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Göttingen Aus dem Amtsgericht: Schattenboxen und Messerfuchteln
Die Region Göttingen Aus dem Amtsgericht: Schattenboxen und Messerfuchteln
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19:52 18.03.2013
Symbolbild.
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Tatort war der Wall. Doch alles begann schon am Vormittag in der nahen Berufsschule. Dort seien, so sagt das 18-jährige Opfer als Zeuge aus, drei Unbekannte in der Pausenhalle aufgetaucht und hätten einen Mitschüler gesucht. Dann hätten sie ihn angesprochen und gefragt, ob er Cannabis besorgen könne. Er habe versprochen, mal einen Kumpel zu fragen.

Später traf man sich auf dem Wall. Da hätten die Täter, von denen nur zwei auf der Anklagebank sitzen, weil der dritte nicht ermittelt wurde, plötzlich Geld gefordert. 15 Euro wollten sie, um damit das Rauschgift zu bezahlen. Inzwischen hatte der 18-Jährige tatsächlich telefonisch jemanden erreicht, der bereit war, vier Gramm Marihuana zu besorgen.

Als er das Geld aber nicht rausgerückt habe, hätten die Angeklagten ihm das Handy entrissen und gesagt, er bekomme es wieder, wenn der Stoff da sei. Dabei sei einer der Täter um ihn herum getänzelt und habe Schattenboxen gemacht – so, als wenn er ihm mit der Faust ins Gesicht schlagen wolle, ihn dabei aber nicht getroffen. Der andere habe ein Messer in der Hand gehabt und damit gefuchtelt. Das habe er als Bedrohung aufgefasst. „Ich hatte schon ein bisschen Angst.“

So verbrachten Täter und Opfer den Nachmittag auf dem Wall, verabredeten sich mit dem Haschischlieferanten vor dem Carre, bezahlten den Stoff mit dem vom Opfer erpressten Geld und zogen sich alle, also einschließlich Opfer, auf den Wall zurück, um zu rauchen, worauf man den ganzen Nachmittag gewartet hatte. Der Joint, sagt der 18-Jährige, sei dabei „gleichberechtigt rumgegangen.“

Der 18-Jährige schaltete erst später die Polizei ein, weil er sein Handy nicht zurück erhielt. Auf den vorgelegten Lichtbildern erkannte er zunächst auch alle drei Räuber. Erst später gab er an, bei dem Dritten sei er sich nun sicher, dass der es nicht gewesen sei. Dann erzählt er noch, dass ihn einer der Angeklagten in Begleitung seines Vaters einmal angesprochen und sich für die Tat entschuldigt habe. Gleichzeitig sei ihm aber gesagt worden, dass er „was aufs Maul“ kriege, falls er zur Polizei gehe. Dort war er aber schon längst.

Vor der Jugendrichterin sitzen deshalb ein 18 Jahre alter Schüler mit irakischer Staatsangehörigkeit und ein 21 Jahre alter Barkeeper, der in Jugoslawien geboren ist. Den Namen des dritten Mannes verschweigen beide. Auch zu den Vorwürfen schweigen sie zunächst.

Später, als das Opfer gehört ist und der Staatsanwalt für den Fall eines Geständnisses Bewährung in Aussicht stellt, gibt es doch noch ein Geständnis – erst von einem, später, als der andere belastet wird, auch von diesem. Demnach sei es so gewesen, wie das Opfer es sagt.
Die Strafe fällt mit einem Jahr, neun Monaten sowie eineinhalb Jahren Jugendstrafe milde aus, zumal sie zur Bewährung ausgesetzt wird. Jeder muss 100 Stunden gemeinnützig arbeiten, und 400 Euro gehen als Schadensersatz ans Opfer.

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