy“. Die Version geht zurück auf das Lied über seinen Freund Willy, der bei einer Wirtshausprügelei erschlagen wurde, weil er gegen das dumpfe Nazi-Gedröhn eingeschritten war, was durch die Gaststätte raunte. In der neuen Version verbindet Wecker allerlei andere Textformen wie Tagebucheinträge und Essays zu einer aktualisierten Variante gegen die „braune Brühe“, die wieder über das Land schwappt – ein Bild, das Wecker häufiger gebraucht an diesem Abend. „Heut’ drücken die neuen Nazis ins Parlament“, singt er, und vom „Kapitalismus, der wie ein Monster auf die Menschheit gestürzt ist“. „Was ist passiert, Willy?“

Wecker ist ein Überzeugungstäter. Über sein Glück freut er sich, in eine antifaschistische Familie hineingeboren zu sein, mit seinen Eltern über den alten Faschismus habe er reden können. Seit dem ist Wecker fast immer dabei, wenn es um Frieden geht, um den Kampf gegen die Übel dieser Welt. Den Göttinger Friedenspreis hat er im März 2018 verliehen bekommen. Dieser Auftritt in der Uniaula sei ja eigentlich seine Dankesrede. „Das hilft mir sehr in meiner Friedensarbeit“, sagt er und das Publikum klatscht.

Dann spricht Wecker vom Mitgefühl, der „höchsten Errungenschaft des Homo sapiens und erinnert daran, dass er einst eine „Revolution der Zärtlichkeit“ gefordert habe – kurze Zeit danach habe das auch der Papst gefordert. „Wo der Vatikan überall mit liest ...“. „Wunderbar poetische Lieder“ kündigt er an und singt einen weiteren Wecker-Klassiker: „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist.“

Hüther kündigt er dann als einen „Göttinger Gelehrten, der ein wunderbares Verhältnis zur Poesie hat“. Ein Vorwort hat der Wissenschaftler zu einem Buch Weckers geschrieben. Hüther revanchiert sich: „Alle kann er nicht berühren, andere schon – so wie mich.“ Und dann erzählt Hüther eloquent und charmant aus seinem reichen Erkenntnis-Fundus. „Wir können nur überleben, wenn wir uns ständig verändern“, sagt er, und. „Wir sind alle Suchende. Manchmal kann man sich verirren, auch als große Gruppe.“ Sein Credo: „Ich halte es nicht mehr aus, dass eine Spezies die Vielfalt auf der Erde vernichtet.“ Das hätte auch Wecker sagen können.

Dynamisch und voller Energie geht Wecker seine Mission an, egal, ob am Klavier oder mit dem Lyrikband in der Hand. Flammende Reden hält er zwischen den Liedern und mit den Liedern – ein Gesinnungsmusiker. Auch Hüther trägt Botschaften in die Welt. Ein Beispiel: Mut braucht nicht der, der Angst überwindet. Mut brauche der, der etwas tun soll, was er nicht will. Ein Männerproblem. Denn Männer müssen um Anerkennung kämpfen, und die Gesellschaft bietet ihnen auf perfide Weise Gelegenheiten dazu. Warum funktioniert das? Weil Männer neben dem X-Chromosom nur über ein Y-Chromosom verfügten, erläutert Hüther. Dort allerdings stehe kaum etwas drauf, nur, wie sich weibliche Geschlechtsorgane, die bereits angelegt seien, in männliche formten. Sie seien also das „konstitutionell schwächere Geschlecht“, denn wenn das X-Chromosom nicht funktioniere, könnten Männer nicht auf ein zweites zurückgreifen.

Mutters Engagement bei Friedensdemos

Szenenwechsel: Hüther geht von der Bühne, Wecker kommt. Ganz familiär wird er plötzlich. Er spricht von seiner Mutter und ihr Engagement bei Friedensdemos, immer mit dem Sohn in der ersten Reihe. Er spielt eine Tonaufnahme ein, wie er als kleiner Junge mit dem Vater, einem Opernsänger, die eine hinreißende Traviata singt und erzählt von der Liebe zu ihm. Dann bittet er einen Mann auf die Bühne, Edzard Model. der habe sich bei einem seiner Lieder wieder ganz neu in seine Frau verliebt. Per Mail habe er angefragt, ob er dieses Lied nicht mit ihm auf der Bühne spielen dürfe. Wecker stimmte zu und der Jazzgeiger reiste extra aus Köln an. Ein weiterer bewegender Moment an diesem Abend, der mit Standing Ovations für die Protagonisten endete.

Von Peter Krüger-Lenz

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