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Göttingen August Spies und die Arbeitskämpfe in den USA
Die Region Göttingen August Spies und die Arbeitskämpfe in den USA
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00:30 27.04.2018
Eröffnung der August-Spies-Ausstellung Quelle: Rüdiger Franke
Göttingen

Als ehrenamtlicher Museumsleiter des Museums Friedewald sei er beim Aufräumen auf eine alte Ausstellung über August Spieß gestoßen, berichtete Christian Binar. Das Thema habe ihn begeistert und immer noch nicht wieder losgelassen. So habe er die August Spies Gesellschaft gegründet und als erstes eine neue Ausstellung konzipiert.

Mit 16 Jahren emigriert

Spies wurde 1855 im nordhessischen Friedewald als Förstersohn geboren, berichtete Binar. Im Alter von 16 Jahren sei er 1872 in die USA emigriert und habe eine Ausbildung als Möbelschreiner begonnen. Ein Jahr später habe eine große Wirtschaftskrise begonnen. Spies sei in dieser Zeit politisiert worden, habe seine Arbeit niedergelegt und sei Chefredakteur der größten Arbeiterzeitung geworden.

Acht-Stunden-Bewegung

In den USA habe es in dieser Zeit bereits eine Acht-Stunden-Bewegung gegeben – bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 14 bis 16 Stunden pro Tag. „Anfangs sah Spies darin nur einen faulen Kompromiss, weil dadurch Lohnarbeit nicht abgeschafft wurde“, sagte Binar. Später habe er sich dann dort engagiert. Chicago habe sich zu einem Zentrum der Acht-Stunden-Bewegung entwickelt. „1884 entschieden sich die Gewerkschaften zu einer 1.-Mai-Demonstration aufzurufen.“ 1886 sei es der Entschluss dann umgesetzt worden. Die Chroniken seien unterschiedlich und berichteten von 400 000 bis zu 700 000 Arbeitern, die auf die Straße gingen.

Proteste auf dem Haymarket

Bei einem Streik am 3. Mai seien dann zwei Arbeiter von der Polizei erschossen worden, so Binar. Für den 4. Mai 1886 wurde eine Protestveranstaltung auf dem Haymarket organisiert, auf der auch Spies sprechen wollte. Als die Polizei diese stürmte, sei eine Bombe auf die Polizei geworfen worden. Acht Personen standen dafür vor Gericht, davon drei mit Bezug nach Kassel. Außer Spies seien dies Oscar Nebe sowie Georg Engel gewesen. Das Todesurteil gegen Spies und Engel habe der Gouverneur von Illinois 1893 als unrecht annuliert. Die Strafen seien aber bereits 1887 hingerichtet worden.

Arbeitszeitverkürzung

Im Anschluss an die historische Einführung diskutierten Frauke Vermeulen (IG-Metall-Jugend), Damiel Teune (IG-BAU-Jugend), Ralf M Damitz (DGB-Jugend, Verdi und Vier-Stunden-Liga) mit Binar und Moderator Tim Kessling (DGB-Jugend) über die Themen der Arbeitszeitverkürzung und die Aktualität von Arbeitskämpfen in der Geschichte des 1. Mai. Angekreidet wurde den heutigen Gesellschaften eine sozialverträgliche Verhandlung mit den Arbeitgebern. Deshalb sei auch die Vier-Stunden-Liga gegründet worden, berichtete Damitz. Die Forderungen seien ein Vier-Stunden-Arbeitstag bei vollem Lohnausgleich und voller Personalaufstockung. „Was für viele zunächst wie ein guter oder auch schlechter Witz klingt“, so Damitz, habe aber den Hintergrund, wieder etwas bewegen zu wollen. „Wir haben die Forderungen erst einmal in den Raum gestellt und schauen, was geschieht.“

Zwei Veranstaltungen

Die Ausstellung zu August Spies ist bis 4. Mai im Ausbildungsrestaurant von Arbeit und Leben zu sehen. In der Zeit gibt es zwei weitere Veranstaltungen. Am Montag, 30. April, geht es ab 19 Uhr unter dem Thema „Unser 1. Mai in Göttingen“ um Historisches, Kurioses und Wissenswertes zum Tag der Arbeit in der Region. Am Mittwoch, 2. Mai, um 19 Uhr lautet das Thema “Wenn Nazis Gewerkschaften zerschlagen“. Anlass ist der 85. Jahrestag der Zerschlagung durch Nationalsozialisten.

Von Rüdiger Franke

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